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  • Japans Flotte - Teil 1Datum13.03.2017 12:31

    Japan hatte zu Beginn des 2. Jahrhunderts ähnliche Probleme wie auf der anderen Seite des Globus' das Deutsche Kaiserreich. Zwar lag die Reichseinigung in Japan nach der Machtübernahme des Shôgunats und die Gründung des Bakufu (Militärherrschaft) in Edo durch Tokugawa Ieyasu ( Er nahm1603 den Titel des Shôgun an, den in den kommenden 265 Jahren nur Mitglieder des Tokugawa-Clans erhalten sollten.), anders als im Deutschen Kaiserreich (1871), schon um einige Jahrhunderte zurück, dennoch fühlte sich Japan ebenso als "zuspät" gekommen und um einen "Platz an der Sonne" kämpfend wie das Reich Wilhelm II.
    Um 1800 entstanden in Japan die ersten Manufakturen und ein Machtverlust der Shogune ging damit einher. Nachdem der US Admiral Matthew C. Perry 1853 mit seinen "Schwarzen Schiffe" (Mississippi, Plymouth, Saratoga und Susquehanna im Hafen von Uraga nahe Edo)* die Öffnung japanischer Häfen für den Außenhandel erzwungen hatte, ging es mit der Herrschaft der Shogune weiter schnell bergab. 1867 übertrug der politisch geschwächte Tokugawa Yoshinobu, er war der letzte Shogun, die Macht an Kaiser Mutsuhito, dessen Regierungszeit den Namen Meiji trug. Im Grunde bekam der Tenno nun seine politische Macht, die er schon seit Jahrhunderten verloren hatte, wieder zurück. Dieser verlegte ein Jahr darauf seinen Hof nach Edo und nannte die Stadt „Östliche Hauptstadt“, Tokio damit brach die Meiji-Periode und die Modernisierung Japans begann.
    SO gesehen also auch nicht sehr viel früher als im Deutschen Reich 1871. AUCH daher rührten die gleichen Probleme! Auch das Vorshogunat läßt sich in etwa mit der Geschichte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation vergleichen. Viele mehr oder weniger selbständige Lehensherren herrschten im Reich, währen der Kaiser zwar das Reichsoberhaupt war aber im Grunde nur in seinen eigenen Stamm- und Erblanden was zu Melden hatte. 1867 erhielt der Japanische Kaiser seine Macht zurück(nicht ohne Kämpfe gegen das Shogunat, die auch mit den beiderseitigen bescheidenen Seestreitkräften geführt wurden) und 1871 der Deutsche Kaiser und das Schicksal, freundlich als Modernisierung umschrieben, nahm in beiden Hemisphären seinen Lauf.
    "Modernisierung" bedeutet zur damaligen Zeit zum großen Teil Rüstung! Wilhelm II., durch seine Kindheit auf die englische Flotte fixiert, setzte verstärkt auf den Ausbau einer Hochseeflotte und betrieb auch eine Kolonialpolitik. Letzteres diente unter anderem auch als Begründung für den Flottenbau. Japan nun seinerseits, war ja ein reiner Inselstaat und um so verwunderlicher die Ereignisse einige Jahrhunderte zuvor.
    1639 wurden die letzten Spanier und Portugiesen des Landes verwiesen und nur die Holländer und die VOC (Verenigde Oostindische Compagnie, VOC) durften von der, nach außen (hohe Bretterzäune) abgeschotteten künstliche Insel Dejima / Deshima im Hafen von Nagasaki, anlanden und leben. Andere Europäer, die anderweitig nach Japan zu gelangen versuchten, mussten mit Todesstrafe oder lebenslanger Inhaftierung rechnen. Ab 1633/34 war es den Japanern verboten ihr Land zu verlassen, was ja nur per Schiff ging. Den Japanern waren nur Küstenschiffe für den Küstenhandel und der Küstenfischerei von einer Größe von 50 BRT (500 Koku) erlaubt oder anders gesagt; es gab ein Verbot für den Bau hochseetüchtiger Schiffe.
    Das warf Japan in seiner industriellen Entwicklung auf ALLEN Gebieten weit zurück. Dennoch stieg das Interesse an Japan als Absatzmarkt und Handelspartner weltweit, so daß in Fortführung dieser Tradition im 19. Jahrhunderts viele japanische Politiker eine bewusst isolationistische politische Haltung einschlugen, die 1825 in den Befehl, die Anlandung ausländischer Schiffe mit Gewalt zu verhindern, gipfelte. Dieser Befehl wurde aber 1842 wieder aufgehoben.
    Allerdings stand Japan damit nicht allein, denn im 16. Jahrhundert schränkten sowohl Japan als auch Korea (welches damals noch ein unabhängiges Königreich war, wenn auch bis 1895 unter der Vorherrschaft Chinas und wurde nach einer kurzen selbständigen Kaiserzeit, japanisches Protektorat und ab 1910 Kolonie) den Überseehandel fast gleichzeitig ein, und auch China öffnete nur den Hafen Kanton für europäische Seefahrer. Grundlos war die Furcht vor den Eurpäern nicht, wie sich noch zeigen sollte!
    Doch nun wieder zurück zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Japan wurde sich seiner Stellung in der Welt bewußt. Es war ein Inselstaat und hatte keine nenneswerte Flotte. Seine Inseln waren gebirgig und nur wenig fruchtbar und auch ohne nennenswerte große Bodenschätze. Wenn man still und bescheiden auf seinen Inseln sitzen bleiben würde, könnte man damit vielleicht auskommen. Für viel mehr reichten die landeseigenen Ressourcen aber nicht und so sollte es bis in unsere heutige Zeit bleiben (Eisen, Kohle, Erdöl sind eben keine nachwachsenden Rohstoffe). Reis (zwar ein "nachwachsender Rohstoff") beispielsweise muste teuer in Korea eingekauft und nach Japan verschifft werden um nur ein Beispiel zu nennen.
    Japan war, wollte es sich modernisieren, auf die Einfuhr von Rohstoffen wie Eisen, Kohle, Erdöl angewiesen hatte aber gleichzeitig kaum Devisen und konnte sich auch nur schwer welche beschaffen. Man wollte Expandieren und kam bei diesen Vorstellungen auf die gleichen Gedanken wir alle anderen Großmächte, einschließlich Deutschlands: Man brauchte Kolonien! Japans Nachbarn Russland und die USA machten es ihnen ja vor und auch die anderen europäischen Mächte hatten Fernost entweder kolonisiert oder in Interessensphären unter sich aufgeteilt und nun kam Japan und wollte SEINEN "Platz an der Sonne".
    Schwierig ein Land in die Moderne zu führen, das sich in vielen Bereichen seit Jahrhunderten kaum weiter entwickelt hat. Wie und womit wollte man die Inseln verlassen, wenn man außer Dshunken kaum moderne Schiffe, geschweige denn eine halbwegs moderne Marine besaß? Um es noch einmal deutlich zu machen: VOR 1633/34 hatte Japan durchaus noch eine Kriegsflotte, mit der es wechselseitig erfolgreich gegen Korea und China auch Seekrieg führte und vor 1850 gab es auch Kriegsschiffe und zwar Kriegsdshunken mit ca. 32 m Länge, 7 m Breite und 2 m Tiefgang, sowie 230 qm Segel und zwischen 30 bis 60 Ruderern, einer Höchstgeschwindigkeit von 2,5 sm und 3,5 sm je Stunde sowie 250 Mann Besatzung. So ähnlich sahen die Schiffe schon gut 300 Jahre vorher aus. Ab1853/54 begann noch unter dem Shogun in der Werft Kagoshima so etwas wie ein neuer Flottenbau. Das erste moderne Schiff nach europäischem Muster war die "Shaohei Maru". Sie war ein 27,5 m langer Dreimaster und 7,3 m breit. Sie hatte 10 Kanonen. Der 05. Okt. 1854 gilt als der Gründungstag der japanischen Marine. An diesem Tag wurde das ehemalige holländische Schiff "Soembing" (gebaut 1852) als "Kanko Maru" von den Japanern in Dienst gestellt. Es war ein als Kanonboot ausgerüsteter Segelfregatte/Raddampfer von 784 t mit 6 Kanonen und ein Geschenk von König Wilhelm III. (Holl.).
    1855 und 1857 wurde je eine Marineschule gegründet an denen holländische Lehrer unterrichteten. 1855 bestand die Flotte des Shogunats bereits aus vier raddampfern und 1860 wurde die erste Pazifiküberquärung mit einem ebenfalls in Holland gebautem Schiff, der "Kanrin Maru" (700t) vollbracht. 1863 schließlich besaß das Shogunat und verschiedene Daimyo 24 Dampf- ( aber nur 5 kleine Dampfkriegsschiffe) und 6 Segelschiffe. Alle nach europäischer Bauart gebaut.
    Ein Jahr vor der (offiziellen) Machtübernahme durch den Kaiser Mutsushito 1867, verfügte das Shogunat mit den abhängigen Daimyon schon über 42 Schiffe des Shogun und 93 Schiffe der Daimyos. Allerdings waren davon nur 30 bis 36 richtige Kriegsschiffe, von denen wiedrum eine größere Anzahl im Ausland gebaut worden war. Die Masse der Schiffe waren Hilfs- oder Transportschiffe. Die zehn größten Schiffe hatten zusammen 8.592 t und 88 Geschütze. Von dieser beachtlichen Zahl von Schiffen überstanden nur 5 den Bürgerkrieg von 1867/68.
    Nach ihrem Sieg über die Flotte des Shogun und der der Rebellen (anschließend) bestand die Kaiserliche Japanische Flotte nur noch aus 3 Kriegsschiffen und vier Transportdampfer. Diese "Flotte" wurde im Laufe des Jahres noch durch die Überstellung von den Daimyos um 10 Kriegs- und 4 Transportschiffe ergänzt.
    Ende 1872 bestand die neue Flotte aus aus 2 Gepanzerten (geschützte) Kreuzern, 4 Ungeschützen Kreuzern, und 8 Kanonenboote. Zusammen 14 Kriegsschiffe mit zusammen 10.131 t. Dazu kamen 6Tansportdampfer oder auch Hilfsschiffe mit zusammen 4.382 t.
    Im Februar 1872 wurden Marine und Heer getrennt und ein selbständiges Marineministerium begründet. Daher gilt das Jahr 1872 als Gründungsjahr der modernen japanischen Marine. Nicht zu verwechseln mit dem 05. Okt. 1854.
    1873 wurde in Japan das erste Flottenbauprogramm aufgelegt. Es umfasste 70 (!) Kriegsschiffe. Ein utopischer Plan wie fast 70 Jahre später der deutsche "Z Plan". Aus Geldmangel wurde dieses Projekt wieder schnell aufgegeben. 1875 wurde dann das erste realistishe Flottengesetz verabschiedet (Deutsches Kaiserreich erstes Flottengesetz 1898). Ebenfalls 1875 wurde von Mitsubishi eine eigene Seefahrtshochschule eröffnet, die 1885 von der japanischen Regierung übernommen wurde.
    Im April 1893 bildeten Armee und Marine spezielle Kommissionen für Proviant und Kriegsmaterial, welche die Vorbereitung von Armee und Marine für den Kriegsfall vorbereiteten und im Mai des selben Jahres wurden neue Vorschriften erlassen und die Kompetenzen zwischen Generalstab und Admiralsstab neu festgelegt. Gleichzeitig ging man daran das Bildungssystem zu reformieren und schuf 34.000 Grundschulen und zahlreiche Hochschulen und Universitäten. Ein unumgänglicher Schritt, wollte man Armee, Marine und Produktion modernisieren bzw. erst aufbauen! Aus Bauern mußten Industriearbeiter werden und aus Fischern Matrosen für die neu zu schaffende Kaiserliche Marine.
    Wie sehr es an ausgebildetem Personal fehlte und wie schnell dieses Manko aufgeholt wurde, sollen folgende Zahlen verdeutlichen: Im Jahre 1876 gab es nur 4 Japaner mit einem Seefahrtspatent als Seeoffizier gegen über 74 im japanischen Dienst stehenden Ausländern. Im Jahre 1895 verkehrte sich das Verhältnis ins Gegenteil und 835 Ausländern standen nun 4.135 Japaner gegenüber. Bei den Kapitänen führten die Ausländer noch mit 308 zu 227 Japaner. Bei den Ingeneuren sah es ähnlich aus. 196 Ausländern standen 125 Japaner gegenüber, was sich bis 1904 349 Ausländer zu 16.886 Japaner änderte. ALLE diese Angaben beziehen sich auf die Handelsmarine.
    Schon bald bildeten sich in der Regierung zwei politische Richtungen, die eher politisch orientierte Fraktion und die militärische Fraktion. Diese Spaltung blieb bis 1945 und trieb Japan nicht nur in den 2. Weltkrieg.
    Da man nun einmal Kanonenboote hatte, beschloß man diese auch einzusetzen. Man besetzte die unbewohnte Bonin Insel(Ogasawara-Inseln etwa 1000 Kilometer südöstlich der japanischen Hauptinsel Honshu) und verleibte sie sich 1873 ein. Dann unternahm man eine Strafexpedition nach Taiwan 1879 wurden, die "vertraglich" von China überschriebenen, 1.200 km südwestlich von Japan, zwischen Kyushu und Taiwan liegenden Ryukyu-Inseln an Japan angegliedert (man beachte die Entfernungen) und schließlich galt es noch die Nordgrenze zu sichern. Tatsächlich war die Nordinsel so etwas wie eine Kolonie, das Sibirien Japans gefolgt von den Kurilen und Südsachalin, dem, um beim Bild zu bleiben, Alaska Japans.
    1875 schließlich einigte man sich mit Rußland der Art, dass Südsachalin an Russland ging und die Kurilen an Japan. Ein Witz der Geschichte, denn während des russisch-japanischen Krieges von 1904 bis 1905 besetzten die Japaner den südlichen Teile der Insel (wieder). 1945 besetzte die Sowjetunion im Zuge des 2. Weltkrieges dann (auch wieder) die ganz Insel und zusätzlich die Kurilen bis zum 5. September größtenteils kampflos. Dennoch fielen über 8.000 Sowjetsoldaten.
    Mit diesem Vertragswerk wurde Japan zu einem anerkannten politisch verläßlichen Partner und England und Frankreich zogen ihre seit 1863 zum Schutz der Europäer in Yokohama stationierten 1.500 Mann ab.
    Nachdem nun die Grenzen im Norden gesichert und im Süden erweitert waren, sah man sich vor seiner "Haustür" um. Dort lagen China und das von China in Abhängigkeit stehende Korea. In Anlehnung an die gängige "Kanonenbootpolitik" jener Zeit und um eine direkte Konfrontation mit China zu vermeiden, sandte man drei Kriegsschiffe zur "Vermessung" in koreanische Gewässer, wo sie promt beschossen wurden. Daraufhin wurde zurück geschossen und Truppen gelandet. Unter dem Eindruck dieser Ereignisse fanden dann 1876 "Verhandlungen" zwischen Korea und Japan statt. Auf dem ersten Blick sehen die Bedingungen nicht mal so schlecht aus, aber NUR auf dem ersten Blick. Korea wurde formal von Japan als unabhängiger Staat anerkannt, Errichtung ständiger Missionen in beiden Ländern(Hauptstädte), Errichtung verschiedener exterritorialer Konsulate in verschiedenen koreanischen (nicht japanischen) Städten und das Recht der Ansiedlung von Japanern in Korea (aber nicht umgekehrt). Japan installierte sich selbst sozusagen als Trojanisches Pferd und legte gleichzeitig Feuer an die Lunte zum Krieg mit China.
    Man sieht also, dass Japan nach Jahrhunderte der Isolation rasend schnell mit dem Aufbau seiner Flotte auch eine auf Expansion und Aggression ausgerichtete Außenpolitik zu betreiben begann! Aber auch im Innern bei den Aufständen in den Jahren 1876/77 kam die Japanische Kaiserliche Flotte erfolgreich zum Einsatz. Danach gab es in Japan 17 Jahre eine friedliche Entwicklung, in der die Japanische Gesellschaft auf ALLEN Gebieten einen gewaltigen Fortschritt erlebte, ähnlich wie Deutschland, das seinen letzten Krieg 1870/71 für lange Zeit geschlagen hatte!


