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 1. Weltkrieg
Waldi44 Offline




Beiträge: 497

25.10.2016 12:18
Der Held vom Skagerrak? antworten

Da es die einzig wirklich große Seeschlacht war, füllen Berichte über sie ganze Wandregale. Ebenso viele Bücher wurden über die Frage geschrieben, wer denn nun der wahre Sieger dieser Seeschlacht war. Rein rechnerisch natürlich die Deutschen. Strategisch aber blieb alles beim Alten. Zum Ablauf der Schlacht drängen sich zumindest mir auch immer wieder einige Fragen auf. Das fängt bei der wegen schlechtem Wetter nicht vorhandenen Aufklärung an und geht bis zu einer mieserabelen Schlachtführung von v. Scheer. Das zu behaupten grenzt natürlich schon an ein Sakrileg. Immerhin verfolgten beide Flotten die gleiche Taktik und die Deutsche Hochseeflotte fiel darauf rein.
Was heißt "fiehl darauf rein"? Nun, ein Ziel des "Ausflugs" in die Nordsee war, einzelne britische Kriegsschiffe zu erwischen und zu versenken und wenn irgend möglich, das britsische Schlachtkreuzergeschwader, von dem man wußte, dass es in See war. Die Briten wußten aber dank abgefangener und dechifrierter Funksprüche mehr als Scheer, der eben nur um die Schlachtkreuzer vor seiner Flotte wußte. Aber dennoch wußte man genaues nicht, denn es kamen auch Ungenauigkeiten und Falschmeldungen durch.
An dieser Stelle muß erwähnt werden, dass das Zusammentreffen mit den Schlachtkreuzer ein purer Zufall war. Die Briten, sowohl die aufklärenden Schlachtkreuzer und die sie begleitenden Kreurzer, als auch weiter weg stehende Hauptflotte, sahen ihren Auftgabe als erfüllt an, allerdings ohne auf die Deusche Hochseeflotte gestoßen zu sein. Beide Flottenteile waren dabei sich zu vereinen und in ihre Basen zurück zu kehren, als ein kleiner dänischen Dampfer, die „N.J. Fjord“, Geschichte schrieb. Sowohl deutsche Kriegsschiffe als wenig später auch britische sichteten das Schiff und wenig später sich gegenseitig. Ohne die "N.J. Fjord", wären beide Flotten wohl aneinander vorbei gefahren und die Skagerakschlacht hätte wahrscheinlich nicht stattgefunden.
Nach einem kurzen Kreuzergefecht, zogen sich die britischen Kreuzer auf ihre Schlachtkreuzer zurück und die Deutschen Kreuzer und Schlachtkreuzer folgten ihnen. Als die britischen Schlachtkreuzer nach zwei versenkten eigenen Schiffen schleunigst abdrehten, folgent die deutschen Schlachtkreuzer mit der gesamten deutschen Hochseeflotte im Schlepp und landete mit der gesamten Hochseeflotte in der für Kriegsschiffe ungünstigsten Position, dem "Crossing the T". Mehr noch, die deutlich schwächer gepanzerten Schlachtkreuzer standen plötzlich unter dem konzentrierten Feuer britischer Schlachtschiffe und kassierten Treffer um Treffer.
Als Scheer dann den verhängnisvollen Fehler erkannte, befand er sich schon, wie oben erwähnt, mitten VOR der gegnerischen Schlachtlinie. Admiral Jellicoe brauchte nichts weiter zu machen, als den Feuerbefehl zu erteilen.
Scheer, mit der Flotte in einer aussichtslosen Lage, sah sich zu einer Gefechtskehrtwendung gezwungen und dampfte den Briten quasi davon. Man könnte bissig auch sagen: Er floh. Angesichts der gegnerischen Überlegenheit aber die einzige Möglichkeit der Vernichtung zu entgehen. Doch dann vollführte Scheer eine erneute Kehrtwendung und begab sich mit der Flotte in die selbe Falle aus der er eben glücklich entkommen war. In seinen Memoiren spricht er davon, der "Wiesbaden" zu Hilfe kommen zu wollen, was Blödsinn war! Jellicoe war über die Rückkehr der Deutschen Hochseeflotte mehr als überrascht und so verstrichen wertvolle Minuten eher tatenlos. Doch dann lagen die deutschen Schlachtkreuzer, die nun wieder an der Spitze der Schlachtordnung standen wieder im konzentrierten Feuer der gesamten britischen Flotte. Dass die Schlachtkreuzer das überlebten, anders als zwei britische nur Stunden zuvor, lag erstens an der schlechteren Munition der Briten, zweitens an der standhafteren Bauweise der Schiffe zu Lasten der Kaliber und der besseren Ausbildung der Besatzungen. Und wieder mußte sich Scheer zu einer Gefechtskehrtwendung entschließen um der Vernichtung zu entgehen. Diese Manöver, dass zu den schwersten in der Gefechtsführung gehörte, gelang den Deutschen zum zweiten mal hervorragend und sie entkamen dem konzentrierten Feuer der Briten. Scheer floh somit zum 2. Mal oder freundlicher, er zog sich zum 2. Mal zurück. Im Nachtgefecht ging es dann eher chaotisch als geordnet zu und beide Seiten erlitten Verluste - einige durch Unfälle. Für die Marinehistoriker war es gut, dass diese Schlacht stattfand, für den Verlauf des Krieges aber unerheblich!

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