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 Waffen und Geräte
Waldi44 Offline




Beiträge: 500

03.10.2016 12:25
Vom Panzerschiff zum "Dreadnought". antworten

Für jedes "Ding" gibt es seine Zeit. Nichts wird erfunden, wenn es keinen Bedarf dafür gibt und das trifft besonders auf Erfindungen oder Neuerungen im Militärwesen zu. In deisem Beitrag soll es um die "Erfindung" des "Dreadnoughts" gehen. Um das britische Superschlachtschiff wird bis heute viel Wirbel gemacht und es gilt als bahnbrechende Entwicklung im Kriegsschiffbau. Aber wie mit fast allem war auch die Dreadnought keine Entwicklung irgendwo im Nirwana, sondern fand in England statt. Nun hatten andere Marinen auch große Kriegsschiffe und auch Schlachtschiffe. Damals nannte man sie noch Linienschiffe oder Großlinienschiffe.
Diese Schiffe unterschieden sich natürlich deutlich von den Linienschiffe der Holzschiffära im 18./19. Jahrhundert. Sie waren fast durchweg aus Eisen und Stahl, hatten Dampfmaschinen und riesige Geschützkaliber! Aber eines hatte sich nicht verändert, ihre Kampfweise. Der Begriff Linienschiffe deutet schon darauf hin. Sieht man sich die Aufstellung der Waffen an, weiß man auch warum sie in Linie nebeneinander fuhren und sich gegenseitig die Brocken an den Kopf bzw. auf das Schiff schossen.
Zwar verfügten die Schiffe gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts schon über Drehtürme aber daneben auch noch über jede Menge Mittel- und leichte Artillerie, welche eben an den Seiten aufgestellt war. Die leichten Kanonen bis etwa 8,8 cm dienten der Torpedoabwehr und wurden später im Verlaufe des 1. Weltkrieges durch Luftabwehrgeschütze gleichen oder ähnlichen Kalibers ersetzt bzw teilweise ausgetauscht. Die ebenfalls zur Torpedoabwehr bestimmten Torpedonetze hingegen verschwanden ganz. Ihre Handhabung war zu umständlich und sie behinderten die Schiffe beim Manövrieren.
Manch einer fragt sich nun, wozu man angesichts der Hauptbatterien von 240, 280 und 305 mm noch die Mittelartillerie brauchte, zumal der interessierte Leser weiß, dass die Panzerung teilweise schon 30 cm betrug. Da kam ein Geschütz mit 15 cm oder auch mehr bis 24 cm, nicht durch. Dem wäre nun auch so, hätte man das ganze Schiff 30cm stark panzern gekonnt. Aber das ging eben nicht. So blieben also viele Stellen beim gegnerischen Schiff entweder weniger stark gepanzert oder sogar garnicht gepanzert und diese Stellen waren für die Mittelartillerie. Das gegnerische Schiff sollte also sozusagen erst "sturmreif" geschossen werden. Dieser schwach gepanzerten Stellen hatten für die schwere Artillerie auch ihre Tücken; Die schweren Geschosse flogen ganz einfach hindurch ohne zu explodieren.
Nun stand man bei den Marinen der Welt aber vor einem großen Dilemma. Man hatte keine geeigneten Zielgeräte und auch eine nur mangelhafte Kommunikation unter den Schiffen und sogar an Bord selbst. Man schoß mit Kanonen die spielend 6...7....8tausend Meter weit schießen konnten, nur 2.000 Meter weit, also auf unmittelabarer Sichtweite. Fast so wie noch unter Admiral Nelson. Bessere Geräte waren in der Entwicklung aber das dauerte eben seine Zeit. So blieb man auf die Beobachtung der Einschläge angewiesen und korrigierte danach das Feuer.
Auf dieser geringen Entfernung war dies noch möglich, wenn auch schon schwierig, wenn eine volle Breitseite ins Wasser klatschte und man anhand der Wasserfontänen der Einschläge, den Schußwinkel korrigieren wollte. Man konnte nämlich nicht unterscheiden, welche Fontäne von welchem Geschütz stammte. Gab man Korrekturen an die Artillerie weiter, mußte man der schweren Artillerie andere Werte zuweisen als der Mittelartillerie aber wie wollte man das machen, wenn man nicht wußte, wer wieweit geschossen hatte?
Man kann sich also auch vorstellen, dass bei größeren Gefechtsentfernungen auch das Chaos der Zielerfassung und Zielkorrektur zunahm. Ein mühsames Einschießen der einzelnen Waffensystheme war kaum anzuraten, da man selbst als auch der Gegner sich bewegten und BEIDE schossen.