    * Die Flagge von Perrys Flaggschiff war bei der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg an den Aufbauten des Schlachtschiffes USS Missouri angebracht, auf dem die Kapitulation am 2. September 1945 unterzeichnet wurde. Perrys Tochter Caroline war mit dem deutsch-amerikanischen Bankier, Repräsentant der Rothschilds und Politiker August Belmont verheiratet. (Wiki)

  • Die Japaner im Mittelmeer.Datum11.03.2017 12:03
    Thema von Waldi44 im Forum Habt ihr das gewusst?

    Die Kaiserlich Japanische Kriegsmarine im Mittelmeer 1917-19
    Im April 1917 trafen acht Zerstörer der Kaba-Klasse der Kaiserlich Japanischen Marine in Malta ein, um Schiffen der Ententemächte Geleitschutz gegen deutsche und österreichisch-ungarische U-Boote zu geben. Insgesamt kamen 14 Zerstörer und drei Kreuzer im Rahmen des 2. Sonder-Geschwaders zum Einsatz und fuhren 348 Sicherungsfahrten für insgesamt 788 Schiffe, darunter besonders viele Truppentransporter. Sie meldeten dabei 36 Angriffe auf U-Boote der Mittelmächte. Es gab auch Verluste: der Zerstörer „Sakaki“(810 ts) wurde 11. 06.1917 vor Kreta von dem k.u.k. U-Boot U-27 torpediert. Das Vorschiff brach ab, 59 von 92 Mann der Besatzung fielen; in Malta steht ein Denkmal für sie. Das Schiff selbst konnte gerettet und repariert werden. Nach dem Krieg wurden als Kriegsbeute sieben deutsche Beute-Boote 1919 vom 2. Sondergeschwader nach Japan überführt und wie üblich "auseinander genommen" und studiert. Die daraus gewonennen Erkenntnisse waren für den japanischen U-Bootbau nach dem Ersten Weltkrieg richtungsweisend.

  • 150 Jahre "Jammerbock"Datum11.03.2017 11:35
    Thema von Waldi44 im Forum Habt ihr das gewusst?

    Eine bei Soldaten aller Armeen und aller Zeiten beliebte Verballhornung ihres Truppenstandortes. Hier Jüterbock. 1860 erblickte der Schieß- und Übungsplatz für Preußens Militär, das "Licht der Welt". Rund 150 Jahre bestand der Schießplatz und Truppenübungs- und Versuchsplatz Jüterbog. Die dazugehörige Garnison war unter verschiedenen Flaggen eine der bedeutendsten in Deutschland. Der traditionsreiche Heeresstandort mit seiner Artillerieschule, ab 1909 fanden auf ihm Schießversuche mit dem 42-cm-Mörser "Dicke Berta" statt, war ab 1935 gleichzeitig zu einem ebenso großen Übungsplatz der Luftwaffe geworden. Seit dem Abzug der letzten sowjetischen Truppen 1994 und dem Desinteresse der Bundeswehr am Standort hat dieser Teil der Geschichte offensichtlich seinen Abschluß gefunden.

  • Es begann mit 30 Bombern!Datum11.03.2017 11:18
    Thema von Waldi44 im Forum Ostfeldzug

    Wer an den 22. Juni 1941 denkt, sieht meist tausende voran stürmende deutsche Panzer, tausende schießende Artillerie Geschütze, Millionen anstürmender Soldaten und einen von deutschen Flugzeugen verdunkelten Himmel vor sich! Theoretisch richtig aber was die Luftwaffe anging, praktisch falsch! Am frühen Morgen des 22. Juni um 4 Uhr MESZ (Mittel Europäischer Sommer Zeit) überreichte der deutsche Botschafter, Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg, dem sowjetischen Außenminister Wjatscheslaw Molotow in Moskau ein „Memorandum“, das Faktisch einer Kriegserklärung gleich kam und die Schuld dafür der Sowjetunion zuschob.
    Diese Memorandum erfolgte aber erst, nachdem schon Stunden vorher deutsche Bomber die Grenzen des sowjetischen Luftraumes überflogen hatten und genau um 3:15 Uhr die ersten Bomben auf die grenznahen sowjetischen Flugplätze abgeworfen wurden! Der Überflug blieb natürlich nicht unbemerkt und wurde bis nach Moskau gemeldet. Gemeldet wurden auch die vielen Erkundungsflüge in den Tagen vorher und gemeldet wurde der genaue Angriffstermin auch durch Überläufer. Doch Stalin blieb dabei: Nicht provozieren lassen!
    Um 5:30 Uhr erfuhr die deutsche Öffentlichkeit offiziell vom deutschen Angriff, der bereits um 3:00 Uhr begonnen hatte.
    Wie schon erwähnt fanden die ersten Bombardierungen schon um 3:15 Uhr statt, also 15 Minuten nach dem offiziellen Angriffstermin. So schnell war damals kein Flugzeug, auch kein deutsches.
    Geplant war ursprünglich, dass der Angriff der Luftwaffe gleichzeitig mit dem der Artillerie beginnen sollte. Da war es aber noch zu dunkel, denn die Flugzeuge hätten deutlich vor dem Beginn des Artillerieschlages starten und sich formieren müssen. Das lehnte Kesselring, Oberbefehlshaber der Luftflotte 2, ab. Nun gab es ein Problem: Griffen Heer und Luftwaffe gleichzeitig an, konnte man selbst die grenznahen Flugplätze der Sowjets nicht rechtzeitig erreichen, um deren Luftwaffe, wie geplant, auszuschalten. Um sich aber für einen früheren Angriffstermin überhaupt formieren zu können, war es noch zu dunkel. Es fehlten eben noch die technischen Voraussetzungen dafür.
    Es musste ein Kompromiss her.
    Der Kompromiss bestand nun darin, dass ganze 30 Bomber , He111, Ju88 und Do17 Z zum Angriff auf sowjetische Flugplätze aufstiegen. Jeweils 3 Bomber griffen insgesamt 10 Flugplätze zwischen Bialystok und Lemberg (Lwow) an. Nicht viel mag man meinen aber sie fanden ideale Bedingungen vor!
    Statt die von Polen 1939 eroberten Ostgebiete (für die Sowjetunion Westgebiete) als Pufferzone gegen Deutschland zu benutzen, schob man die Rote Armee und die Rote Luftwaffe in eben diese Gebiete vor. Für die Präventionsvertreter ein klarer Beweis für die aggressiven Absichten der Sowjets. Das Problem, vor allem für die Luftwaffe bestand nun darin, dass man mit dem Bau größerer befestigter Flugplätze nicht nach kam aber die Flugzeuge irgendwo unterbringen musste. Also tat man dies auf den wenigen schon fertigen Plätzen und dort standen sie dann zu hunderten Flügelspitze an Flügelspitze, während ihre Piloten schliefen oder im Urlaub waren. Der 22. Juni 1941 war ein Sonntag......
    2 Kg Splitterbomben vom TypSD2 ( 0,225 Kg Sprengstoff) fielen in die dichten Reihen der Flugzeuge und zerfetzten sie und ihre Treibstofftanks, die infolge dessen in Brand gerieten. Anschließend vervollständigten die Bomber mit ihren Bordwaffen das Zerstörungswerk! Als sie sich auf dem Rückweg befanden, begann das Unternehmen "Barbarossa" offiziell und rund 500 Horizontalbomber, 270 Sturzkampfbomber und 480 Jäger griffen die Sowjetischen Bodentruppen und die meist noch immer auf ihren Flugplätzen stehende Rote Luftwaffe an. Ihnen gegenüber standen im wahrsten Sinne des Wortes in den westlichen Militärbezirken rund 7.500 sowjetische Flugzeuge der unterschiedlichsten Muster und weitere 4.500 bis 5.000 in den anderen. Die Deutschen hatten aber neben dem Überraschungsmoment auch die moderneren und kampfstärkeren Flugzeuge und, wie die ganze Rote Armee, so befand sich die Luftwaffe ebenfalls in einem Umgliederungsprozeß, der eben erst begonnen hat. Auch die modernen, den deutschen Flugzeugen ebenbürtigen russischen Flugzeuge waren in nur geringer Stückzahl verfügbar, wie bei den Bodentruppen der T-34 oder IS.

  • Die Magniotlinie - Four à ChauxDatum09.01.2017 16:13
    Thema von Waldi44 im Forum Westfeldzug

