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 Habt ihr das gewusst?
Waldi44 Offline




Beiträge: 519

24.02.2018 10:01
Flüchtlingsschiff "Struma". antworten

Vor einigen Jahren erschien in der türkischen Tageszeitung Hürriyet ein Beitrag zum Thema Holocaust. Dieser Artikel beschäftigte sich mit einem speziellen türkischen Ereignis im Zusammenhang mit dem Holocaust. Ein Ereignis, von dem die Welt kaum Notiz nahm und auch in der Türkei gerne verschwiegen wird!
Speziel geht es um das Flüchtlingsschiff "Struma", einem kleinen bulgarischem Motorschiff.
Was passierte also auf der Struma, dem bulgarischen Motorschiff, die über 760 jüdische Flüchtlinge in das damals unter britischer Verwaltung stehende Palästina-Gebiet bringen sollte? Der in Warna ansässige und für verschiedene zionistische Organisationen tätige jüdische Augenarzt Baruch Konfino, der bereits 1939 die Ausfahrten der kleinen Flüchtlingsschiffe Rudnitchar und Bopha, dessen beste Tage auch schon weit hinter ihnen lagen, nach Palästina mitangeführt hatte, wurde auf die Struma aufmerksam. Das Schiff war zu diesem Zeitpunkt bereits 60 jahre alt. Konfino erwarb das Schiff und ließ es für den Transport einer größeren Zahl von Flüchtlingen herrichten. Der Umbau zog sich über mehrere Monate hin, Bulgarien trat währendessen dem Dreimächtepakt bei, weshalb deutsche Truppen in Bulgarien einmarschierten.

Mit 768 jüdischen Flüchtlingen verließ die Struma am 12. Dezember 1941 den Hafen von Constanta. Da man für die Überfahrt nach Istanbul nur 14 Stunden eingeplant waren, befanden sich auch keine größeren Vorräte an lebensmittel oder Trinkwasser an Bord. Die Fahrt verzögerte sich jedoch, die Maschinen setzten immer wieder aus und aus 14 Stunden wurden 4 Tage, ehe man in Istanbul anlegen konnte. Das Schiff wurde zunächst mit einem Schlepper in den Hafen gezogen, während die englische und türkische Regierung mit der Jewish Agency Geheimverhandlungen über den weiteren Verbleib der Flüchtlinge führten. Diese Verhandlungen zogen sich über 10 Wochen hin. England wollte die Flüchtlinge wegen fehlender Visa nicht nach Palästina einreisen lassen und die Türkei die Flüchtlinge nicht aufs Festland lassen, weil man befürchtete, dass sie für immer da bleiben und ein Risiko darstellen. Eine Befürchtung, die auch von anderen Staaten geteilt wurden, wann immer ein jüdisches Flüchtlingsschiff in ihren Hoheitsgewässern auftauchte. Für nur neun Passagiere wurden im Januar und Februar 1942 Ausnahmeregelungen erreicht.
Bereits am 24. Dezember 1941 hatte Kapitän Gorbatenko die türkischen Hafenbehörden über die katastrophalen Zustände an Bord unterrichtet und zudem darauf hingewiesen, dass er die Verantwortung im Falle einer Weiterreise des Schiffes wegen der als mangelhaft einzustufenden Seetüchtigkeit nicht übernehmen könne. Am 10. Januar 1942 wurde Gorbatenko erneut bei den türkischen Hafenbehörden vorstellig und wies wiederum auf die menschenunwürdigen Zustände an Bord hin; inzwischen hatte es auf der Struma die ersten Fälle von Ruhr gegeben.

Daneben hatte die türkische Regierung auch ein anderes Dilemma: als neutrales Land während des Zweiten Weltkrieges, wollte man der in Bulgarien mit Panzern einmarschierenden Wehrmacht keine Vorwände liefern, dass Risiko war der türkischen Regierung zu hoch. Zwar hatte man während des Kriegesverlaufes, etwa 20.000 Juden aus Europa herausgeschleußt, in dem türkische Diplomaten in zahlreichen europäischen Ländern Visa und Pässe ausstellte, doch die Repräsalien nahmen auch gegen die türkischen Diplomaten zu. Auf britischer(!) intervention hin schleppten die Türken die Struma am 23. Februar 1942 aufs offene Meer hinaus, wo das Schiff am 24. Februar 1942, etwa 14 Seemeilen nördlich des Bosporus im Schwarzen Meer durch ein sowjetisches U-Boot (Schtsch-213) versenkt wurde. Vermutlich wurde das Schiff für ein bulgarisches gehalten, das Land war inzwischen mit Deutschland verbündet. 762 Menschen starben, vermutlich überlebten nur vier Personen den Untergang der Struma. Andere Quellen sprechen von 781 Flüchtlinge sowie 10 Besatzungsmitglieder, die den Untergang nicht überlebten und nur einen einzigen Überlebenden.

Im Juli 2004 fand ein türkisches Taucherteam etwa an der Stelle, an der die Struma gesunken war, ein Schiffswrack. Die Identität des Schiffes konnte jedoch nicht abschließend geklärt werden. Am 3. September 2004 trafen sich Angehörige der Struma-Passagiere, Vertreter der türkischen jüdischen Gemeinde, Delegierte aus Großbritannien und den USA sowie der israelische Botschafter zu einer Gedenkveranstaltung am Ort des Geschehens. Lange Zeit galt der Untergang als ein dunkles Kapitel der Türkei, weil sie das Schiff manövrierunfähig aufs offene Meer abgeschleppt hatte. Man ging bis in die jüngste Vergangenheit davon aus, auch durch Aussagen eines Überlebenden, dem damals 19-jährigen David Stoliar( erlebte noch bis 2014 in den USA), dass der Untergang der Struma von der türkischen Regierung hervorgerufen wurde oder das marode Schiff wegen technischen Problemen sank. Erst mit der Veröffentlichung eines Buches von Halit Kakinc wurde die ganze Dimension des Vorfalls bekannt. Nach dem Zerfall der UdSSR, tauchten auch Dokumente auf, wonach die Versenkung durch die Marineführung der Schwarzmeerflotte befohlen wurde.

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