Hier nun kommt Admiral Sir John Arbuthnot Fisher ins Spiel. "Jacky" Fisher wie er flappsig auch genannt wurde. 1899 übernahm er das Kommando über die britische Mittelmeerflotte. Er setzte die 1898 begonnen Versuche mit der Schiffsartillerie fort und vergrößerte die Kampfdistanz auf immerhin 3.000 Meter. 1903 schließlich schoß man schon auf 8.000 Meter. Aber Treffer waren eher eine Zufallsangelegenheit und es zeigte sich, dass das Feuer durch die Beobachter hoch über den Schiffen in den Marsen sitzenden Beobachtern nur schwer zu korrigieren war und die "ermittelten" , eher geschätzten Daten, viel zu langsam an die Geschütze weitergeleitet wurden. Zwar war Abhilfe schon in Arbeit, aber erst kurz vor dem 1. Weltkrieg hatte man mit den "Fire Director" ein einigermaßen leistungsfähiges Feuerleitgerät.
Ab 1912 erhielten die schweren Geschütztürme schon mal ein eigenes Funkleitgerät, womit sie im Notfall auch noch weiter schießen bzw zielen konnten, wenn das Hauptfeuerleitgerät ausfallen sollte.
Fassen wir bis hierher mal zusammen. Im Grunde waren es die fehlenden Feuerleitgeräte, die zum Bau der "All big gun one calibers Battleships" führten und die mit der Erhöhung der Geschützkaliber einhergehende Erhöhung der Gefechtsentfernung. Das Problem war aber so neu nicht, sondern begann schon in der Zeit des Überganges von den Segelschiffen zu den moderne Dampfschiffen. Sie waren größer, sie waren schneller und sie waren oft stark gepanzert. Das verlangte natürlich nach größeren, schwereren und stärkeren Geschützen. Daneben behielt man für diverse andere Aufgaben noch die Mittelartillerie und die leichte Artillerie und nicht selten noch eine Zwischenartillerie zwischen den Kalibern.
Um nun das Problem der Feuerleitung ohne Feuerleitgeräte zu umgehen, begann man schon in der "Vordreadnought" Zeit (Pre-Dreadnought), die Anzahl der kleineren Geschütze zu reduzieren und die der Hauptbatterien zu erhöhen. Das Ergebnis war das "Einheitslinienschiff" (Schlachtschiff).
Wo eine bestimmte technische Entwicklung stattfindet, verhält es sich wie mit der Evolution in der Natur. Es gibt immer irgendwelche Wege, die in eine Sackgasse führen. Dazu gehörten die sogenannte "Semi- Dreadnought" oder "Halb- Dreadnought" oder, wenn man so will, Dreadnought für Arme. Es handelte sich dabei überwiegend um Kriegsschiffe, die noch vor der eigentlichen "Dreadnougth" vom Stapel liefen oder kurz davor standen. In der Regel hatten sie nur zwei Doppeltürme mit um die 30 cm (30,5 cm = zwölf englische Zoll) und der Rest bestand aus 23 - 24 cm Geschützen. Die Geschwindigkit dieser Schiffe lag bei 18+ Knoten in der Stunde und ihre Verdrängung lag im Schnitt bei 18 bis 19.000 ts. Außer Deutschland besaßen alle großen Marinen solche Semi-Dreadnoughts.
Nach dem langsamen Ende der hölzernen Kriegsschiffe, begann weltweit die Ära der eisernen Panzerschiffe und wie immer, wenn man Neuland betritt, versucht jeder den ultimativen Weg zu finden bzw. eben das ultimative Panzerschiff zu bauen. So chaotisch diese Bauphase war, so chaotsich sahen die Schiffe aus und bei manchen Modellen wunderte man sich, dass sie sogar schwammen. Eine Seeschlacht zwichen diesen Monstren wäre sicher interessant gewesen, fand aber nie statt. Es gab zwar noch Kämpfe zwischen dampfbetriebenen Holzschiffen und auch zwischen Raddampfern und Raddampfern und Segelschiffe, aber keine zwischen 1870 und 1880 Jahre, also der klassischen Panzerschiffbauzeit. Panzerschiffe vor 1870 glichen eher noch den hölzernen Kriegsschiffen aus Nelsons Zeiten und erst 1873 gab es die ersten Panzerschiffe ohne Besegelung, womit die eigentliche Zeit der "Pre-Dreadnoughts" eingeläutet wurde.
Danach, so ab 1890, setzten man dann die im Jahrzehnt davor gemachten Erfahrungen im weiteren Kriegsschiffbau um. Den ersten großen Test wie gelungen diese Entwicklungen (Einheitslinienschiffe) denn nun tatsächlich waren, fand am 27. Mai 1905 in der Seeschlacht bei Tsushima statt. Wobei sich hier besonders die Bedeutung der großen und weit schießenden Kaliber heraus kristalisierte.
Die neuen aufstrebenden Seemächte, wie Deutschland, Japan und die USA, hatten es da besser als die traditionellen, wie England, Frankreich, Russland und Österreich-Ungarn. Die Flotten dieser Staaten waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch mit viel "Schrott" belastet, von dem man sich nur schwer und allmählich trennen konnte, denn erstens hat der Bau dieser nun veralteten Schiffe auch Geld gekostet und der Bau der neuen und modernen würde noch teurer werden. Dashalb wurden ja auch die schon veralteten "Semi-Dreadnughts" fertig gebaut und in Dienst gestellt.

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