    Im Frühjahr des Jahres 2016 besuchte ich eine Teilabschnitt der Maginotlinie nahe dem Städchen Lembach. Da ich mich nicht mit der Vorgeschichte dieses Werkes beschäftigt hatte, nahm ich an, es handle sich dabei einfach um ein beliebiges Stück besagter Verteidigungslinie. Erst währen der Führung dämmerte es mir, dass dieses Stück Anlage ein besonderes Stück war.
    Nicht weil hier besonders schwere oder spektakuläre Kämpfe ausgetragen wurden oder dieses Werk "Four à Chaux" (Kurz: FAC bezeichnet) irgendwelche baulichen Besonderheiten aufzuweisen hatte. Im Grunde glich es den anderen eher kleineren Werken der Maginotlinie. Die Besonderheit bestand in der von den Deutschen für dieses Werk vorgesehenen Verwendung.
    Doch kommen wir erst mal zum Werk selber. Es ist ein kleiner Teil der großen Maginotlinie, die von der Schweiz bis an den Kanal reichte und in einer gewissen Weise auch seine Fortsetsetzung in den belgischen Forts von Namur und Liege fand. Der Abschnitt gegen Belgien ist nur relativ leicht befestigt, Feldstellungen und Bunkeranlagen OHNE Artillerie.
    Die Abschnitte gegen Luxemburg und Deutschland hingegen sind schwerbefestigte Bunkeranlagen bestückt mit Artillerie aller Kaliber. "Four à Chaux" liegt genau betrachtet fast genau in der Mitte der rund 750 km langen Maginotlinie, auf einem 270 m Hohen Berg zwischen der Sauer und dem Schmelzbach und hat eine Gesamtausdehnung von 650 m. Das Werk Infanteriewerk Lembach schließt es in 1,5 km Entfernung nach Nordwesten ab. Ihm schließt sich der Festungsabschnitt "Vogesen" an.
    Allgemein wird in den Geschichtsbüchern über die Kämpfe an der Magniotline kaum berichtet und meist finden sie noch nicht einmal eine Erwähnung. Lapidar heißt es da immer, die Magniotlinie wurde umgangen. Das stimmt so allerdings nur zum Teil. Es fanden durchaus Kämpfe um diese Linie statt und sie wurde an verschiedenen Stellen auch von deutschen Truppen durchbrochen und auch um Lembach wurde gekämpft.
    1938 wurde das Artilleriewerk ("Four à Chaux" ) mit Truppen des „165e régiment d'infanterie de forteresse“ (165. Festungsinfanterieregiment) und des „168e régiment d'artillerie à pied“ (168. Fußartillerieregiment) belegt. Die friedensmäßigen Kasernen lagen außerhalb der Bunkeranlagen.
    Das Werk bei Lembach unterscheidet sich von den großen Anlagen der Magniotlinie im Grunde nur durch Details, die eben seiner geringen Größe geschuldet sind. Es gab keine Feldbahn im eigentlichen Sinne, sondern nur verschiedene Waggons, die mittels Rampen, Gegengewichten und Muskelkraft auf Gleisen bewegt wurden. Lediglich am Munitionseingang gab es einen elekrisch betriebenen Schrägaufzug. Alles andere aber war vorhanden, vom Gasfilter bis zum OP Raum - aber eben alles ein zwei Nummern kleiner.
    Der "drole du guerre" endete für Lembach und dem Werk "Four à Chaux" am 18. Januar 1940. An diesem Tag schlagen im Werk "Four à Chaux" 80 deutsche Granaten in und um den Kampfstand 2 (75mm Kanone) ein und am 17. März erfolgt ein Gasalarm. Angeblich sollen Gasgranaten (Senfgas) auf Gefechtsstand 6 eingeschlagen sein*. Vom 12. bis 13. Mai und dann noch einmal am 20 Mai greift der Gefechtsstand 2 in die Kämpfe in der Umgebung zugunsten der "Zwischenraumtruppen" ein.
    Zwischen dm 15. und 17. Juni beginnt die deutsche Aufklärung gegen das Werk "Four à Chaux" und Lembach und die Kampfstände 12, 13 und 14 greifen aktiv in die Kämpfe ein. Hierbei geht es lediglich um den Schutz der "Zwischenraumtruppen". Das sind die französischen Truppen, vor und zwischen den Panzerwerken, die ein Umgehen dieser verhindern bzw die Werke gegen direkte Infanterieangriffe schützen sollen. Inzwischen bringen aber auch die Deutschen schwere Artillerie in Stellung.
    Am 19. Juni begann der Angriff der 215. Infanterie-Division auf die Maginot-Linie bei Lembach-Wörth mit der Unterstützung von 30 Stuka auf das gesamte "Four à Chaux" und später 27 auch auf das Infanteriewerk Lembach. Anders als die schwere deutsche Artillerie, erlangten die Stukas Treffer auf dem Werk. Gefechtsstand 6 und 2 werden beschädigt. Flak der Umgebung und der Zwischenraumtruppen nahmen die Flugzeuge unter Beschuß. Die Werke selber verfügen über keinerlei Luftabwehr.
    Außerdem fällt die telefonische Verbindung zu den "Zwischenraumtruppen" aus, so dass die Artillerie vom "Four à Chaux" keine Feuerunterstützung mehr geben konnte. Den Truppen der 215. deutschen Infanteriedivision gelang der Durchbruch durch die ohnehin nur mäßig befstigten französischen Stellungen zwischen Bitsch und Hagenau.
    Immerhin gelang es dem 135 mm Geschütz aus Gefechtsstand 1 (mal ließt man ein, dann wieder zwei Geschütze), eine deutsch 75 mm Batterie, die bei Gries, nordwestlich von Lembach stand und den Gefrechtsstand 5 beschoß, zu vernichten. Auch die deutche Infanterie und einige Häuser in Lembach nahmen einigen Schaden durch die französischen Geschütze.
    Das Artilleriewerk "Four à Chaux" schoß seine letzten Granaten am 24. Juni 1940 gegen 17:00 Uhr ab, aber erst am 1. Juli, also sechs Tage nach dem Waffenstillstand, ergab sich die Besatzung des "Four à Chaux" befehlsgemäß.
    Die Verluste bei den Kämpfen um das Werk "Four à Chaux" und Lembach waren verhältnismäßig gering. Die 215. ID verlor insgesamt 31 Tote und 100 Verwundete und die französischen Verteidiger 15 Tote und 1460 Mann die in die Gefangenschaft gingen.
    Tja und damit befanden sich die ganze Anlage, weitestgehend in Takt, in deutschen Händen. Im Grunde aber war sie für Deutschland militärisch unbrauchbar. Ihre ganze Verteidigungsstruktur war nach Osten ausgerichtet. Nach Westen, also nach hinten war sie nur bedingt und auch nur zur Selbstverteidigung geeignt mit Mg -Stellungen
    und Beobachtungskuppeln versehen. Außerdem hatte man aus den Kämpfen um Verdun gelernt und die Bunkeranlagen so gebaut, dass ihre Panzerungen nach hinten deutlich geringer waren als nach vorne. Der Grund liegt auf der Hand; Sollten die Anlagen in Feindeshand gefallen sein und man sie zurück erobern mußte, sollte es leichter gehen als seinerzeit bei der Rückeroberung vom "Fort Douaumont", wo die Franzosen quasi gegen ihre eigenen Befestigungen lange vergeblich anrannten, da das Fort rundum gleichermaßen befestigt war.
    Doch die Deutschen fanden auch für dieses Gemäuer eine Verwendung. ALLES brauchbare wurde ausgebaut und anderswohin gebracht. Die Geschütztürme allerdings beließ man wo sie waren. Ihr Ausbau wäre zu umständlich gewesen und man hätte auch zu dieser Zeit nicht gewußt, wohin mit ihnen.
    Merkwürdigerweise lief das Unternehemn, das nun begann unter dem Decknamen "Taifun". Man erinnert sich; der Angriff auf Moskau trug den selben Namen "Operation Taifun"! Dazu wurden deutsche Pioniertruppen in die Kasernen einquartiert. Die Versuche begannen allerdings erst 1942.
    Der Sinn der nun beginnenden Versuche bestand darin, eine neue Methode zu entwickeln, solche Panzerwerke schnell und effektiv zu bekämpfen und zu zerstören. Das wollte man durch Einführen von Gas in die Panzerwerke erreichen, welches sich im Werk ausbreiten sollte um dann gezündet zu werden. Die Befestigung sollte als von innen heraus gesprengt werden bzw, die Beatzung durch den entstehenden Überdruck, bis zu 40 atü getötet werden. Schotte und Verbindungstüren würden ebenfalls zerstört oder aufgesprengt werden.
    Als Gas diente Äthylen (Ethylen), das in Verbindung mit dem Luftsauerstoff eine hochexplosiver Verbindung eingeht und entsprechend explodiert, wenn es, wie geplant elektisch gezündet wird. Dazu mußte man es natürlich erst in die Bunkeranlage einführen. Das sollte durch Löcher geschehen, die zuvor von Stoßtrupps in eine der Panzerkuppeln gesprengt wurden. Immerhin betrug die Dicke der Panzerkuppeln bis zu 30 cm und das war kein Dosenblech. Außerdem mußte der innere Überdruck überwunden werden, der im Innern gegen Gasangriffe von außen erzeugt wurde.
    Wie immer bei solchen Versuchen, wenn Neuland betreten wurde, mußte man durch Versuchen und Fehler (trial and error = Versuch und Irrtum) lernen. Der erste Versuch erwieß sich als voller Erfolg aber zu "voll"! SO hatte man sich nicht ganz gedacht. Die damals angerichteten Zerstörungen war immens und auch später irreparabel. Der 70 t schwere Turm vom Gefechtsstand 1 flog durch die Luft und landete einige Meter neben seinem ursprünglichen Platz. In der Folgezeit wurden dann weitere Versuche mit unterschiedlichen Gasmengen durchgeführt, was auch den unterschiedlichen Zerstörungsgrad des Werkes erklärt.
    Nach dem 2. Weltkrieg begann das 2. Leben von "Four à Chaux". Das französische Militär gedachte "Four à Chaux" wieder in Betrieb zu nehemen. Diesmal sollte es nicht die Deutschen abwehren, mit denen man bald schon im Rahmen der NATO verbündet war, sondern die Rote Armee, den ehemaligen Verbündeten. Zwischen 1951 und 1953 ließ die französische Armee das Werk bis auf Block 1 wieder instand setzen. Die militärische Nutzung der Anlage gingen bis zum Jahr 1967.
    Nicht alles wurde wieder hergestellt. Block 1 (Gefechtsstand der 135 mm Kanone(n) und einige andere Teile) bleiben für Touristen unzugänglich. Zum Teil wurden sogar Originalteile aus anderen Festungswerken der Maginotlinie verwendet zum Teil neue Gerätschaften. Im Grundegenommen eine Schnappsidee aber für historisch interessierte Zeitgenossen ein Glücksfall, denn dadurch kann man ein gut erhaltenes Stück Zeitgeschichte noch heute besichtigen.


    Four à Chaux (auf Deutsch: Kalkofen. Benannt nach einer sich in der Nähe befindlichen Kalkbrennerei)
    Typ: Artilleriewerk (mit beigefügten Infanteriewerken für die Zwischenraumtruppen. In der Regel sogenannte Blockhäuser))
    Festungsabschnitt: Vosges
    Besatzung: 580 Mann des 165. RIF u. 168. RAP ( „165e régiment d'infanterie de forteresse“ (165. Festungsinfanterieregiment) und des „168e régiment d'artillerie à pied“ (168. Fußartillerieregiment) davon 24 Offiziere und 79 Unteroffiziere.
    Kommandant: Major Exbrayat

    Aufbau

    Eingänge: 1 × für Mannschaften (ebenerdig)
    1 × für Munition (Schrägstollen, aufwärts)
    Kampfblöcke: 3 × Artilleriebunker, 2 × Infanteriebunker, 1 × Infanteriekasematte
    Stromversorgung: 4 × Sulzeraggregate mit je 160 PS

    Munition und Bewaffnung

    Die Munitionsanlieferung erfolgte über Feldbahn oder LKW. Im Inneren wurden die Loren von Hand geschoben, außer am Munitionseingang selber. Dort gab es einen elektrisch betriebenen Schrägaufzug (siehe oben). Die Anlage war für einen Munitionsverbrauch von ca. 40 t pro Großkampftag ausgelegt.
    Munitionslager: Nur ein Nebenmunitionslager bei den Kampfblöcken (Kampfständen).
    Block 1: 1 × 13,5-cm-Turm (Haubitze mit einer Reichweite von 6.500 m und einer Feuerrate von 6 Schuß pro Minute.)
    2 × GFM-Glocken
    Block 2: 1 × 7,5-cm-Turm Mod.32. (Reichweite 9.500 m bei einer Feuerrate von 12 bis 14 Schuß pro Minute.)
    1 × GFM-Glocke
    1 × JM-Glocken
    Block 3: 1 × 8,1-cm-Turm (Typ: Granatwerfer. Reichweite 3.500 m mit 18 Schuß pro Minute)
    1 × GFM-Glocke
    1 × LG-Glocke
    Block 4: 1 × GFM-Glocke
    1 × VDP-Glocke
    2 × JM-Glocken
    Block 5: 1 × MG-Turm
    1 × GFM-Glocke
    Block 6: 1 × 4,7-cm-PAK/JM
    1 × JM, 1 × GFM-Glocke
    1 × JM-Glocke, 1 × VDP-Glocke
    Munitionseingang: 1 × 4,7-cm-PAK/JM
    1 × GFM-Glocke
    Mannschaftseingang: 1 × 4,7-cm-PAK/JM
    2 × GFM-Glocken

    Die GFM-Kuppeln

    Eine oder sogar zwei GFM-Kuppeln überragen alle Blöcke. Die Kuppeln, aus 30 cm starkem Spezialstahl gegossen, sind tief im Beton verankert. Ihr Gewicht beträgt 26 Tonnen.
    Sie haben mehrere Schiessscharten, wodurch direktes Feuer mit Schnellfeuergewehren oder indirektes Feuer mit Granatwerfern möglich ist. Mittels eines Periskopes dienen diese Öffnungen auch der Beobachtung.
    Es ist leicht möglich, beide Waffen sowie das Beobachtungsgerät auszuwechseln und in der Schiessscharte zu befestigen. Ein Periskop, das kleinere Vergrösserungs-
    möglichkeiten besitzt, kann durch eine kleine obere Öffnung ausgefahren werden.
    Einige dieser Kuppeln slnd speziell zur Artillerie-Beobachtung angepasst worden.
    An Stelle des Periskop befindet sich dort dann eine Fernglas-Einrichtung.

