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und wurde 93 mal aufgerufen
 Habt ihr das gewusst?
Waldi44 Offline




Beiträge: 519

12.10.2017 09:42
Deutschlands erster "Seesieg" zu Lande! antworten

Deutschlands erster "Seesieg" zu Lande!
Was für ein Quatsch! Ein Seesieg zu Lande? Wie soll das gehen. Nun, das geht, indem man von Land aus eine ganze Flotte vernichtet oder doch zumindst einen bedeutenden Teil von ihr. So geschehen während des Schleswig-Holsteinischen Krieg(1848 bis 1851), beim Gefecht von Eckernförde am 5. April 1849.
Nur zwei Tage vorher war der im Vorjahr unterbrochene Krieg (Waffenstillstand von Malmö), wieder neu ausgebrochen und die Dänen beganne mit von langer Hand vorbereiteten militärischen Operationen. Eine davon richtete sich gegen Eckernförde. Allerdings handelte es sich dabei nur um ein Ablenkungsmanöver. Ihr Hauptangriff richtete sich von Alsen kommend gegen die Schleswig-Holsteinische Division bei Flensburg. Sie sollte vor dem Eingreifen der Truppen des Deutschen Bundes vernichtet werden. Um diese Absicht zu verschleiern, führten die Dänen eine vorgetäuschte Landung bei Eckernförde durch!
Aber auch auf deutscher Seite hat man die Zeit des Waffenstillstandes genutzt und entlang der Küste eine optische Telegrafenanlage installiert, die Eckernförde mit Rendsburg verband. Über diese Anlage nun wurde am 4. April 1849 nach Rendsburg tetegrafiert, dass eine dänische Flotte auf der Reede von Eckernförde lag und die Dänen vermutlich eine Anlandung versuchen würden.
Die dänische Flotte stand unter dem Befehl von Kommandeur Kapitän Frederik August Paludan. Sie bestand aus 8 Schiffen. Dem 84 Kanonen Linienschiff "Christian VIII", der 48 Kanonen Fregatte "Gefion" und der mit 32 Geschützen bewaffneten Korvette "Galathea". Des weiteren aus 2 Raddampferkorvetten, der "Hekla" und der ""Geyser", mit je 8 Kanonen und drei Transportseglern für rund 250 Mann Landungstruppen. Numerisch gesehen standen hier 180 Schiffskanonen gegen nur 10 der Verteidiger (6 weitere folgten noch während des Kampfes).
Am Morgen des 5. April zwischen 6 und 7 Uhr Morgens segelten die Dänen mit leichtem Rückenwind (Nordwind) in die Bucht von Eckernförde ein. Hier nahmen sie dann die zwei Batterien unter Feuer ihrer Breitseiten. Die Deutschen antworteten mit gezieltem Einzelfeuer ihrer Kanonen und richteten bei den Dänen schon von Anfang an großen Schaden an. Die deutschen Geschütze waren in gut gesicherten Feldstellungen untergbracht und die Kanoniere nutzten die Zeit, wenn die Dänen ihre Breitseiten nachluden, um ihrerseits ruhig zu zielen und zu schießen!
Da die Segelschiffe vor Anker lagen, waren sie dem Wind und der Strömung weiterhin ausgesetzt und die "Gefion" zu "schwoiten" begann, also sich um ihren Anker zu drehen. Damit verlor sie die Möglichkeit gezielt auf die Landbatterien zu schießen, bot aber selber für diese ein ausgezeichnetes Ziel. Unterdesse war es bereits 10 Uhr geworen und die "Galathea" zog sich vom Ort des Geschehens zurück.
Um 1 Uhr Mittags wurde das Gefecht unterbrochen, weil die Dänen einen Palarmentär schickten. Inzwischen war die "Christian VIII" auf Grund gelaufen und die "Gefion" hatte ihr Ruder verloren. Paludan verlangte freien Abzug und drohte andernfalls Eckernförde in Grund und Boden zu bombardieren. Vorrangegangen Abschleppversuche durch die beiden Raddampfer waren erfolglos und endeten mit deren schwerer Beschädigung und dem eiligen Rückzug.
Um 5 Uhr Nachmittags ging das Gefecht weiter. Paludans Ultimatum war mit den Worten: " Wir sehen uns nicht veranlaßt, Ihre Schiffe zu schonen. Sollten Sie Ihre Drohung , eine offene Stadt zu beschießen, verwirklichen, so würde ein solcher Vandalismus der Fluch Dänemarks werden, dessen repräsentant Sie hier sind", abgelehnt worden.
Nach nur 1 1/2 Stunden lief die "Christian VIII" erneut auf Grund und blieb manövrierunfähig. "Gefion" wurde kampfunfähig geschossen. Inzwischen hatte es auch schon im Schiffsinnern zu brennen begonnen. Paludan strich Flagge und Segel und gab den ohnehin sinnlos gewordenen Kampf auf!
650 Dänen, einschließlich Kommandeur Kapitän Frederik August Paludan, konnten sich retten und gingen in Gefangenschaft. 250 Verwundete aber waren an Bord der "Christian VIII" geblieben. Sie zu holen, machten sich nun die Deutschen in Booten auf. Gerade dort angekommen, flog die "Christian VIII" in die Luft(Geschichte der Neuzeit 1848 - 1871 Band 1 Seite 292)*.
Das Fazit: Mit nur 16 Kanonen vernichteten die Deutschen bei dem Gefecht bei Eckernförde 1 Linienschiff, schossen eine Fregatte gefechtsunfähig und erbeuteten sie und beschädigten zwei Kriegsraddampfer. 131 Dänen waren gefallen, 80 Verwundete und 943 gingen in Gefangenschaft. Dagegen standen 4 Tote und 14 Verwundete auf deutscher Seite.
Paludan befand sich bis August 1849 in deutscher Gefangenschaft, von April bis Juli 1850 kam er nach Verhandlung vor einem dänischen Kriegsgericht in drei monatiger leichter Festungshaft. Er durfte aber nie wieder ein Schiff kommandieren.
Natürlich wurde dieser Sieg gefeiert und entsprechend propagandistisch ausgeschlachtet. Unter Wilhelm II. wurde der "Tag von Eckernförde" zum Gedenktag obwohl er eigendlich mit der deutschen Marine als solche nichts zu tun hatte. Ehrliche Publizisten bezeichnen dieen Sieg auch eher als Glücksfall, der auf die Unfähigkeit des Kommandeur Kapitän Frederik August Paludan zurück zuführen sei! Allerdings trugen auch die Standfestigkeit der deutschen Batterien und ihrer Befehlshaber ihren Teil dazu bei!
Einer dieser deutschen Befehlshaber, Theodor Preusser, fiel übrigens bei dem Versuch die dänischen Verwundeten von der "Christian VII." zu retten, nachdem Paludan auf seinem Befehl hin das Schiff verlassen mußte. Allein an der Nordschanze fand man nach dem Gefecht über 300 dänische "Bomben"(Olmützer Zeitung 18. Febr, 1864).
Die "Gefion" wurde 1849 im "Gefecht von Eckernförde" erbeutet und 1852 an Preußen versteigert. https://de.wikipedia.org/wiki/SMS_Gefion_(1843)



































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