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 Habt ihr das gewusst?
Waldi44 Offline




Beiträge: 541

09.09.2020 15:06
Der Golan - Letzte deutsche Panzerschlacht. Antworten

Der Golan - Letzte deutsche Panzerschlacht.

Am Ende des 2, Weltkrieges gab es auf der Welt wohl mehr Waffen als je zuvor und jemals wieder danach. Die westlichen Siegerstaaten besaßen derer so viel, dass sie schon weit vor Kriegsende ihre Rüstungsproduktion drosselten. Von den Sowjets ist derartiges Verhalten nicht überliefert.
Deutschland hatte den krieg verloren und einen schrecklichen Preis an Menschenleben und verbrauchten Ressourcen dafür bezahlt. Gegen Ende "pfiff die Wehrmacht" sprichwörtlich auf dem letzten Loch und es fehlte an allem. Dennoch blieb noch so manches vom Kriegsgerät nach dem Krieg übrig und fiel an die Siegermächte.
Flugzeuge, Raketen, Schiffe und nicht zuletzt Panzerfahrzeuge jeder Art. Das allermeiste konnten die Sieger nicht gebrauchen, sieht man mal von den technischen Innovationen ab, von denen sie wiederum nicht genug bekommen konnten. Andere Waffen verschenkten oder verkauften sie an ihre Freunde und neuen Verbündeten oder sie verstaubten für Jahre in irgendwelchen Depots. Die wenigsten Beutewaffen fanden noch für eine Zeit Verwendung in anderen Armeen.
Um so erstaunlicher ist ihr plötzliches und unerwartetes Auftauchen zu Beginn der 60 Jahre und noch verwunderlicher, der Ort ihrer "Auferstehung", der Nahe Osten.
Um was für Waffen handelte es sich? Um Panzerfahrzeuge der Wehrmacht, welche Arabische Staaten (hier ist speziell von Syrien die Rede), die im Clinch mit Israel lagen, aus Europa zusammenkauften, während die Israelis selbst von ihren Freunden aus den USA mit den modernsten Panzern ihrer Zeit beliefert wurden. Die politischen Beziehungen zur Sowjetunion waren damals noch nicht so gediehen, wie wenig später, als den Arabern von dort ebenfalls modernes Kriegsgerät in größeren Mengen zufloß.
Im 1964 begann in der Region der sogenannte "Wasserkrieg", als die Syrer versuchten den Israelis wortwörtlich das Wasser abzugraben. Dieser "Krieg" mündete dann unmittelbar in den Sechstagekrieg von 1967. Im August 1965 dann eskalierte der Konflikt zum ersten größeren Gefecht, in dem die Israelis zwei syrische Panzer zerstörten. Ein israelischer Centurion zerstörte auf 1.500 Meter Entfernung einen deutschen Panzer IV unter syrischem Kommando.
Nun könnte man meinen, der Panzer sein ein Relikt aus längst vergangener zeit und eher zufällig noch aktiv. Das ist aber weit gefehlt. Syrien beschaffte sich noch etliche dieser Dinosaurier und ihre Lieferanten waren sicherlich froh, weit über den Schrottpreis diese Uraltfahrzeuge los zu werden. Einige waren fast fabrikneu, andere hatten eher nur noch Schrottwert. Genommen wurde aber alles.
Die Franzosen verwendeten von der Deutschen Panzerbeute lediglich einige Panther in der eigenen Armee weiter. Andere Panzerfahrzeuge verrotteten hingegen vor sich hin. Frankreich lieferte an Israel seine modernsten Waffen und in sein ehemaliges Mandatsgebiet Syrien, was man selber nicht mehr brauchte und nicht zuletzt 40 Panzer IV Ausf. H. Diese Fahrzeuge kamen um 1950 nach Syrien.