    Epilog

    Da der Besuch in dem "Four à Chaux" nicht geplant war, gab es hinterher einige Fragen, die sich aber erst beim Schreiben dieses Beitrages stellten. Das heißt, solche Besuch sollte man vielleicht doch beser VORHER planen. Aber egal, der Besuch hat sich gelohnt. Letztendlich aber war ich froh, dieses Werk wieder verlassen zu können und das nach nur einer halben Stunde. Wenn man sich dann vorstellt, dass die Soldaten wochenlang oder gar noch länger dort verbringen sollten, läuft es einem noch heute kalt den Rücken runter.
    Zwar versicherte der "Führer". dass es sich um für damalige Verhältnisse um ein modern eingerichtetes Werk gehandelt habe aber dennoch...Die ganze Zeit über kam man sich wie in einer Tropfsteinhöhle vor. Es plätscherte überall und man stelle sich mal vor, wenn 580 Männer mit all ihren Ausdünstungen (trotz Belüftung) dort wochenlang leben sollten. Der Gedanke an das Innere eine U-Bootes liegt da nicht so fern. In der ganzen Bukeranlage gibt es ein leichtes Gefälle und auf dem Boden befinden sich Wasserrinnen, in denen tatsächlich ständig Wasser abfließt!
    Wie auf diesen, gab es für 3 Mann auch nur ein Bett. Einer schlief, einer hatte Bereitschaft und einer saß im Gefechtsstand. 24 Mann teilten sich in 3 Etragen ebensoviele Betten. Na, dann Gute Nacht!
    Wasser gab es, außer von den Wänden, aus einem eigenen artesischen Brunnen, der 6.000 l Wasser je Stunde lieferte. Apropos Wasser: Ein Wasserhahn für 12 Mann, eine Dusche für 100 Mann und ein "türkisches Klo" für 40 Mann.

  • Das Walterboot im ersten "Einsatz".Datum06.01.2017 10:45
    Foren-Beitrag von Waldi44 im Thema

    Viele der neuen deutschen Waffen entstanden als Antwort auf die neuen Waffen der Alliierten. Andere "Wunderwaffen" waren zu Kriegsbeginn zurückgestellt worden, da man Waffen brauchte, die sofort oder doch in kurzer Zeit einsetzbar waren. Erst gegen Kriegsende wurden dann die alten Pläne sozusagen wieder aus der Schublade geholt. Schlussendlich waren es dann die Sieger, die von diesen neuen Technologien profitierten.
    Aus diesem Grund gibt es viele Hobbyforscher, die den Alliierten Raub an deutscher Technologie vorwerfen und ernsthaft denken oder sogar behaupten, ohne die Me262 oder die A4 gäbe es noch heute keine Düsenjäger oder Raumfahrt! Natürlich kann man solche Meinungen nicht erst nehmen, aber sie existieren!

  • Deutsch-Dänischer Krieg 1848-50, 1864Datum06.01.2017 10:39
    Foren-Beitrag von Waldi44 im Thema

    Hallo Thor,
    schön, dass du in dem Forum schreibst. Tut ja außer mir so gut wie niemand. Aber es ist doch eher wenig sinnvoll, Beiträge aus anderen Foren zu kopieren und hier zu posten. ICH jedenfalls versuche in meinen Beiträge Gesichtspunkte oder Episoden historischer Ereignisse zu beschreiben, die anderswo anders, nicht oder weniger vollständig zu finden sind. Bevor ich mich an die Arbeit für einen neuen Beitrag mache, eruieren ich, was andere dazu schon verfasst haben. Finde ich, es sei gut und genug, verzichte ich meinerseits auf einen Beitrag.
    Das ist auch der Grund dafür, warum ich nicht so häufig Beiträge veröffentliche, denn ein guter Beitrag von durchschnittlicher Länge bedarf schon einiger Recherchen und viel Zeit! Dennoch danke ich dir für dein Engagement und, da noch nicht geschehen, wünsche ich dir ein gesundes und gutes Jahr 2017!

  • Drei Mal Scapa FlowDatum29.12.2016 14:23
    Foren-Beitrag von Waldi44 im Thema

    Das Gerücht von seiner Verhaftung hielt sich aber hartnäckig bis einige Jahrzehnte nach Kriegsende!

  • Langsdorffs grosser FehlerDatum29.12.2016 14:19
    Foren-Beitrag von Waldi44 im Thema

    Langsdorff war eine Persönlichkeit, die man heute als einen Offizier und Gentleman bezeichnen würde. Allein der Umgang mit seinen Gefangenen spricht Bände. Langsdorff hatte das Glück, den Krieg und seine Gräuel nicht miterleben zu müssen, ebensowenig die nationalsozialistischen Verbrechen. Aus seiner Sicht hatte er seine Pflicht gegenüber seiner Besatzung, dem Schiff, Deutschland und dem Führer erfüllt, auch wenn letzterer es anders sah.
    In der Tradition eines Seeoffiziers war es für ihn auch eine Pflicht, den Untergang seines Schiffes nicht lange zu überleben, zumal er wohl für sich auch keine Zukunft mehr sah. Andere Offiziere von Heer und Marine sahen das später anders und verheizten skrupellos ihre Leute um sich dann selbst in Gefangenschaft zu begeben!

  • Alfred "J"odlDatum29.12.2016 14:06
    Foren-Beitrag von Waldi44 im Thema

    Aha, ein neuer Mann und einer der auch was schreibt! Tja, "reuelos" waren damals viele und von vielen wurde Reue auch nicht verlangt. Reuelos rückten sie bis in die höchsten Militär- Geheimdienst- und Regierungskreise auf.

  • ReichsluftschutzkellerDatum13.12.2016 12:55

    Als "Reichsluftschutzkeller" wurde ab 1939, Niederschlesien genannt. Weite Teile Schlesiens lagen weit außerhalb der Reichweite Westalliierter Bomber und wurden Zufluchtsort hunderttausender Menschen, vor allem Kinder, aus dem bombenbedrohten Reich! Die russischen Bomber traten hier kaum nennenswerte in Erscheinung. 1945 dann saßen viele der Bombenflüchtlinge und der vor der Roten Armee flüchtenden Deutschen in Schlesien praktisch in der falle. Der zu spät erteilte Evakuierungsbefehl verschärfte deren Lage weiter. So befanden sich in der Festung Breslau noch weit über hunderttausend Zivilisten, als der Sturm der Roten Armee auf die Stadt begann. Gauleiter Hanke hingegen setzte sich Anfang Mai in Richtung Westen ab.

  • Wer gewann die Schlacht bei Tannenberg?Datum06.12.2016 14:00
    Thema von Waldi44 im Forum Ostfront

    Eine alte Weisheit besagt, dass ein Sieg viele Väter hat. Was auch stimmt. Manchmal nur, weil viele "Köche" ihn für sich beanspruchen oder weil sie meinen einen bedeutenden Anteil dazu beigetragen zu haben oder weil dem tatsächlich so war. Mitunter aber heften sich auch die Falschen den Lorbeer an und alle anderen gehen leer aus. Die Schlacht von Tannenberg ist so ein typischer Fall.
    Diese Schlacht und ihr erfolgreicher Ausgang ist unzertrennlich mit den Namen Hindenburg und Ludendorff verbunden. Hindenburg, der greise Sieger von Tannenberg und sein Stabschef Ludendorff.
    In Bezug auf die Rolle dieser beiden ist sich die neuere Geschichtsforschung zum Thema 1. Weltkrieg weitestgehend einig. Der greise reaktivierte Hindenburg war der Oberbefehlshaber zum abnicken und der wesentlich jüngere Ludendorff der aktive Macher, der Schlachtenlenker.
    Der Schlieffenplan, der einzige den man hatte, sah einen schnellen Sieg im Westen vor und einen hinhaltenden Kampf im Osten, bis das im Westen siegreiche Heer an der Ostfront erscheinen konnte. Ein größeres Problem sah man darin nicht, denn man unterschätzte den Kampfeifer der Russen und deren Mobilisierungstempo. Da sie schon recht frühzeitig mit der Teilmobilisierung (29. Juli 1914) und anschließender Vollmobilmachung begannen, wenn auch offiziell nur gegen Österreich-Ungarn, hatten sie gleich zu Kriegsbeginn immerhin gegen Deutschland zwei Armeen zur Verfügung, die sie auch einzusetzen gedachten.
    Es waren die nördlichere Njeman Armee unter General Alexander Wassiljewitsch Samsonow und die weiter südlich stehende Narewarmee unter General Rennenkampff. Der Verlauf dieser Schlacht kann in diversen Publikationen nachgelesen werden und soll hier nicht Bestandteil meiner Betrachtungen sein. Vielmehr geht es mir um die Feststellung, wer denn nun diese Schlacht tatsächlich gewonnen hat. Waren Hindenburg und Ludendorf tatsächlich die alles und alle überstrahlenden Sieger der Schlacht von Tannenberg, die übrigens erst auf Wunsch Hindenburgs von Schlacht bei Allenstein in Schlacht von Tannenberg* umbenannt wurde?
    Dazu bedarf es einiger Vorworte. Der erste große Lapsus der den Russen unterlief, war die Ernennung zweier Totfeinde zu Befehlshabern zweier unmittelbar nebeneinander operierender und sich unterstützender Armeen. Seit dem Russisch Japanischen Krieg waren sich beide bis aufs Blut Todfeinde und keiner gönnte dem anderen einen Sieg über was oder über wen auch immer! Gegenseitige Hilfe? Zusammenarbeit? Fehlanzeige! Ein Umstand, der den Deutschen nur in die Hände spielte.
    Die zweite Tatsache erweist sich im ersten Moment eher als für die Deutschen wenig günstig, nämlich die Rückzugspläne des kommandierenden Generalsoberst der 8. Deutschen Armee, von Prittwitz bis hinter die Weichsel. Dieses Vorhaben blieb den Russen natürlich nicht verborgen und ihre weitere Planung beruhte eben auf der Annahme, die Deutschen zögen sich zurück. Was wiederum sich für die Deutschen als Günstig erwies.
    Vom 19. bis 20. August 1914 schlug er bei Gumbinnen eine Schlacht gegen die Njemanarmee, die er im Grunde grundlos abbrach und darauf verfiel, sich hinter die Weichsel zurück zu ziehen und die Verteidigung dort auf die Festungen gestützt fortzusetzen. Für den äußersten Notfall war ein solcher Rückzug auch vorgesehen aber in Koblenz, Sitz der Obersten Heeresleitung sah man diesen "äußersten Notfall" noch nicht gekommen.
    Dieses Ansinnen von Prittwitzes wurde von der deutschen 1. Obersten Heeresleitung*** abgelehnt und er abgesetzt. Die Militärhierarchie sah damals wie heute an der Armeespitze einen Oberkommandierenden und seinen Stabschef vor. Den Stabschef fand man gleich, nämlich Ludendorff, den "Helden von Lüttich" und auch der Oberbefehlshaber in Gestalt des schon längst pensionierten von Hindenburg, der sich einerseits zu seiner Wiederverwendung förmlich aufdrängte und sich gleichzeitig durch seine zurückhaltende Art für diesen Posten empfahl. Er sollte Ludendorff freie Hand in seinen Entscheidungen lassen und nur als Galionsfigur alles abnicken was dieser ihm vorschlug!
    Die Russen bekamen von diesem Wechsel an der Spitze der Militärführung der 8. Armee nichts mit, wie sie anscheinend sowieso nicht viel von dem mit bekamen, was sich vor ihrer Front so alles abspielte. Sie verfügten über eine relativ starke Luftflotte und starke Kavallerieeinheiten. Alles Truppen, die sich hervorragend zur Aufklärung eigneten aber nichts dergleichen geschah. Man vermutete die Deutschen nach der Schlacht bei Gumbinnen noch immer im Raum, südlich von Königsberg und wollte deren Rückzug hinter die Weichsel verhindern.
    Inzwischen war klar, dass die Oberste Heeresleitung einen Rückzug hinter die Weichsel nicht gestatten würde. Deshalb arbeitete der Nochstabschef der 8. Armee, Max Hoffmann, einen Angriffsplan aus, der genau den Vorstellungen Ludendorffs entsprach aber eben nicht von ihm stammte. Auch später noch sollte Hoffmann Ludendorff militärisch zur Hand gehen.
    Somit setzten sich Hindenburg und Ludendorff quasi ins "gemachte Nest" und ließen den Dingen ihren Lauf. Hindenburg sowieso, der auch zu Kriegszeiten auf sein Mittagsschläfchen nicht verzichten wollte. Allerdings nahmen manche Dinge eben nicht den Lauf, den sich vor allem Ludendorff wünschte. Einer seiner Befehlshaber Hermann Karl Bruno von François**** kommandierender General das I. Armee-Korps (Königsberg) hatte seine eigenen Vorstellungen und erst nachdem Hindenburg, von Ludendorff gedrängt, er selbst und Hoffmann bei von François in dessen Hauptquartier vorstellig wurden. Befolgte er den Angriffsbefehl halbherzig (25. August 1914 auf Usdau).
    Vordergründig wollte er noch auf die Artillerie und die Vollzähligkeit seiner Truppen warten. Tatsächlich aber ging es ihm darum, Samsonow und seine Armee weiter vorrücken zu lassen um HINTER ihnen dann die Tür zuzuschlagen. Angeblich wurde er bei diesem Vorhaben von Hoffmann stillschweigend unterstützt. Still und Schweigend war auch Hindenburg die ganze Zeit und richtete an von François als dessen Oberbefehlshaber kein Wort. Das Reden und Befehlen überließ er Ludendorff.
    Der Angriff des 1. Korps am nächsten Tag gab von François dann recht! Erleichtert wurde das Ganze auch noch dadurch, dass die Deutschen einen Funkspruch, wie überhaupt fast ALLE Funksprüche der Russen, im Klartext von den beiden russischen Oberbefehlshabern abfingen, gerade so als seine sie an sie gerichtet, in denen im Klartext deren Vorgehen für den nächsten Tag bis ins Kleinste beschrieben wurde. Dieser einmalige Glücksfall erlaubte es Ludendorff ALLE verfügbaren Truppen, bis auf eine aus 2 Divisionen bestehende Sicherung, gegen Samsonow zu werfen und somit eine Übermacht zu schaffen. Als Luftaufklärer unbekannte Bewegungen bei Rennenkampf entdeckten, herrschte im deutschen HQ helle Aufregung, die sich aber auch rasch wieder legte - die Würfel waren bereits gefallen.
    Für den Mittag des 26. August war der Angriff festgesetzt aber einer griff wieder nicht an - von François. Dieser wartete angeblich noch immer auf seine Artillerie. Vermutlich aber eher auf einen ihm genehmen Angriffstermin und die Zeit arbeitete für ihn. Samsonow rückte immer weiter nach Westen vor und entfernte sich damit nicht nur von Rennenkampf, sondern auch noch von seinem Nachschub und es machte seine Soldaten müde.
    Auch im russischen Oberkommando verkannte man die wahre Lage völlig und traf weitab der Front Entscheidungen, die letztendlich in die Katastrophe führten. Man war überzeugt, die deutschen Truppen befänden sich vor der Armee Rennenkampf auf der Flucht und Samsonow brauchte nur noch den "Sack" zuzumachen! Aber seine Soldaten waren halbverhungert und völlig erschöpft und auch das Land gab nichts mehr her um diesen Zustand zu ändern. Außerdem bemerkte Sansonow, dass ihm durchaus keine Armee auf der Flucht gegenüberstand aber seine Meldungen und Bedenken wurden weit hinter der Front einfach ignoriert - ein Umstand übrigens, der sich später bei den Deutschen unter ähnlichen Bedingungen an der Westfront wiederholen sollte! Er sollte angreifen und den "Sack" zumachen.
    Rennenkampf hatte ähnliche Gedanken und beabsichtigte die Deutschen in ihrem "Rückzug" nicht unnötig zur Eile zu drängen und vielleicht doch noch hinter die Weichsel zu verschwinden und bemerke dabei nicht, dass vor seiner ganzen Armee lediglich zwei Divisionen eine hauchdünnen Verteidigungsschleier bildeten.
    Am 26. August begann dann ein allgemeiner Angriff von jeden auf jeden und niemand wußte, wer wo was und warum machte. Das traf sowohl für die deutschen Truppen, um so mehr aber für die Russen zu, die sich bald in vollem Durcheinander und fast überall im Rückzug befanden. Dabei wurde sogar das Mittagsmahl ihres Oberbefehlshabers und seines britischen Gastes Major Knox unterbrochen, der als Beobachter bei Samsonow weilte. Lediglich von François wartete noch immer.... Erst am 27. morgens um vier Uhr, noch vor Tagesanbruch, eröffnete seine Artillerie ein vernichtendes Feuer auf die Russen.
    Am 28. schließlich griff von François erneut mit voller Wucht an und ignorierte neuerlich einen Befehl Ludendorffs, der seinen Angriff in eine andere Richtung lenken wollte. Doch wieder blieb von François stuhr und wieder behielt er recht. Durch sein Vorgehen wurde die Armee Samsonow vollkommen eingeschlossen und in der Folge vernichtet. Ludendorff ließ seinen Befehl an von François, die Angriffsrichtung zu ändern, nachträglich revidieren, so als habe er dessen Vorgehen befohlen oder doch zumindest gut geheißen.
    Die letzten Gefechte fanden am 30. August statt, als die Reste XIII. russischen Korps mit vier deutschen Beutekanonen erbitterten Widerstand leisteten, bis sie alle Munition verschossen hatten und die Reste aller Korps unter General Artomonow (I. Korps) in Stärke einer Division gegen Neidenburg angriffen und die Stadt eroberten. Die Stadt hatte während der Kämpfe vier mal den Besitzer gewechselt. Samsonow, der Oberbefehlshaber war aber zu diesem Zeitpunkt schon tot! Er erschoss sich am 30. August 1914 im Wald bei Willenberg.
    Insgesamt dauerte die Schlacht 3 Tage und es war ein unbeschreibliches Gemetzel und durcheinander, in dem sich auch der einzelne russische Soldat durchaus bewehrte. 300.000 Menschen schossen, stachen und schlugen aufeinander ein. Die Schlacht bei Tannenberg war übrigens die einzige während des ganzen Krieges, die den Namen Vernichtungsschlacht verdient. Aber während dieser Zeit geschah noch etwas viel wichtigeres, dass nach Meinung mancher Historiker den ganzen Krieg entschied; Besorgt über die militärische Entwicklung in Ostpreußen entschloss sich die Oberste Heeresleitung zwei Korps von der Westfront in den Osten zu verlegen. Für die Schlacht bei Tannenberg kamen sie zu spät aber noch rechtzeitig für die bei den Masurischen Seen - im Westen aber fehlten sie.......
    Hoffmann gab nach der Schlacht bei der Besichtigung des Schlachtfeldes durch Besucher, folgende Worte von sich: "Hier hat der Feldmarschall vor der Schlacht geschlafen, hier hat er nach der Schlacht geschlafen, hier hat er während der Schlacht geschlafen."



