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 Habt ihr das gewusst?
Waldi44 Offline




Beiträge: 541

06.09.2020 10:16
Die Schlacht am Waterberg - war es ein Völkermord? Antworten

Nun ja, mal wieder ein altes umstrittenes und dennoch immer wieder aktuelles Thema - weil die Namibische Regierung für die Kriegsschäden von 1904, trotz hunderter Millionen an Entwicklungshilfegeldern, bis zu heutige Tag eine Entschädigung verlangt.
Die Frage die sich hier einem Historiker (auch Hobbyhistoriker) stellt, abseits aller populistischen und ideologischen Phrasen, ist die Behauptung, dass es sich bei der Niederschlagung des Hereroaufstandes und seiner Folgen für das Volk der Hereros um bewußten und gezielten Völkermord handelte.
ICH persönlich verneine diese Frage nachdem ich mich ein wenig damit beschäftigt habe, obwohl es in Deutschland inzwischen eine starke grünrote Lobby für die Völkermordthese gibt.
Zweifellos war der Kolonialismus ein Menschheitsverbrechen an sich aber erst nachdem sich eine ethische und moralische Wende im Denken der allermeisten Völker durch setzte. Der Humanismus brach sich seine Bahn und es begann die Entkolonialisierung, der aber vielen ehemaligen Kolonialvölkern alles andere als Frieden und Wohlstand brachte. Zum Teil wegen der ehemaligen Kolonialherren und ihrer Hinterlassenschaften, zum Teil wegen ethnischer Rivalitäten untereinander und nicht zuletzt wegen des Kalten Krieges!
Daß Kolonialismus ein Menschheitsverbrechen war, war aber zu der Zeit von der wir Reden (1904), den aller wenigsten Zeitgenossen bewußt und die wenigen fand man damals nur auf der linken Seite im Reichstag (SPD).
In wie weit nun die Hereros damals das moralische Recht zum Aufstand hatten oder nicht oder ob sie durch die Umstände gar dazu gezwungen wurden, bleibt mal dahin gestellt. Aufstände gab es in ALLEN Kolonien der damaligen Zeit und ALLE Kolonialmächte beantworteten sie gleichermaßen, mit Gewalt! Das Deutsche Kaiserreich bildete darin keine Ausnahme aber es war eben auch nicht "schlechter" als ALLE anderen Kolonialmächte. Allein wegen der kurzen Kolonialzeit fällt die Bilanz für Deutschland wesentlich besser aus, als für die klassischen Kolonialmächte England, Frankreich, Spanien - von Belgien mal ganz zu schweigen!
Der Aufstand der Hereros begann mit der Ermordung vieler deutscher Siedler. In nur einer Woche starben so auf oft grausamer Weise 123 Weiße - auch einige wenige Soldaten waren darunter. Die Nachrichten darüber stachelten natürlich die Wut der Männer der Schutztruppe aber auch die in der Heimat an und schürten den Wunsch nach Rache. Zu dieser Zeit lebten in Südwest 4.640 Weiße und 970 Buren. Ihnen standen 200 bis 300.000 Afrikaner gegenüber.
Nachdem Verstärkung eingetroffen und ein neuer Oberbefehlshaber ernannt worden war, Lothar von Trotha, ging die Schutztruppe zur Offensive über! Die Hereros unter ihrem Kapitän (Oberhäuptling) Samuel Maharero zogen sich auf ihre Wasserstellen am Waterberg zurück. Man schätzt die Zahl der dort versammelten Hereros zwischen 40 und 60.000 Menschen und zehntausenden Rindern. Die Gesamtzahl der Heroros in Südwest wird auf bis zu 80.000 geschätzt. Insgesamt schätzt man die Zahl der Krieger, von denen sehr viele, wenn nicht gar die meisten Schußwaffen trugen, auf 5 bis 6.000 Mann.
Angesichts der deutschen Streitmacht von 1.584 Mann eine gewaltige Übermacht, der aber die Feuerkraft von 30 Feldgeschützen und 12 Maschinengewehren entgegen stand. Mitunter ließt man, dass v. Trotha sie Aufständischen am Waterberg einschloß und ihnen nur den Ausweg durch die Omaheke Wüste ließ.
