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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 298 mal aufgerufen
 Habt ihr das gewusst?
Waldi44 Offline




Beiträge: 500

14.12.2012 15:17
RE: Der Terrorbomber von Schwanheim und sein Denkmal antworten

Krieg ist ansich irrwitzig genug aber der Kult, der um ihn betrieben wird mitunter noch irrer und absurder. Tragikkomisch aber wird es, wenn Opfer ihre "Mörder" ehren, wenngleich der Begriff "Mörder" von mir bewusst in Klammern gesetzt wurde.
So geschen im Mai diesen Jahres in dem Pfälzer Ort Schwanheim. Was bzw. wer wurde dort warum geehrt?
Zitat:"Schwanheim entging knapp einem Inferno, erinnerte Schwarzmüller**. Nur dem Mut des Piloten Tom Wilkinson, der die Maschine noch über die Häuser und der Kirchturmspitze von „St. Hubertus“ zog, war es zu verdanken, dass die brennenden „Short-Stirling EE893“, ein Bomber der Alliierten Luftstreitkräfte, nicht im Dorf abstürzte." (Vier Soldaten kamen ums Leben, drei kamen in Kriegsgefangenschaft.)
Woher kam dieser einzelne Bomber?
"..... ein Unglück(der Absturz), welches sich im zweiten Weltkrieg millionenfach an allen Fronten der Welt ereignete, so der Schwanheimer Ortbürgermeister Herbert Schwarzmüller bei der Einweihung eines Gedenksteins,..."
Immerhin:"Jedoch sollte auch nicht die Ursache des Fluges vergessen werden. Das Ziel der Bomber seien die Fabriken in Ludwigshafen und Mannheim gewesen. Nicht vergessen seien auch die vielen Opfer des Angriffs auf deren Privathäuser die Bomben einschlugen....."
Wie wahr, aber es geht auch noch konkreter:
In der Nacht vom 5.(Sonntag) auf den 6. September 1943 erlebte Mannheim einer schweren britischen Bombenangriff. Dabei wurde von 605 britischen Langstreckenbombern 150 Luftminen, 2.000 Sprengbomben, 350.000 Stabbomben und 5.000 Phosphorbomben abgeworfen. Die zivielen Opfer hielten sich dank des konsequentenluftschutzkonzeptes der Stadt in überschaubaren und vergleichsweise niedrigen Grenzen. "Nur" 128 Tote und 580 Verletzte waren zu beklagen aber über 5.000 Wohngebäude wurden zerstört. Die deutsche Flak schoss 34 angreifende Bomber ab. Einer davon war die „Short-Stirling EE893“ mit dem "Helden von Schwanheim": Tom Wilkinson als Piloten.
Worin nun genau bestand denn damals die Heldentat des Piloten Wilkinson?
Meines Erachtens gab es keine, jedenfalls keine, die einer besonderen Ehrung bedurfte, es sein denn, man wollte das fliegerische Geschick eines zur Notlandung gezwungenen alliierten Bomberpiloten ehren. Was bitte blieb dem Piloten angesichts der offensichtlichen Notlage anderes übrig, als seine Maschine hochzuziehen um über die Häuser der Ortschaft zu "springen"? Sollte er in sie reinkrachen? Angesichts des Pfälzer Waldes gab es darüber hinaus kaum Landemöglichkeiten für ein so grosses Flugzeug. Drei Möglichkeiten boten sich dem Piloten: Rein in die Bäume des Pfälzer Waldes, rein in die Häuser von Schwanheim oder der Versuch auf dem Hang hinter dem Ort zu landen. Die beiden ersten Möglichkeiten hätten sicherlich tödlich geendet.
Die Maschine befand sich im Absturtz. Warum man nicht schon vorher abgesprungen war weiss ich nicht, vielleicht hoffte man ja doch noch irgendwie zurück fliegen zu können.
Für Schwanheim (heute rund 600 Einwohner) war das fliegerische Geschick von Tom Wilkinson sicherlich ein Glücksfall aber wie der Schwanheimer Ortbürgermeister Herbert Schwarzmüller richtig bemerkte:"...ein Unglück(der Absturz), welches sich im zweiten Weltkrieg millionenfach an allen Fronten der Welt ereignete...". Sicher gab es auch ettliche deutsche "Bruchpiloten", die ebenso "heldenhaft" den Zusammenstoss mit britischen, französischen oder russischen Gebäuden verhindert haben um nicht mit ihrer maladen Maschine gänzlich an ihnen zu zerschellen. Wer setzt ihnen einen Gedenkstein?
Die Briten wohl eher nicht, haben sie doch erst neulich ein Denkmal für ihre Bomberpiloten enthüllt, nachdem deren Chef sein Denkmal schon vor einigen Jahren erhielt - Bomberharris, der Chef von Tom Wilkinson.
Die Begründung für diesen Gedenkstein, ist ja die, dass durch das mutige Handeln von Tom Wilkinson das Dorf und damit vermutlich auch viele Menschenleben gerettet wurden. Warum aber, diese Frage sei erlaubt, sollte sich Wilkinson um das kleine deutsche Dorf und seine Einwohner scheren, wenn er doch vor kurzem noch Bomben über einer deutschen Grosstadt ausgeklingt hatte und mitleidlos das Leben von vielleicht tausenden Menschen ausradieren wollte? Sein eigenes Leben und vielleicht noch das seiner noch lebenden Besatzungsmitglieder galt es zu retten und das war auch als Soldat sein legitimes Recht. Doch daraus eine ehrwürdige Heldentat zu konstruieren ist schon etwas weit hergeholt. Den anwesenden Ehrengästen, Dorfbewohnern und Hobbyhistorikern schien das egal zu sein. Lediglich zwei Mitglieder der NPD zeigten ihren Unmut über diese Art der Heldenverehrung - nunja, ob IHRE Art die bessere ist??
Jedenfalls kann man wenigstens dem Motto der Veranstaltung vorbehaltlos zustimmen:"Für Frieden und Völkerverständigung"!