    * Tannenberg war schon 1410 Austragungsort einer großen Schlacht. Damals besiegte ein vereinigtes polnisch- littauisches Heer das Heer des Kreuzritterordens. Diese Schlacht nennt man auch Schlacht bei Grunwald nach dem polnischen Grunwaldem.
    ** Maximilian „Max“ Wilhelm Gustav Moritz von Prittwitz und Gaffron - 27. November 1848 in Bernstadt; † 29. März 1917 in Berlin.
    *** Es gab deren drei!
    **** Hermann Karl Bruno von François - 31. Januar 1856 in Luxemburg; † 15. Mai 1933 in Berlin-Lichterfelde.

    Quellennachweis: "August 1914", Barbara Tuchmann, Fischer Taschenbuch.

  • Der BT Panzer, "Vater" des T-34Datum04.11.2016 13:51

    Der BT Panzer, "Vater" des T-34

    Die Behauptung, die Panzer der BT Serie seien von den Sowjets gezielt für eine Invasion Mittel- und Westeuropas entwickelt und gebaut worden, begegnet mir in der Kausalkette der Beweise für eine Erstschlagstheorie der Roten Armee immer wieder. Zuerst die Absicht, dann der Panzer. Klingt einfach und einleuchtend.
    Was nun zeichnete diesen Panzer gegenüber den anderen aus, dass er sozusagen zur "Speerspitze" eines bolschewistischen Angriffs auf Europa werden sollte. Er gehörte quasi am Baum der Panzerevolution zu einer Unterart an einem später abgestorbenen Ast. Er war ein durchaus vollwertiger Panzer, der sowohl auf Ketten, wie bei Panzern im Allgemeinen so üblich, als auch auf Rädern (4 Paare) fahren konnte. Die Umstellung auf die je andere Betriebsarte dauerte um die 30 Minuten. Als Radpanzer brachte es der BT-5 auf der Straße und mit Rädern auf beachtliche 75 Km/h und der BT-7M(BT-8) gar auf 86 Km/h, was der ganzen Panzerserie ihren Namen einbrachte; BT = Bystrochodni Tank = schneller Panzer.
    So nun die Logik der Erstschlagsapologeten, war es doch logisch, dass die Radfahrfunktion im fast strassenleeren russischen Raum kaum Sinn machte und ganz eindeutig für das dichte Straßennetz in Mittel- und Westeuropa gedacht war. Dass man das aber auch andersrum sehen konnte, nämlich, dass auf den wenigen russischen Straßen auf Rädern und im riesigen straßenlosen Raum, wo ein Vorwärtskommen auf Rädern sehr problematisch werden konnte, wie später auch die Wehrmacht festellen mußte, eben mit Ketten gefahren wurde, fällt bei der Betrachtug einfach unter dem Tisch.
    Unter das besagte Möbel fällt auch meist die Tatsache, dass der BT eigentlich KEINE sowjetische Entwicklung war, sondern eine US amerikanische. Aber wie so oft, galt der Prophet nichts im eigenem Land und so war es mit dem Ingenieur und Konstrukteur John Walter Christie nicht viel anders. Seit 1916 konstruierte er gepanzerte Fahrzeuge, von denen man aber bei der US Army nicht besonders viel wissen wollte. Man hatte damals über den Einsatz von Panzern eben noch ganz andere Vorstellungen und war gedanklich dem 1. Weltkrieg verhaftet.
    Worin bestand denn nun Christis bahnbrechende Idee beim Panzerbau? 1928 entwarf er sein Modell "M1928", dem er selbst den Namen "M1940" gab, um auf die Fortschrittlichkeit seiner Konstruktion hinzuweisen. Seine Räder/Laufrollen hatten alle eine Einzelaufhängung und seine Panzerplatten waren schräg montiert. Womit auch die Mähr, die Russen hätte die angewinkelte Panzerung erfunden, beseitigt ist. 109 Km/h erreichte sein Prototyp auf der Straße, wobei man hinzufügen muß; Ohne Turm!
    Warum eigentlich konstruierte Christie eine "Radpanzer", eine Domän, die später den Radschützenpanzern vorbehalten blieb? Eines der größten Probleme damals bildeten die Ketten. Sie waren wenig haltbar. Glieder brachen oder verformten sich, Kettenbolzen brachen oder die Ketten sprangen einfach vom Leit- oder Antriebsrad und das eben schon oft, bevor der Panzer zum Kampfeinsatz kam. Um das verhindern, sollte der Panzer den Anmarsch zum Gefecht auf Rädern bewerkstellingen. Sicherer und schneller als auf Ketten. Der Transport von Panzern per LKW stand damals noch nicht zur Debatte.
    Anders als die US Armee, interessierten sich andere für Christies Panzer, unter anderem auch die Sowjets, die nichts vergleichbares hatten und sehr richtig das Potential dieses Panzers oder besser gesagt Panzerprototyps erkannten. Aha, werden nun die Erstschlagsbefürworter sagen! Also hat man diesen Panzer eben nicht selber erfunden aber, weil er in militärische Konzept der Sowjets passte, gekauft. Aber selbst wenn dem so gewesen sein sollte, bleibt dann die Frage, warum die Sowjets dieses Projekt nicht weiterführten, beim A20 mit dem kombinierten Antrieb aufhörten und stattdessen den T-34 entwickelten?
    Die Russen gründeten eine Scheinfirma in den USA und unter ihrem Deckmantel kauften sie 2 Prototypen und sämtlich Baupläne. Ausprobiert wurden die BT Panzer im "scharfen Schuß" dann in Spanien, wohin die Sowjets 50 BT-5 Panzer entsandten, wo sich die Panzerung trotz abgeschrägter Panzerplatten als viel zu gering erwies. Über den A20, A30 und A34 (die Zahl besagt die jeweilige Panzerung), gelangte man schließlich zum T-34 (hier besagt die Zahl das Datum des Beginns der Konstruktion), die alle Christies Laufwerk und abgeschrägte Panzerplatten aber am Schluß nur noch einen Kettenantrieb besaßen.
    Übrigens sei zu der Erstschlagtheorie noch folgendes gesagt: Dass es über kurz oder lang zum Krieg zwischen der Sowjetunion und Deutschland gekommen wäre, steht im Grunde außer Zweifel. Außer Zweifel steht auch, dass die Zeit für die Sowjets arbeitete aber den BT als Beweis für ihre Absichten anzuführen, ist vielleicht doch etwas weit hergeholt.
    Allerdings passte er durchaus in die Militärstrategie der Roten Armee. Ihre Militärdoktrien sahen eine grenznahe Abwehrschlacht mit anschließendem Durchbruch durch die feindlichen Linien und einen weiten raumgreifenden Vorstoß in das gegnerische Territorium vor. Dafür war in Verbindung mit größeren Kavallerieeinheiten, der BT durchaus das ideal Begleit- bzw Angriffsfahrzeug.
    Aufgrund dieser Strategie, läßt sich auch die relativ grenznahe Aufstellung der Roten Armee zu Kriegsbeginn erklären, so man das als Erklärung annimmt und auch der zum Teil äußerst zähe Widerstand einiger Verbände der Roten Armee, die lange auf den erwarteten Gegnschlag ihrer Armeen warten ohne auch nur zu ahnen, dass dieser nie kommen würde, da die Armeen, die den Krieg im Gegenschlag auf das Territorium des Gegners tragen sollten, bereits zerschlagen, auf dem Rückzug oder auf den Weg in die Gefangenschaft waren!