Das ist falsch! Von Trotha hatte nicht die Absicht die Hereros entkommen zu lassen oder zum Sterben in die Wüste zu schicken, auch wenn er das wortgewaltig wie sein Kaiser dereinst vor dem Chinafeldzug, verkündete. Sein Ziel war es, sie einzuschließen und zur Kapitulation zu zwingen. Wie es danach mit ihnen hätte weiter gehen sollen bleibt offen - vermutlich Internierung oder Unterbringung in Reservaten.
Im Norden versperrten die bis zu 200 Meter hohen Steilhänge des Waterberges jedes Durchkommen und wo es doch möglich gewesen wäre, standen die Deutschen in vorteilhaften Stellungen. Aus Süden und Südosten kam das Gros der Schutztruppler und im Südwesten, also vor der Omaheke Wüste stand das mit Abstand schwächste Detachment mit 186 Mann, 8 Geschützen aber keinem einzigen MG und ausgerechnet hier brachen die Hereros durch und zogen zu zehntausenden mit Frauen, Kindern und Vieh in die als Wasserarm geltende Wüste.
Später fand man unzählige metertiefe Gruben als Beweis dafür, dass die Menschen verzweifelt nach Wasser gruben aber nur wenig bis nichts fanden. Eine bemerkenswerte Verhaltensweise sei hier noch angemerkt: Diejenigen Frauen, die Milch hatten, gaben diese den Kriegern, damit sie bei Kräften blieben und kämpfen konnten. Lieber nahm man den Tod der Kinder in kauf. Das hat jetzt nichts mit Unmenschlichkeit oder Rassismus zu tun, sondern mit den uns oft unverständlichen Eigenheiten, Sitten und Gebräuchen von Naturvölkern.
Von Trotha hat sie nicht in die Wüste "gejagt", sondern sie entzogen sich der Einkesselung und anschließenden Gefangennahme durch einen Durchbruch durch den Belagerungsring und der führte sie ausgerechnet in die Wüste. War das Zufall? Absicht von Seitens der deutschen sicher nicht und rein zufällig schlug Maharero diese Richtung wohl auch nicht ein. Jenseits der Wüste lag britisch Betchuanaland und bis heute halten sich Gerüchte, nach denen die Briten für den Hereroaufstand mit verantwortlich waren und Maharero erhoffte sich von den Briten Asyl und Unterstützung. Deshalb schlug er diesen Weg ein auch wenn es gleichzeitig der Weg des geringsten Widerstandes war.
Jedenfalls kam er mit nur rund 3.000 überlebenden in Betschuanaland an.
Was war nun mit seinem berüchtigten "Vernichtungsbefehl"? Er besteht aus zwei Teilen, von denen man aber gerne nur den ersten Teil zitiert, währen der zweite Teil, in dem von Trotha in präzisiert, gern unterschlagen wird. Außerdem fand die Schlacht im August 1904 statt, der Befehl aber wurde erst Anfang Oktober rausgegeben, als die Schlacht schon lange vorbei war und vermutlich nur einzelne oder kleinere Gruppen versuchten die Wüste wieder in Richtung Südwest zu verlassen.
Zwar war von Trotha der "Hereoplage" Herr geworden aber nur wenige Tage nach der Schlacht am Waterberg, erhoben sich im Süden die Nama und der Krieg in Südwest ging noch vier Jahre weiter. Hätten sich Nama und Hereros gleichzeitig erhoben, die Geschichte von Südwest hätte vielleicht neu geschrieben werden müssen!
Am Ende kostet die Niederschlagung der Aufstände 585 Millionen RM - umgerechnet auf heute wohl mehr als 1 Milliarde Euro - rund 50.000 Eingeborenen das Leben und 1.676 Deutsch fanden den Tod.
Ps: Dass es sich um keinen Völkermord gehandelt hat, ist meine persönliche Meinung und muß nicht geteilt werden!
Quelle: Diverse Schriften und "Militär & Geschichte".

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