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 2. Weltkrieg
Waldi44 Offline




Beiträge: 521

23.01.2019 12:00
Die schweren Kanonen der "Bismarck" antworten

Als im August 1940 die Bismarck in Dienst gestellt wurde, erhielt die Kriegsmarine ihr erstes vollwertiges Schlachtschiff. Es galt als das seinerzeit größte, modernste und schlagkräftigste Kriegsschiff der Welt und war das erste und Namensgeber der Bismarckklasse.
Berühmt wurde das Schiff durch die Versenkung des größten britischen Kriegsschiffes, dem Schlachtkreuzer HMS "Hood", während der Operation "Rheinübung". Dies geschah mittels der schweren Artillerie.
Insgesamt dauerte das Gefecht zwischen der "Bismarck" und der "Prinz Eugen" auf der einen und der "Hood" und der "Prinz of Wales" auf der anderen Seite 15 Minuten. Die "Prinz of Wales" drehte nach mehreren Treffern beschädigt ab, konnte aber vorher noch 3 schwere Treffer seiner 356 mm Hauptgechütze auf der Bismarck landen. Während dieses Gefechts, verschoß die Bismarck 93 Granten im Kaliber 380 mm. 8 Minuten zuvor war die "Hood" explodiert.
Um 5:55 Uhr begann die "Bismarck" das Feuer der Hood zu erwiedern und um 6:01 ereilte das Schicksal die "Hood" und 1415 von 1418* Mann seiner Besatzung und nur 2 Minuten nach der Explosion war das mächtigste britische Kriegsschiff in den Fluten des Nordatlantik versunken.
Was waren das für Geschütze, welche in so kurzer Zeit ihren Gegner in den Keller schickten?
Die Hauptbewaffnung der "Bismarck" bestand aus vier Doppeltürmen mit einem Kaliber von je 380 mm S.K. C/34 (L/52). Wobei "S.K." für Schnellladekanone, Schnellfeuergeschütz steht. Allein ein einziges seiner insgesamt 12 Geschützrohre war über 19 Meter lang und wog 111 Tonnen. Jeder Turm mit Rohren brachte es auf 1.050 Tonnen, bei einer Panzerung von 360 mm.
Die Granaten waren gut 1700 mm lang und wogen 800 Kg. Die Mündungs oder Anfangsgeschwindigkeit (V0) betrug 820 Meter pro Sekunde und das Geschoß hatte eine maximale Reichweite von 36.000 Meter. Noch auf 20.000 Meter durchschlugen die Geschosse eine 364 mm starke Panzerung. Die Panzerung der Hood bestand in der aus Zitadelle 127–152 mm und das Oberdeck hatte 32 mm.
Die Gefechtsentfernung betrug nur noch 17.373 Meter, als die Granaten der Bismack in einem steilen Winkel das Deck der Hood durchschlugen.
Bei der doch relativ dünnen Panzerung muß man bedenken, dass es sich bei der Hood um einen Schlachtkreuzer und nicht wie bei der Bismarck, um ein Schlachtschiff handelte. Schlachtkreuzer haben eine den Schlachtschiffen ebenbürtige Bewaffnung aber zu Gunsten einer höheren Geschwindigkeit eine deutlich geringere Panzerung.
Die Granate war keine sogenannte Patronengranate, bei der Granate und Treibladung durch eine Hülse fest miteinander verbunden sind. Um die der Bismarck abschießen zu können bedurfte es zwei Kartuschen mit insgesamt 212 Kg Treibladung.
Um die Kanone im Turm zu laden , bzw die Granaten und Kartuschen überhaupt in diesen zu bekommen, gab es verschiedene, durch starke Panzerung geschützte Vorrichtungen, wie Munitionsaufzüge, Lademulden, Hydraulische Ansetzer, Rauchabsorber und viele weitere Ein- und Vorrichtungen mehr.
Verschossen wurden drei verschiedene Munitionstypen. Erstens die Panzersprenggranaten mit Bodenzünder im Gefecht gegen Schlachschiffe. Zweitens die Sprenggranaten mit Kopf- oder Aufschlagzünder für leicht gepanzerte Ziele und drittens die Sprenggranate mit Bodenzünder, vorwiegend gegen Kreuzer. Bodenzünder befanden sich, wie schon der Name sagt, nicht an der Spitze der Granaten, sondern an deren Boden. Dadurch war es dem Geschoß möglich die Panzerung zu durchschlagen, ehe es detonierte. Die Spitze, die einer jeden Granate ihre Typische Form gibt, nennt man ballistischer Haube.
Wie brachte man nun diese Mordsdinger im wahrsten Sinne das Wortes ins Ziel? Nun, zuallerst mit einer guten Feuerleutanlage, guten Artillerieoffizieren (AO) und einer gut ausgebildeten und eingespielten Mannschaft an den Messgeräten. Dazu Hatte die Bismarck einen Hauptartillerieleitstand und zwei weitere. Überhaupt waren auf größeren Kriegschiffen gleich mehrere Gefechtsstände und Kommandobrücken vorhanden, die während des Gefechts auch besetzt waren und beim Ausfall des einen Gefechtsstandes sofort dessen Arbeit übernehmen konnten. Daraus resultiert der oft hohe Mannschaftsbestand.
Auf das Feuerleitsythem will ich nicht weiter eingehen aber darauf, wie die "Bismarck" ihre Granaten ins Ziel lenkte. Dazu bediente man sich des "Eingabelns". Bevor durch den mechanischen Schußwertrechner exakte Schußwerte ermittelt werden konnten mußte optisch geschätzt werden. Man gab daher verschiedene Entfernungen für die einzelnen Salven ein. Meist lag die erste zu kurz oder zu lang und es wurde entsprechend korrigiert. Auch wenn exakte Werte vom Rechner vorlagen, hieß das nicht, dass auch alle Granaten das Ziel trafen.
Warum nicht? Nun, jede Granate bzw jede Kartusche hatte eine, wenn auch nur geringfügige Gewichtsabweichung in der Treibladung. Bei 20.000 Meter Flugweite macht sich so etwas durchaus bemerkbar. Hatte die eine Kartusche vielleicht 5-10 Gramm zu wenig, so hatte die andere genau diese 5-10 Gramm mehr und schon flog die eine 15 Meter weiter und die andere 15 Meter kürzer. Auch brennt nicht jede Treibladung gleichmäßig ab. Die Hood hatte eine Breite von rund 31 Meter.....
Immerhin brauchte die "Bismarck" 5 Salven und somit 40 Granaten, ehe die Geschosse deckend auf der Hood lagen. Die "Bismarck" hatte insgesamt 1004 solcher Granaten an Bord.

* Die Zahl der Toten schwankt im Gegensatz zu den Überlebenden, von Quelle zu Quelle.

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