  • Der Held vom Skagerrak?Datum25.10.2016 12:18
    Thema von Waldi44 im Forum 1. Weltkrieg

    Da es die einzig wirklich große Seeschlacht war, füllen Berichte über sie ganze Wandregale. Ebenso viele Bücher wurden über die Frage geschrieben, wer denn nun der wahre Sieger dieser Seeschlacht war. Rein rechnerisch natürlich die Deutschen. Strategisch aber blieb alles beim Alten. Zum Ablauf der Schlacht drängen sich zumindest mir auch immer wieder einige Fragen auf. Das fängt bei der wegen schlechtem Wetter nicht vorhandenen Aufklärung an und geht bis zu einer mieserabelen Schlachtführung von v. Scheer. Das zu behaupten grenzt natürlich schon an ein Sakrileg. Immerhin verfolgten beide Flotten die gleiche Taktik und die Deutsche Hochseeflotte fiel darauf rein.
    Was heißt "fiehl darauf rein"? Nun, ein Ziel des "Ausflugs" in die Nordsee war, einzelne britische Kriegsschiffe zu erwischen und zu versenken und wenn irgend möglich, das britsische Schlachtkreuzergeschwader, von dem man wußte, dass es in See war. Die Briten wußten aber dank abgefangener und dechifrierter Funksprüche mehr als Scheer, der eben nur um die Schlachtkreuzer vor seiner Flotte wußte. Aber dennoch wußte man genaues nicht, denn es kamen auch Ungenauigkeiten und Falschmeldungen durch.
    An dieser Stelle muß erwähnt werden, dass das Zusammentreffen mit den Schlachtkreuzer ein purer Zufall war. Die Briten, sowohl die aufklärenden Schlachtkreuzer und die sie begleitenden Kreurzer, als auch weiter weg stehende Hauptflotte, sahen ihren Auftgabe als erfüllt an, allerdings ohne auf die Deusche Hochseeflotte gestoßen zu sein. Beide Flottenteile waren dabei sich zu vereinen und in ihre Basen zurück zu kehren, als ein kleiner dänischen Dampfer, die „N.J. Fjord“, Geschichte schrieb. Sowohl deutsche Kriegsschiffe als wenig später auch britische sichteten das Schiff und wenig später sich gegenseitig. Ohne die "N.J. Fjord", wären beide Flotten wohl aneinander vorbei gefahren und die Skagerakschlacht hätte wahrscheinlich nicht stattgefunden.
    Nach einem kurzen Kreuzergefecht, zogen sich die britischen Kreuzer auf ihre Schlachtkreuzer zurück und die Deutschen Kreuzer und Schlachtkreuzer folgten ihnen. Als die britischen Schlachtkreuzer nach zwei versenkten eigenen Schiffen schleunigst abdrehten, folgent die deutschen Schlachtkreuzer mit der gesamten deutschen Hochseeflotte im Schlepp und landete mit der gesamten Hochseeflotte in der für Kriegsschiffe ungünstigsten Position, dem "Crossing the T". Mehr noch, die deutlich schwächer gepanzerten Schlachtkreuzer standen plötzlich unter dem konzentrierten Feuer britischer Schlachtschiffe und kassierten Treffer um Treffer.
    Als Scheer dann den verhängnisvollen Fehler erkannte, befand er sich schon, wie oben erwähnt, mitten VOR der gegnerischen Schlachtlinie. Admiral Jellicoe brauchte nichts weiter zu machen, als den Feuerbefehl zu erteilen.
    Scheer, mit der Flotte in einer aussichtslosen Lage, sah sich zu einer Gefechtskehrtwendung gezwungen und dampfte den Briten quasi davon. Man könnte bissig auch sagen: Er floh. Angesichts der gegnerischen Überlegenheit aber die einzige Möglichkeit der Vernichtung zu entgehen. Doch dann vollführte Scheer eine erneute Kehrtwendung und begab sich mit der Flotte in die selbe Falle aus der er eben glücklich entkommen war. In seinen Memoiren spricht er davon, der "Wiesbaden" zu Hilfe kommen zu wollen, was Blödsinn war! Jellicoe war über die Rückkehr der Deutschen Hochseeflotte mehr als überrascht und so verstrichen wertvolle Minuten eher tatenlos. Doch dann lagen die deutschen Schlachtkreuzer, die nun wieder an der Spitze der Schlachtordnung standen wieder im konzentrierten Feuer der gesamten britischen Flotte. Dass die Schlachtkreuzer das überlebten, anders als zwei britische nur Stunden zuvor, lag erstens an der schlechteren Munition der Briten, zweitens an der standhafteren Bauweise der Schiffe zu Lasten der Kaliber und der besseren Ausbildung der Besatzungen. Und wieder mußte sich Scheer zu einer Gefechtskehrtwendung entschließen um der Vernichtung zu entgehen. Diese Manöver, dass zu den schwersten in der Gefechtsführung gehörte, gelang den Deutschen zum zweiten mal hervorragend und sie entkamen dem konzentrierten Feuer der Briten. Scheer floh somit zum 2. Mal oder freundlicher, er zog sich zum 2. Mal zurück. Im Nachtgefecht ging es dann eher chaotisch als geordnet zu und beide Seiten erlitten Verluste - einige durch Unfälle. Für die Marinehistoriker war es gut, dass diese Schlacht stattfand, für den Verlauf des Krieges aber unerheblich!

  • Piraten, Korsaren oder Soldaten?Datum24.10.2016 12:21
    Thema von Waldi44 im Forum Habt ihr das gewusst?

    Der wohl bekannteste und berühmteste deutsche "Pirat" neben Klaus Störtebecker(* um 1360; † vermutlich am 21. Oktober 1401 in Hamburg), war wohl der "Seeteufel" Felix Graf von Luckner (* 9. Juni 1881 in Dresden; † 13. April 1966 in Malmö), Kommandant des Segel- Hilfskreuzers SMS "Seeadler" im Ersten Weltkrieg. Sich selbst nannte er "Seeteufel", seine Gegner einen Piraten. Vielleicht trug auch sein Kriegsschiff etwas zu diesem Namen bei. Die SMS "Seeadler" war das letzte Segelkriegsschiff; eine dreimastige, 1888 gebaute, Windjammer.
    Bei den Angriffen auf feindliche Handelsschiffe hielt er sich, anders als es Piraten zu tun pflegten, an die Prisenordnung. Das führte sogar dazu, dass er zwei Schiffe aufbrachte, sie aber wieder fahren ließ. 14 Schiffe hatten da bei der sieben Monate dauernden Feindfahrt durch den Atlantischen und Pazifischen Ozean weniger Glück. Sie wurden versenkt. Allerdings führ auch er, wie die meisten Piraten, unter falschen Namen und falscher Flagge und zeigte letztere erst kurz vor Kampfbeginn.
    Allerdings fällt das führen der falschen Flagge noch unter "Kriegslist", solange VOR Eröffnung der Kampfhandlungen die wahre Identität durch Hissen der richtigen Flagge offenbart wurde.
    Im Grunde ist das ja keinen Beitrag wert aber man ließt eben immer wieder davon, dass deutsche Seeleute während beider Kriege als Piraten diffamiert werden. Bei Kriegsende 1945 mußten deutsche U-Boote, nachdem sie aufgetaucht waren, eine schwarze Flagge setzen - eine Piratenflagge. Ein Grund mehr, sich mal mit zwei Begriffen etwas näher zu beschäftigen, nämlich mit dem des Piraten und des Korsaren. Für den Laien kein großer Unterschied und in der Praxis eigentlich auch kaum aber rechtlich schon.
    "Korsar" kommt übrigens nicht von Korsika, obwohl auch ettliche Korsaren von dort stammten und sogar in der Korsichen Flagge der Kopf eines Piraten zu sehen ist, sondern vom: "Das Wort findet sich in den romanischen Sprachen des westlichen Mittelmeerraums (französisch corsaire, provenzalisch cursar, italienisch corsale, corsare, spanisch corsario, vgl. auch kroat. gusar) und geht letztlich auf das lateinische cursus „Beutezug“, eigentlich „Lauf“ oder cursor „Läufer“ zurück." (Wiki).
    Der Berühmteste Korsar aller Zeiten war Sir Francis Drake, der als Pirat anfing und dann zum Korsaren seiner Majestät wurde. Hier zeigt sich der entscheidende Unterschied: Als Pirat war man Vogelfrei und betrieb die Piraterie auf eigene Rechnung und eigenem Risiko. Als Kaperfahrer besaß man einen Kaperbrief, ähnlich wie "007" die Erlaubnis zum Töten hat, hatte man mit so einem Brief die Erlaubnis zur Seeräuberei.
    Allerdings war so ein Kaperbrief kein Freifahrtschein. Erstens mußte man dem Aussteller dieses Kaperbriefes einen gewissen Anteil der Beute abgeben und zweitens mußte man schon sehr darauf achten, wen man zu kapern gedachte. Freunde und Verbündete oder gar eigene Schiffe, mag ihr Ladung noch so verlockend sein, waren tabu - eigendlich! Und dann mußte man auch noch die ständig wechselnden Allianzen beachten, denn der Feind von gestern konnte der Freund von heute sein. Allerdings hielt sich nicht jeder Inhaber eines Kaperbriefes an die Auflagen, was so manchen von ihnen an den Galgen brachte. An dem landete man auch, wenn der Feind, den man zu kapern gedachte sich als der stärkere erwieß oder andere jagd auf einen selbst machten und erwischten. Darin unterschieden sich Piraten und Kaperer nicht.
    Schon damals gab es den Trick der Vortäuschung um Piraten/Kaperer zu erwischen. Man täuschte einen fetten dicker Kauffahrteisegler vor und lockte damit die Freibeuter an, um sie dann mit überlegenen Mitteln, die man zuvor getarnt hatte, zu überwältigen. Diese Praxis fand man dann später sowohl im 1. Weltkrieg, als auch im 2. wieder. Handelsschiffe wurden mehr oder weniger erkennbar bewaffnet und man schuf mit den "Q-Ships", die "U-Bootfallen".
    Andersrum gab es dann die Hilfskreuzer und Blockadebrecher. Ebenfalls Handelsschiffe mit getarnter Bewaffnung und die weltweit operierenden U-Boote. Letztere waren aber richtige Kriegsschiffe, die auch für den Kriegseinsatz geplant und gebaut wurden. Wobei gerade in England viele Handelsschiffe so gebaut wurden, dass sie im Kriegsfall schnell zu Hilfskreuzern umgerüstet werden konnten oder auch als Handelsschiffe Geschütze tragen konnten. Dafür zahlte die Regierung den Reedern sogar eine Prämie.
    Nun hatten die Kapitäne deutscher U-Boote und Hilfskreuzer keine Kaperbriefe aber die hatten sie auch nicht nötig, da sie Kombatanten einer kriegführenden Macht waren. Dennoch hielten sie sich, anders als Piraten, an die Regeln des Seekrieges, sprich Prisenordnung. Diese gab es in Deutschland seit dem 30. September 1909 als Verordnung und seit 28. August 1939 als Gesetz. http://www.ubootarchiv.de/ubootwiki/index.php/Priesenordnung sie galt nicht nur für U-Boote!
    Natürlich brachte diese Prisenordnung, so wie sie da stand, auch Probleme mit sich und zwar in erster Linie für die Deutschen, die zu Kriegsbeginn versuchten, sich weitestgehend daran zu halten.
    Im 1. Wk entstanden diese Probleme zT. durch den technischen Fortschritt. So verfügten die meisten Schiffe über Funk und nichts war für einen Hilfskreuzer oder ein U-Boot tödlicher als, dass der Feind und seine Kriegsmarine von seiner Anwesenheit und gar seinem Standort erfuhr. Funkte das aufgebrachte und gestoppte oder fliehende Schiff, wurde das Feuer eröffnet und meist versuchte man die Funkbude zu treffen oder die Antennen.
    Im Gegenzug gab es dann auch einen Befehl der britischen Marineführung, der da lautete, dass die Schiffe versuchen sollten die aufgetauchten U-Boote zu rammen. Gelang das, war das für das Boot das Todesurteil. Der U-Bootkommandant oder der eines Hilfskreuzers konnte sich bei seiner Entscheidungsfindung auch nicht auf die gezeigte Flagge verlassen, denn die war oft falsch. Gerade die U-Bootkommandanten mußten da den richtigen Riecher oder sechsten Sinn haben. Mit Piraterie hatte das aber nichts zu tun, denn die Beute fiehl ja weder dem Kapitän, noch der Besatzung zu. Wenn, gab es höchsten Orden, Beförderungen oder im schlimmsten Fall ein nasses Seemannsgrab.
    Natürlich sann man in England, als Inselstaat, auf Abhilfe gegen diese "Piratenplage". Das war zu Beginn des 1. Weltkrieges gar nicht so einfach. Die Erfindung des Radar lag noch in weiter Ferne, Funk war auch noch nicht überall verbreitet, die Fliegerei steckte noch in den Kinderschuhen..... Also besann man sich auf die antike Kampftechnik des Rammens bei U-Bootgefahr und der Tarnung und Täuschung durch die "Q-Ships"! DAS wiederum zwang die U-Bootkapitäne, aber auch die der Hilfskreuzer über Sinn und Unsinn der Prisenordnung nachzudenken und im Zweifelsfall erst zu schießen und dann zu fragen. Das sprach sich natürlich bis Berlin rum und führte ua. zum 1. totalen U-Bootkrieg.
    Im 2. Weltkrieg dann war die Ausgangslage ähnlich, allerdings waren die Boote besser aber in dennoch recht geringer Stückzahl und die Abwehrmittel waren entweder schon vorhanden oder standen kurz vor ihrer Einführung. Auch die Überwasserseekriegsführung gestaltete sich schwieriger. Die Reichweite der feindlichen Kriegsschiffe hatte sich vergrößert, alle hatten Funk und die Fliegerei reifte immer mehr aus, bis schließlich ua. Fluzeugträger das Blatt zu wenden begannen. Natürlich hatten die Alliierten, wie schon im 1. Weltkrieg, den Vorteil der weltweiten See- und Luftstützpunkte.
    Der Seekrieg nach Prisenordnung überlebte die ersten Kriegsmonate nicht. Lediglich die Hilfskreuzer führten ihn weiter, denn ihre Aufgabe bestand nicht nur darin feindliche Handelschiffe zu versenken, sondern, wenn möglich, diese auch als Prise aufzubringen. Es gab da sehr erfolgreiche Schiffe! Das Aufbringen von Prise erinnert nun wieder entfernt an die Gepflogenheiten der Korsaren, die aber auch, wie Piraten, an der Beute/Prise wertmäßig beteiligt wurden. Allerdings ging es weniger um Gold, Seide und Sklaven, als um Kautschuck, Baumwolle, Metalle und ähnliche kriegswichtige Rohstoffe und Geld bekamen die Seeleute auch nicht dafür.....
    Im Grunde gab es während der Seekriegsführung von deutscher Seite nur ganz wenige Akte, die man unter dem Begriff Piraterie und/oder Kriegsverbrechen zusammenfassen könnte. Diese wenigen Akte waren in der Regel auf das Fehlverhalten des führenden Offiziers* zurück zu führen und selbst beim Nürnberger Kriegsverbrecherprozess wurde der Oberbefehlshaber der U-Boote, Dönitz vom Vorwurf der Erteilung kriegsverbrecherischer Befehle freigesprochen. Trotz Haager Kriegsrechtsordnung und verschiedener anderer völkerechtlich bindender Anordnungen, Regeln und Gesetze, hat der Krieg dennoch seine eigenen Gesetze und viele davon sind Reaktionen auf bestimmte Aktionen, schlicht Interaktion genannt.**
    Im Grunde kann man die Begriffe Piraten und Korsaren wenden wie man will, sie passen weder auf die Seeleute/Soldaten des Kaisers, noch die der Kriegsmarine oder spitz formuliert, die des "Führers"! Die Wahl dieses Begriffes durch die maritimen Gegner Deutschlands, hier vor allem der Briten, resultiert wohl eher aus der Angst und der zeitweiligen Hilflosigkeit vor allem den U-Booten gegenüber.