Ihr nächster Einkaufstripp führte sie in die Tschechoslowakei. Die junge tschechische Volksrepublik verfügte über 245 Panzer IV in gutem Zustand. Da nun die Sowjets anfangen ihre neuen Verbündeten in ihren Satellitenstaaten mit modernen Panzern auszustatten, waren die Tschechen durchaus bereit "ihre" Panzer IV zu verkaufen(1955). 4.500 britische Pfund das Stück incl. Ersatzteile und Munition.
Der Deal brachte den Syrern 45 Panzer sofort ein und weitere 15 (1958) als Ersatzteillager später.
Selbst in Spanien, dass ja nicht direkt am Krieg teilgenommen hatte, wurde man fündig und kaufte 17 fast fabrikneue Panzer IV Ausf. H. Die Syrer modifizierten die Panzer und bauten das Bug MG und Funkgerät aus. Inwieweit sie andere Funkgeräte, etwa sowjetische eingebaut haben scheint nicht ganz klar zu sein. Wenn aber, so übernahm wahrscheinlich der Kommandant, wie in sowjetischen Panzern üblich, das Funkgerät.
Weiterhin baute man bei einigen Panzern ein koaxialgelagertes FLA MG ein.
Wie eigentlich nicht anders zu erwarten hatten die Araber ein massives Wartungsproblem. Selbst alte Panzer müssen fachgerecht gewartet werden, sollen sie einsatzbereit bleiben. Nach Schätzungen waren dass dann Mitte der 60 Jahre nur um die 50% der vorhandenen Fahrzeuge.
Das Bug MG hatte man ausgebaut aber wenigstens seine Originalkanone durfte der Panzer IV behalten. Mit der KwK 40 Kaliber 75 mm und ihrer deutschen Optik konnte er immerhin bis 1.000 Meter Ziele bekämpfen (man erinnere sich an den Centurion, der seinen Panzer IV auf 1.500 Meter abschoß). Die veraltete Panzerdoktrie der Syrer beruhte noch auf die ebenfalls veralteten Doktrien der Sowjets, bei denen die sowjetischen T34 so dicht wie möglich an die Tiger und Panther ranfahren sollten, um aus nächster Nähe das Feuer zu eröffnen. Die syrischen Panzer sollten erst unter 500 Meter das Feuer eröffnen.
Neben den Panzern IV kamen auch noch andere Wehrmachtsfahrzeuge zum Einsatz. Von den Franzosen erwarben (1950) die Syrer noch 6 Jagdpanzer IV und fünf SFL Hummel, sowie fast schrottreife 9 Sturmgeschütz III. Zwölf gut erhaltene Sturmgeschütze steuerten die Tschechen bei und selbst die Rumänen konnten mit einem Sturmgeschütz dienen.
Alle diese Fahrzeuge kamen im Golan zum Einsatz, ein für Panzer eher ungeeignetes bergiges und steiniges Terrain. Bis heute findet man dort noch einige der von den Israelis mit Leichtigkeit zerstörten deutschen Panzerwagen unter syrischem Kommando. Im englisch sprachigen Raum spricht man von der "letzten deutschen Panzerschlacht", "Last German Panzer Battle".
Erwähnt werden soll in diesem Zusammenhang noch, dass die Syrer nicht nur deutsche Panzer hatten, sondern auch noch einen prominenten deutschen Berater, den "Panzergrafen", Generalleutnant Hyazinth Graf Strachwitz von Groß-Zauche und Camminetz, der ende der 40er den Weg zur Panzertruppe nach Syrien fand. Offiziell arbeitete er dort als Berater des Staatspräsidenten für Forst- und Landwirtschaft! Nach einem Putsch floh er erst in den Libanon, ließ sich dann in Italien nieder und schließlich im Herbst 1951 kam er wieder nach Deutschland zurück und als er 1968 starb, hielten Offiziere der Bundeswehr an seinem Sarg die letzte Wache.
Quelle "Militär&Geschichte" Okt./Nov. 2020
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