* Arbeitsgruppe Vermisstenforschung um Uwe Benkel
** Schwanheimer Ortbürgermeister

Schwanheimcrash
Gedenkstein von Schwanheim

Ps: Aufmerksam auf dieses Ereignis wurde ich durch einen Beitrag in der "DMZ" Nr 91

Waldi44 Offline




Beiträge: 500

25.11.2013 13:31
#2 RE: Der Terrorbomber von Schwanheim und sein Denkmal antworten

Auf meiner privaten HP Meine private HP fand ich folgenden Beitrag, den ich hiermit, passend zum Thema, ins Geschichtsforum stellen möchte. Ich bekommen schon öfter mal Mails oder verschiedene Kommentare zu meinen Beiträgen aber IMMER oder fast Immer außerhalb dieses Forums. Nun, wie dem auch sein, so erkenne ich daran und auch an den täglichen Besucherzahlen, dass meine Beiträge doch nicht ohne Beachtung bleiben. Zwar nicht immer nur Lob aber hin und wieder doch schon mal.
Leider klappt das mit der blöden Mailerei über Outlook und dem ganzen anderen Zeug, außer T-Online, irgendwie nicht!

Hallo "waldi44"
Wie sie aus meinem Namen ableiten können bin ich eriner der Initiatoren, des Gedenksteines für die Besatzung bzw. deren Angehörigen der EE893. Ich habe mit großer Aufmerksamkeit ihren Artikel "Der Terrorbomber von Schwanheim und sein Denkmal" gelesen. Mir ist es wichtig ihnen mitzuteilen, das weder ich noch meine Freunde, Kollegen oder an der Aktion beteiligten von einem Ehren-Denkmal sprechen oder je gesprochen haben. Ich und meine Mitstreiter sehen darin eine Gedenkstein als Mahnmal für die Grausamkeiten des Krieges. Aber auch als wichtigen Anlaufpunkt vor allem für die Angehörigen. Aus meiner eigenen Biographie kann ich nachempfinden, welche Wichtigkeit solche Orte und auch die Zeremonie an sich haben.
Als Nchkommen von Gefallenen trät man einen Teil der Kriegsgeschichte in sich und macht sich (zumindest einige der Menschen) seine Gedanken.

Man sucht nach den Wurzeln und bleibt einfach unweigerlich am Krieg hängen. Fragen werfen sich auf und so manchen drängt es nach Antworten.
Für die Angehörigen der Besatzung gilt das genauso wie für die Augenzeugen und auch Zeitzeugen dieser Nacht in Ludwigshafen/ Mannheim.
Den meisten geht es darum ein Stück Frieden für ihre Vergangenheit zu finden. Ich kann ihnen mindestens drei Augenzeugen namentlich nennen, die genau das mit unserer Aktion gefunden haben. Ich kann ihnen namentlich eine Frau nennen, die in dieser Nacht (sie war damals 7 jahre) im Keller in Lu. ihren 6 jährigen Freund und dessen 9 Monate alte Schwester durch die Bombem verlohren hat; Ich kann ihnen weiter Einzelschicksale nennen die die gleich Aussage haben.