    * Hier sei an den Eck-Prozess vor dem Internationalen Militärgerichtshof erinnert. Der viertägige Prozess, in dem neben Eck, dem Hauptangeklagten, noch der Zweite Offizier, der Bordarzt, der Leitende Ingenieur und ein Matrose von U 852 angeklagt waren, fand vom 17. bis 21. Oktober 1945 im britisch besetzten Hamburg statt. Es war der einzige Kriegsverbrecherprozess, der nach dem Zweiten Weltkrieg von den Alliierten gegen Mitglieder deutscher U-Boot-Besatzungen geführt worden ist. In dem Prozess ging es um die Ereignisse nach der Versenkung des griechischen Frachtschiffs Peleus durch das von Eck kommandierte deutsche U-Boot U 852 in der Nacht vom 13. März auf den 14. März 1944 .
    Zum nachlesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Eck-Prozess
    ** Hier sei auf den "Laconiabefehl" verwiesen, der Dönitz auf dem Internationalen Militärgerichtshof zur Last gelegt wurde. https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_D%C3%B6nitz

  • Dreadnought vs U-BootDatum05.10.2016 11:00
    Thema von Waldi44 im Forum Habt ihr das gewusst?

    Das mit Abstand bekannteste "Dreadnought" ist wohl die HMS "Dreadnought" selbst. "Dreadnought" bedeutet soviel wie "Fürchtenichts" oder "Der Furchtlose". Nach nur 130 Tagen von der Kiellegung, lief das erste Dreadnought, der Namensgeber einer ganzen Schiffsgeneration, die HMS "Dreadnought" am 10. Februar 1906 von Stapel. Ab diesen Zeitpunkt nannte man alle neuen Schlachtschiffe "Dreadnought". Sinnigerweise kam dieses für den Krieg und die Schlacht gebaute Großkampfschiff mit seinen 12 riesigen 30,5 cm Geschützen, mit diesen nie zum scharfen Schuss.
    Seit ihrer Indienststellung als Flaggschiff der "Home Fleet" ging es mit der Weiterentwicklung im Schlachtschiffbau mit ihrer Stellung in der "Home Fleet" immer weiter bergab, bis sie wegen Veraltung noch während des Krieges ganz aus der "Home Fleet ausgeschlossen wurde. Dennoch sollte sie sich als Kriegsschiff doch noch einen Namen machen. Die HMS "Dreadnought" war nämlich das einzige Schlachtschiff der britischen Marine, welches ein deutsches U-Boot versenkte und das war SM "U-29".
    Nach erfolglosem Torpedobeschuss durch das dicht unter der Wasseroberfläche fahrende Boot "U-29" auf die HMS "Neptune", ging die "Dreadnought", auf der man das Periskop von SM "U-29" gesichtet hatte, auf Rammkurs und traf SM "U-29" mit dem Bug im achteren Rumpfteil. Vermutlich hatte man die HMS "Dreadnought" nicht bemerkt, da man sich auf die ebenfalls mitfahrende (man befand sich auf den Weg nach Cromarty bzw Scapa Flow) Schlachtschiff HMS "Neptune" konzentrierte. Besonders tragisch für die deutsche Seite war, dass sich an Bord von SM "U-29" einer der besten und berühmtesten U-Bootkapitäne seiner Zeit befand; Otto Weddingen.

  • Vom Panzerschiff zum "Dreadnought".Datum03.10.2016 12:25
    Thema von Waldi44 im Forum Waffen und Geräte

    Für jedes "Ding" gibt es seine Zeit. Nichts wird erfunden, wenn es keinen Bedarf dafür gibt und das trifft besonders auf Erfindungen oder Neuerungen im Militärwesen zu. In deisem Beitrag soll es um die "Erfindung" des "Dreadnoughts" gehen. Um das britische Superschlachtschiff wird bis heute viel Wirbel gemacht und es gilt als bahnbrechende Entwicklung im Kriegsschiffbau. Aber wie mit fast allem war auch die Dreadnought keine Entwicklung irgendwo im Nirwana, sondern fand in England statt. Nun hatten andere Marinen auch große Kriegsschiffe und auch Schlachtschiffe. Damals nannte man sie noch Linienschiffe oder Großlinienschiffe.
    Diese Schiffe unterschieden sich natürlich deutlich von den Linienschiffe der Holzschiffära im 18./19. Jahrhundert. Sie waren fast durchweg aus Eisen und Stahl, hatten Dampfmaschinen und riesige Geschützkaliber! Aber eines hatte sich nicht verändert, ihre Kampfweise. Der Begriff Linienschiffe deutet schon darauf hin. Sieht man sich die Aufstellung der Waffen an, weiß man auch warum sie in Linie nebeneinander fuhren und sich gegenseitig die Brocken an den Kopf bzw. auf das Schiff schossen.
    Zwar verfügten die Schiffe gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts schon über Drehtürme aber daneben auch noch über jede Menge Mittel- und leichte Artillerie, welche eben an den Seiten aufgestellt war. Die leichten Kanonen bis etwa 8,8 cm dienten der Torpedoabwehr und wurden später im Verlaufe des 1. Weltkrieges durch Luftabwehrgeschütze gleichen oder ähnlichen Kalibers ersetzt bzw teilweise ausgetauscht. Die ebenfalls zur Torpedoabwehr bestimmten Torpedonetze hingegen verschwanden ganz. Ihre Handhabung war zu umständlich und sie behinderten die Schiffe beim Manövrieren.
    Manch einer fragt sich nun, wozu man angesichts der Hauptbatterien von 240, 280 und 305 mm noch die Mittelartillerie brauchte, zumal der interessierte Leser weiß, dass die Panzerung teilweise schon 30 cm betrug. Da kam ein Geschütz mit 15 cm oder auch mehr bis 24 cm, nicht durch. Dem wäre nun auch so, hätte man das ganze Schiff 30cm stark panzern gekonnt. Aber das ging eben nicht. So blieben also viele Stellen beim gegnerischen Schiff entweder weniger stark gepanzert oder sogar garnicht gepanzert und diese Stellen waren für die Mittelartillerie. Das gegnerische Schiff sollte also sozusagen erst "sturmreif" geschossen werden. Dieser schwach gepanzerten Stellen hatten für die schwere Artillerie auch ihre Tücken; Die schweren Geschosse flogen ganz einfach hindurch ohne zu explodieren.
    Nun stand man bei den Marinen der Welt aber vor einem großen Dilemma. Man hatte keine geeigneten Zielgeräte und auch eine nur mangelhafte Kommunikation unter den Schiffen und sogar an Bord selbst. Man schoß mit Kanonen die spielend 6...7....8tausend Meter weit schießen konnten, nur 2.000 Meter weit, also auf unmittelabarer Sichtweite. Fast so wie noch unter Admiral Nelson. Bessere Geräte waren in der Entwicklung aber das dauerte eben seine Zeit. So blieb man auf die Beobachtung der Einschläge angewiesen und korrigierte danach das Feuer.
    Auf dieser geringen Entfernung war dies noch möglich, wenn auch schon schwierig, wenn eine volle Breitseite ins Wasser klatschte und man anhand der Wasserfontänen der Einschläge, den Schußwinkel korrigieren wollte. Man konnte nämlich nicht unterscheiden, welche Fontäne von welchem Geschütz stammte. Gab man Korrekturen an die Artillerie weiter, mußte man der schweren Artillerie andere Werte zuweisen als der Mittelartillerie aber wie wollte man das machen, wenn man nicht wußte, wer wieweit geschossen hatte?
    Man kann sich also auch vorstellen, dass bei größeren Gefechtsentfernungen auch das Chaos der Zielerfassung und Zielkorrektur zunahm. Ein mühsames Einschießen der einzelnen Waffensystheme war kaum anzuraten, da man selbst als auch der Gegner sich bewegten und BEIDE schossen.
    Hier nun kommt Admiral Sir John Arbuthnot Fisher ins Spiel. "Jacky" Fisher wie er flappsig auch genannt wurde. 1899 übernahm er das Kommando über die britische Mittelmeerflotte. Er setzte die 1898 begonnen Versuche mit der Schiffsartillerie fort und vergrößerte die Kampfdistanz auf immerhin 3.000 Meter. 1903 schließlich schoß man schon auf 8.000 Meter. Aber Treffer waren eher eine Zufallsangelegenheit und es zeigte sich, dass das Feuer durch die Beobachter hoch über den Schiffen in den Marsen sitzenden Beobachtern nur schwer zu korrigieren war und die "ermittelten" , eher geschätzten Daten, viel zu langsam an die Geschütze weitergeleitet wurden. Zwar war Abhilfe schon in Arbeit, aber erst kurz vor dem 1. Weltkrieg hatte man mit den "Fire Director" ein einigermaßen leistungsfähiges Feuerleitgerät.
    Ab 1912 erhielten die schweren Geschütztürme schon mal ein eigenes Funkleitgerät, womit sie im Notfall auch noch weiter schießen bzw zielen konnten, wenn das Hauptfeuerleitgerät ausfallen sollte.
    Fassen wir bis hierher mal zusammen. Im Grunde waren es die fehlenden Feuerleitgeräte, die zum Bau der "All big gun one calibers Battleships" führten und die mit der Erhöhung der Geschützkaliber einhergehende Erhöhung der Gefechtsentfernung. Das Problem war aber so neu nicht, sondern begann schon in der Zeit des Überganges von den Segelschiffen zu den moderne Dampfschiffen. Sie waren größer, sie waren schneller und sie waren oft stark gepanzert. Das verlangte natürlich nach größeren, schwereren und stärkeren Geschützen. Daneben behielt man für diverse andere Aufgaben noch die Mittelartillerie und die leichte Artillerie und nicht selten noch eine Zwischenartillerie zwischen den Kalibern.
    Um nun das Problem der Feuerleitung ohne Feuerleitgeräte zu umgehen, begann man schon in der "Vordreadnought" Zeit (Pre-Dreadnought), die Anzahl der kleineren Geschütze zu reduzieren und die der Hauptbatterien zu erhöhen. Das Ergebnis war das "Einheitslinienschiff" (Schlachtschiff).
    Wo eine bestimmte technische Entwicklung stattfindet, verhält es sich wie mit der Evolution in der Natur. Es gibt immer irgendwelche Wege, die in eine Sackgasse führen. Dazu gehörten die sogenannte "Semi- Dreadnought" oder "Halb- Dreadnought" oder, wenn man so will, Dreadnought für Arme. Es handelte sich dabei überwiegend um Kriegsschiffe, die noch vor der eigentlichen "Dreadnougth" vom Stapel liefen oder kurz davor standen. In der Regel hatten sie nur zwei Doppeltürme mit um die 30 cm (30,5 cm = zwölf englische Zoll) und der Rest bestand aus 23 - 24 cm Geschützen. Die Geschwindigkit dieser Schiffe lag bei 18+ Knoten in der Stunde und ihre Verdrängung lag im Schnitt bei 18 bis 19.000 ts. Außer Deutschland besaßen alle großen Marinen solche Semi-Dreadnoughts.
    Nach dem langsamen Ende der hölzernen Kriegsschiffe, begann weltweit die Ära der eisernen Panzerschiffe und wie immer, wenn man Neuland betritt, versucht jeder den ultimativen Weg zu finden bzw. eben das ultimative Panzerschiff zu bauen. So chaotisch diese Bauphase war, so chaotsich sahen die Schiffe aus und bei manchen Modellen wunderte man sich, dass sie sogar schwammen. Eine Seeschlacht zwichen diesen Monstren wäre sicher interessant gewesen, fand aber nie statt. Es gab zwar noch Kämpfe zwischen dampfbetriebenen Holzschiffen und auch zwischen Raddampfern und Raddampfern und Segelschiffe, aber keine zwischen 1870 und 1880 Jahre, also der klassischen Panzerschiffbauzeit. Panzerschiffe vor 1870 glichen eher noch den hölzernen Kriegsschiffen aus Nelsons Zeiten und erst 1873 gab es die ersten Panzerschiffe ohne Besegelung, womit die eigentliche Zeit der "Pre-Dreadnoughts" eingeläutet wurde.
    Danach, so ab 1890, setzten man dann die im Jahrzehnt davor gemachten Erfahrungen im weiteren Kriegsschiffbau um. Den ersten großen Test wie gelungen diese Entwicklungen (Einheitslinienschiffe) denn nun tatsächlich waren, fand am 27. Mai 1905 in der Seeschlacht bei Tsushima statt. Wobei sich hier besonders die Bedeutung der großen und weit schießenden Kaliber heraus kristalisierte.
    Die neuen aufstrebenden Seemächte, wie Deutschland, Japan und die USA, hatten es da besser als die traditionellen, wie England, Frankreich, Russland und Österreich-Ungarn. Die Flotten dieser Staaten waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch mit viel "Schrott" belastet, von dem man sich nur schwer und allmählich trennen konnte, denn erstens hat der Bau dieser nun veralteten Schiffe auch Geld gekostet und der Bau der neuen und modernen würde noch teurer werden. Dashalb wurden ja auch die schon veralteten "Semi-Dreadnughts" fertig gebaut und in Dienst gestellt.

  • Die Mackay-Bennett und die TitanicDatum21.09.2016 10:31
    Thema von Waldi44 im Forum Habt ihr das gewusst?

    Die Mackay-Bennett war ein eher unbekannter britischer Kabelleger, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts bei John Elder & Co. in Govan bei Glasgow gebaut wurde und 1884 seine Arbeit im Nordatlantik aufnahm. Hauptsächlich bestand die Arbeit in der Reparatur an Seekabeln im Nordatlantik. Der Heimathafen war eigentlich Halifax in Neuschottland, bei ihren häufigen Einsätzen im östlichen Atlantik hingegen war sie in Plymouth stationiert.
    Damit wäre schon das Wichtigste gesagt und die "Mackay-Bennett" wäre in den Analen der Seefahrt nie wieder aufgetaucht, wenn ein Teil ihres weiteren Lebens nicht mit einer der größten Schiffskatastrophen der Seefahrtsgeschichte verknüpft worden wäre.
    Am 14. April 1912 rammte die RMS "Titanic" einen Eisberg und versank. Dabei fand ein Großteil ihrer Passagiere den Tod in den eiskalten Fluten des Nordatlantik. Die meisten trugen ihre Schwimmwesten und nachdem sie erfrohren waren, trieben noch tagelang hunderte von Leichen auf dem Ozean. Deshalb entschlossen sich die Manager der " White Star Line", die Leichen zu bergen. Dafür charterten sie die "Mackay-Bennet", die am 20. April 1912, sechs Tage nach dem Untergang der Titanic, auf dem "Leichenfeld eintraf. Das Kommando hatte Kapitän Frederick Harold Larnder. Man hatte Geistliche verschiedener Konfessionen an Bord, Särge und Eis zum Kühlen der Leichen. Soweit so gut! Was dann aber geschah, sprengt irgendwie das menschliche Fassungsvermögen und läßt Wut und Abschäu aufkommen- zumindest bei mir!!
    Zuerst wurden alle Toten geborgen, doch dann stellte man fest, dass es derer zuviele waren und man beschloß, nur die Toten der 1. Klasse zu bergen und später an Land zu bringen. Also warf man die Passagiere, deren Kleidung oder eventuell vorhandene Dokumente auf Passagiere der 3. Klasse schließen ließ, wieder ins Meer zurück. Insgesamt wurden 333 Tote geborgen, von denen man 306* dann zurück an Land brachte. 338* weitere Tote wurden dann später von einem kanadischen Schiff geborgen. darunter auch die, welche man von der "Mackay-Bennet" wieder zurück ins Meer geworfen oder erst gar nicht an Bord genommen hatte, weil ihre Herkunft (3. Klasse) ersichtlich war.
    Lediglich ein Toter der 3. Klasse wurde an Bord belassen und später von der Besatzung bestatten lassen. Am Sonntag den, 21. April 1912,dümpelt inmitten von Wrackteilen die Leiche eines kleinen Jungen. http://www.zeit.de/wissen/geschichte/201...bekannter-junge
    Diese Episode läßt den Begriff "Klasengesellschaft" in einem besonders makaberen Licht erscheinen!
    1922 wurde die Mackay-Bennett außer Dienst gestellt und der Rumpf in Plymouth als Hulk benutzt. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie bei einem Angriff der deutschen Truppen versenkt, später aber wieder gehoben. 1963 wurde die Mackay-Bennett endgültig verschrottet.

    * Aus irgend einem Grund schwanken die Zahlen je nach Quelle.

  • Was sind TTIP und Ceta?Datum20.09.2016 12:46
    Thema von Waldi44 im Forum Stammtisch

    Das ist das Problem bei TTIP.

    Die Lander der Europäischen Union und die Vereinigten Staaten soll künftig eine Freihandelszone
    vereinen: TTIP, kurz fOr Transatlanic Trade and Investment Partnership. Zölle sollen fallen,
    Handelshemmnisse beseitigt werden. Vor allem Großkonzerne erhoffen sich davon
    Kosteneinsparungen. Doch es geht keineswegs allein um rein technische Normen, sondern auch
    um gesellschaftspolitische Standards. Europa würde sich verpflichten, alle Regulierungen künftig
    TTIP-konform zu gestalten. Handelsrelevante Gesetze könnten nur noch mit Zustimmung der USA
    zustande kommen. Künftige Verbesserungen von Umwelt-, Arbeitnehmer- und
    Verbraucherstandards in Europa würden damit erschwert. wenn nicht verhindert. Konzernen soll
    bei "TTlP" das Recht eingeraumt werden, Staaten vor nicht-staatlichen Gerichten auf Schadenersatz
    zu verklagen - eine Paralleljustiz mit Milliardenrisiken für alle Steuerzahlerinnen und Steuerzahler.
    TTIP ist ein Angriff auf unsere Demokratie. Und keinesfalls das einzige problematische Abkommen
    Auch "CETA" und "TiSA" bergen erhebliche Risiken.

    Das ist der Stand
    EU und USA nahmen im Juli2013 die Verhandlungen über TTIP auf. CETA, das
    Freihandelsabkommen zwischen EU und Kanada, liegt bereits ausverhandelt, aber noch nicht
    beschlossen auf dem Tisch - eine politische Entscheidung darüber soll 2016 fallen. TTIP soll
    bis Ende 2016 fertig verhandelt sein. Wenn es zur Abstimmang im Europaischen Parlament kommt,
    können die Abgeordneten keine Änderungen mehr durchsetzen, sondern nur mit Ja oder Nein
    stimmen. Der Handelsministerrat der EU könnte TTIP und CETA sogar "vorläufig" rechtskraftig zur
    Anwendung bringen, ohne das auch nur ein einziger Parlamentarier seine Hand gehoben hat.

    Was bedeutet CETA?

    Das europäische Verhandlungsmandat für das CETA-Abkommen mit Kanada wurde bisher
    unter Verschluss gehalten. Nun macht "Foodwatch" drei geleakte CETA-Dokumente öffentlich,
    klassifiziert mit der Geheimhaltungsstufe "Restreint UE/EU Restricted": Den urprünglichen
    Mandatstext von Apri1 2009, einen Änderungsentwurf von 2010 sowie die schließlich im Jun
    2011 vorgenommene Ergänzung des Mandats.
    Aus den Papieren geht hervor: Die so umstrittenen Schiedsgerichte waren bei der Aufnahme der
    Verhandlungen zumindest von der EU gar nicht vorgesehen. Schiedsgerichte waren
    also keineswegs immer ein so unverzichtbarer Bestandteil von CETA, wie es heute auch von der
    Bundesregierung dargestellt wird. Entsprechende Investorenschutzklauseln wurden erst zwei Jahre
    später, 2011 , endgü1tig in die Verhandlungsleitlinien aufgenommen. Jetzt, da der CETA-Vertrag
    ausgehandelt ist, heißt es jedoch p1ötzlich. daran ließe sich nichts mehr ändern. Die geleakten
    Dokumente zeigen: Die Debatte über die Freihandelsabkommen wird nach wie vor nicht offen und
    aufrichtig geführt.

    Selbst Parlamentarier, die Akteneinsicht haben, dürfen über den Inhalt keinerlei Auskunft geben. DAS hat nun mit Demokratie wahrlich nichts mehr zu tun!

  • Sinnloser Widerstand oder nicht?Datum11.09.2016 10:00
    Thema von Waldi44 im Forum Habt ihr das gewusst?

    Im letzten Haft "Zeitgeschichte" steht im Editorial ein merkwürdigen Beitrag. Geschrieben wurde dieser Artikel vom Chefredakteur Guido Kraus. Hierin äußert er seine Verwunderung darüber, dass in den "Potsdamer Neuesten Nachrichten" in der Betrachtung zur 800 Jahrfeier des Örtchens Saarmund (hat nichts mit der Saar zu tun, sondern liegt zwischen Berlin und Potsdam)eine für ihn fragwürdige Formulierung benutz wurde. Dort bezeichnete man den noch am 21. April 1945 durch insgesamt 4 Kompanien der Wehrmacht und der Waffen SS geleisteten Widerstand als "sinnlos". Wer die "DMZ" kennt, "Zeitgeschichte" ist ein Ableger davon, wird sich denken können, dass das nicht unwidersprochen bleiben kann. Die Argumentation des Chefredakteurs allerdings ist eher hanebüchend denn nachvollziehbar!
    Die erste Frage die sich einem bei dem Begriff "sinnlos" im Zusammenhang mit bewaffneten Widerstand stellt, ist: WAS ist sinnlos und wann wird Widerstand tatsächlich sinnlos! Als Beweiß, dass "sinnloser" Widerstand durchaus Sinn macht, werden die Abwehrschlachten der Roten Armee von Leningrad, Moskau und später Stalingrad angeführt. Doch wer nur einen Funken historischen Verstand hat und sich ein klitzkleines Bischen in militärischen Fragen auskennt, wird sofort erkennen, dass ein Vergleich der "Abwehrkämpfe" von Saarmund, nicht nur wegen ihrer bescheidenen Ausmaße, überhaupt nicht mit den oben genannten "sinnlosen" Abwehrschlachten zu vergleichen ist!
    Warum nicht? Nun, die Wehrmacht war zu diesem Zeitpunkt schlichtweg geschlagen, die Rote Armee damals "nur" schwer angeschlagen. Die Wehrmacht hatte NULL Reserven, der Roten Armee standen noch alle Truppen aus Fernost zur Verfügung. Für die Wehrmacht gab es KEIN Hinterland mehr, während der Großteil der Sowjetunion noch unbesetzt war UND die Russen hatten Verbündete, die sie mit Waffen, Munition und Ausrüstungsgegenstände versorgten. Die Deutschen hatten zu diesem Zeitpunkt weder Verbündete, noch Nachschub.
    Wiederstand macht tatsächlich nur Sinn, wenn er einen Zweck erfüllt. Welchen Zweck konnte der Widerstand vor Saarmund noch erfüllen? Nach dem Scheitern der Ardennenoffensive aber spätestens nach der Auflösung des Rurkessels hätte Deutschland kapitulieren müssen um sinnlose Opfer zu vermeiden. Natürlich wird argumentiert, dass man der Zivilbevölkerung die Flucht nach Westen ermöglichen und somit vor der Roten Armee retten wollte. Wie viele aber auf dieser Flucht und den Kämpfen ums Leben gekommen sind, wird verschwiegen, denn auch die alliierten Bombenangriffe gingen ja weiter!
    Nun kann man ja natürlich auch Widerstand des Widerstands willen leisten oder kämpfen, weil man es für seine Pflicht hält. Der Waffen SS, zumindest den Freiwilligen, mag man dieses "Recht" zugestehen aber leider findet deren Kampf nicht auf einem anderen Planeten statt.
    Aber bei dem Begriff "sinnloser Widerstand" scheiden sich die Geister. Bestes Beispiel dafür ist ja Stalingrad. Die einen Experten halten den Widerstand ab dem gescheiterten Entsatzversuch durch Hoth für Sinnlos, andere wiederum den ganze Widerstand bis zum bitteren Ende als Gerechtfertigt, weil dadurch große Teile der Roten Armee gebunden wurden und die Wehrmacht Zeit hatte, eine neue Front zu errichten. Wer hat Recht?
    Mitunter stellt sich auch die Frage, WER entscheidet, wann Widerstand sinnlos ist? Das kann in der Regel nur jemand, der den Überblick über das große und ganze hat. Klar, der einfache Soldat im Schützengraben braucht diesen "Überblick" nicht, wenn drei Gewehre auf ihn gerichtet sind aber der Kompaniechef, wenn seine Kompanie aufgerieben zu werden droht und er einen Befehl zum Durchhalten hat. Wenn er nicht weiß warum, wird er sich um die Kompanie zu retten, vielleicht doch zurück ziehen. Weiß er aber, dass er einen "Flaschenhals" offen halten muss, durch den sich andere aus der Umklammerung zurückziehen können, erscheint der "sinnlose" Widerstand wieder in einem ganz anderen Licht! Vor Saarmund aber gab es nichts mehr zu retten oder zu halten. Sinnloser konnte ein Widerstand nicht sein!

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