Eindrucksvoller wird es noch, wenn man sich mit den Angehörigen (leibliche Kinder und Enkel) der Besatzung unterhält. Eine Frau bekommt mit 70 Jahren einen Vater und dessern Famile "geschenkt"; Die Kinder eines deutschen Piloten und eines neuseeländischen Besatzungsmitgliedes Treffen sich und vergießen gemeinsam Tränen über ihre Väter, sie gehen als echte Freunde auseinander, Eine andere Tochter bekommt nach 70 Jahren wieder Kontakt zu ihrer väterlichen Familie; Die Kinder eines Besatzungsmigliedes können 19 Tage des Lebens ihrers Vaters mit Erinnerungen füllen, Er hatte damals wegen seiner Verletzungen wohl überlebt aber die 19 Tage im Koma verbracht; Anaußerdem können sie das persönliche Hab und Gute (mit sehr hohem Symbolgehalt) wieder in den Besitz der Familie mitnehmen; Die Enkel haben Gewissheit wo ihr Opa verstorben ist oder knapp überlebt hat; Sie haben die Mglichkeit diesen Ort zu besuchen; Andere machten sich zur letzten Ruhestätte auf dem Soldatenfriedhof in Mühlberg auf oder besuchten die Gedenkstätte des Gefangenelagers, in dem ihr Vater einst unter menschenunwürdigen Verhältnissen (auch unter der Leitung der Roten Armee) ums bloße Überleben kämpften.

Es gäbe noch veiles was ich ihnen erzählen könnte. Eine Aussage möchte ich dadurch verdeutlichen. Wer hier von Ehren-Denkmal oder Verehrung der Besatzung spricht, hat aus meiner sicht nicht verstanden, was hier geschehen ist. Und schon garnicht verstanden , was heute, 70 Jharen danach passiert ist.
Ich weis das die neuseeländische Presse von Heldentum des Piloten geschrieben hat, dies hat auch bei uns einen Diskussion ausgelöst in der wie uns deutlich davon Abgrenzen.

Ich möchte ihnen auch mitteilen, das ich, wie sie auch der Meinung bin, das Niemand mit Gewisseheit sagen kann, was Tom Willinson damlas zu dem Hochziehen der Maschine bewegt hat. Aus bisherigen Überlieferungen der Überlebenden hat sich in den letzten 2 Minuten eine Tragödie im Flugzeug abgespielt. Als die Männer einfach in Todesangst nur versucht haben zu überleben.

Wir wissen dass sich ein Überlebender 1968 (Vater von drei Kindern) das Leben genommen hat, weil er einem Kameraden von der EE893 nicht mehr helfen konnte. In seinem Abschiedsbrief hat er dies zum Ausdruck gebracht und es war auch ein Foto des Kameraden dabei. Dieser Teil der Tragödie wurde auch von einem anderen Überlebenden so bestätigt.

Sei es wie es ist, wenn man schon von "Irrwitz" reden möchte, dann bitte im Hinblick darauf, welche Kapriolen das Leben spielen kann. Oder in Bezug darauf, wieviele Zufälle zusammen kommen müssen, um ein Geschehen wie diese zu erleben/ überleben und aufarbeiten zu können. Oder aber irrwitzig ist, wie sich Menschen von Feinden zu Freunden entwickeln können.

Nur zur Vollständigkeit, auch diese Soldaten waren Gefangene ihres Systems. Hatten sie eine realistische Wahl, nicht die Befehle der Oberen auszuführen? Würden wir, die wir uns als aufgeklärte und wissende Generation verstehen, in der gleichen Zwickmühle sitzend anderes verhalten?

Meine Auffassung ist: Fairerweise müssen wir uns eingestehen, dass wir Krieg noch nicht erlebt haben, und fairerweise dürfen wir uns kein Urteil darüber erlauben, dass sich die die Männer damals "falsch" entschieden haben.
Vielmehr ist es unsere Verantwortung, wohl kritisch aber versöhnlich uns damit ausaienander zusetzten.

Falls sie dazu mehr wissen wollen oder mir antworten wollen, stehe ich ihnen gerne zur Vervügung. Meine Mailadresse haben sie ja.

Mit friedliche Grüßen. Ro. Götz

Waldi44 Offline




Beiträge: 500

25.11.2013 13:41
#3 RE: Der Terrorbomber von Schwanheim und sein Denkmal antworten

Hallo Herr Götz und nochmals vielen Dank für ihren Beitrag.
Wie Sie meiner ersten Ausführung im ersten Beitrag entnehmen können bin ich durch die "DMZ" auf die damaligen Ereignisse in Schwanheim aufmerksam geworden und diese Zeitschrift hat eine eher "patriotische" Einstellung zu den Geschichtsereignissen.
Ich finde es durchaus nicht schlecht, wenn auf Bürgerinitiative solche " Gedenkstein als Mahnmal für die Grausamkeiten des Krieges" errichten. Manche, wie besagte DMZ nehmen es da eben nicht ganz so genau und formulieren das dann in eine "Ehrenmal" um zum Gedenken an die britischen Terrorbomber.
Schön, dass das von ihnen richtiggestellt wurde und ich denke, ihren Beitrag in meinen Geschichtsforum zu veröffentlichen, liegt auch in ihrem Interesse und dem ihrer Mitstreiter und findet ihre Zustimmung!

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