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 Türkei - Naher Osten
Waldi44 Offline




Beiträge: 500

18.05.2016 18:12
Die türkische Armee 1914/15 antworten

Der letzte Balkankrieg hatte die türkische Armee nicht nur militärisch geschwächt, sondern sie auch noch vieler schwerer Waffen beraubt und sie weltweit in einem schlechten Licht erscheinen Lassen. Eine geschlagene Armee passend zum "Kranken Mann am Bosporus"! Gleichzeitig erkannten die Türken, dass sie von innen heraus wohl nicht fähig waren, ihre desolaten Streitkräfte schnell zu regenerieren und vor allem zu reformieren! Deshalb riefen sie französische, englische und deutsche Fachkräfte ins Land. Die Franzosen widmeten sich der Polizei, die Briten der Marine und die Deutschen dem Heer.
Am 22.05.1913, also noch vor dem vertraglichen Ende des 2. Balkankrieges (10.8.1913 Vertrag von Bukarest), beantragten die "revolutionären Jungtürken" die Entsendung einer neuen deutschen Militärmission. Schon von 1835 bis 1839 führte der damalige Hauptmann von Moltke eine Militärmission mit acht Offizieren und sechzehn Unteroffizieren. Später wurden den Türken um 1885 500 schwere und schwerste Krupp-Geschütze geliefert, während Fachleute der Firma Krupp die alten Befestigungen der Çatalca-Linie westlich von Konstantinopel auf den modernsten technischen Stand brachten. 1886 setzte von der Goltz einen Auftrag für eine Torpedoboot-Flottille durch, die in Elbing gebaut wurde, und man setzte die Neubewaffnung des türkischen Heeres mit 500.000 Gewehren und 50.000 modernen Karabinern von Mauser und Loewe durch.
Von der Goltz, der mit dem Großwesir und dem Finanzminister in einer (türkischen) Kommission zur Geldbeschaffung für die Rüstung tätig war, nutzte die ihm zur Verfügung stehende Summe von 30.000 Mark für das nötige Bakschisch (Geschenk, Bestechung) um obige Vorhaben durchzusetzen. Er selbst blieb unbestechlich: „Sie haben es gut gemeint, aber ein preußischer Offizier nimmt keine Trinkgelder!“. Außerdem konnte er den Sultan davon überzeugen, ausgewählte Offiziere nach Deutschland zur Fortbildung zu schicken, was sich sehr deutschlandfreundlich auf das türkische Offizierskorps auswirkte. Von der Goltz traf am 12. Dezember 1914, nach einem kurzen Amt als Generalgouverneur von Belgien, als militärischer Berater des Sultans in der Türkei ein. Später übernahm er das Oberkommando über die 5. dann 1. und letztlich 6. Armee und besiegte mit ihr die Briten in Persien.
Goltz starb am 19. April 1916 in seinem Hauptquartier in Bagdad.
Die enge Zusammenarbeit der deutschen Militärmission und die Übertragung weitreichender Vollmachten, brachte natürlich Franzosen und Briten, die ebenfalls an der türkischen Reformarbeit (Polizei/Marine) beteiligt waren (vor dem Krieg) gegen die Deutschen auf. Immerhin bekam General Liman von Sanders nicht nur das Kommando über die 1. in Konstantinopel stationierte Armee, sondern wurde auch Mitglied des Obersten Kriegsrates, Chef aller Militärschulen, erhielt das Besichtigungsrecht aller türkischen Armeeeinheiten und Befestigungen und die Strafgewalt eines kommandierenden Generals.
Die Lösung dieses Problems bestand schließlich darin, dass von Sanders zum türkischen Marschall und zum kommandierenden General der Kavallerie befördert wurde und den Titel eines Generalinspekteurs erhielt.
Die Meinung Moltkes (1906 bis 14. September 1914 Chef des Großen Generalstabes.), schätzte am 13.03.1914 die türkische Armee wie folgt ein:
"Die Türkei ist militärisch eine Null! Die Berichte unserer Militärmission (Liman v. Sanders) lauten geradezu trostlos. Die Armee ist in einer Verfassung, die jeder Beschreibung spottet...............Unsere Militärmission gleicht einem Ärztekollegium, das am Sterbebett eines Todkranken steht."
Als aber der Krieg vor der Tür stand, änderte sich die Meinung schlagartig. Die Militärmission meldete nach dem Attentat in Sarajevo (28.06.1914), die Türken könnten im Kriegsfall 4-5 gute, voll ausgerüstete und voll einsatzfähige Armeekorps ins Feld führen und dass sie "zum Kampf mit europäischen Gegnern im Allgemeinen geeignet war." Natürlich erweckte das im deutschen Generalstab gewisse Hoffnungen und Erwartungen hinsichtlich der Operationen gegen die russische Südflanke, Persien und dem Suezkanal.
Übersehen wurde dabei aber, dass die Türkei die damals rund 22 Millionen Einwohnern und der 3 1/2 fachen Fläche des Deutschen Kaiserreiches hatte, eine 11.000 Km lange besaß, an der die Briten und Russen standen und im Innern viele den Türken nicht wohlgesonnene Völker, wie die Araber und Armenier!
Interessant in diesem Zusammenhang war dann, dass die federführenden Jungtürken zwar den Deutschen ein Militärbündnis anboten aber das Kaiserreich durchaus nicht die erste Wahl war! Man sah sich um in der Welt und stellte fest: Keiner wollte sie bzw alle wollten etwas von ihnen, nämlich am besten die Zerschlagung und Aufteilung der Türkei. Nur das deutsche Kaiserreich nicht, zumindest solange die Türkei noch bestand. Für den Fall, dass man (England, Frankreich und Russland) sie doch zerschlagen und aufteilen würde, hatte Wilhelm II. auch seine Pläne:" Also Achtung, aufgfepaßt, daß die Aufteilung nicht ohne uns gemacht wird. Ich nehme Mesopotamien, Alexandrette, Mersin."
Das Militärbündnis das dann zustande kam, verpflichteten den jeweiligen Partner nicht zwangsläufig im Kriegsfall ebenfalls in den Krieg einzutreten. Im Falle der Türkei bedurfte es noch einiger kleiner "Anstubser"! Zum einen machten die Alliierten kein lukratives Angebot, wie zuvor an die Italiener und später den Rumänen. Im Gegenteil: Die Brieten beschlagnahmten türkisches Eigentum, nämlich zwei fertige und bezahlte Schlachtschiffe. Das erste war die von Brasilien in Auftrag gegebene ex Rio de Janero als türkische Sultan Osman I. (Schlachtschiff mit 7 (!) 30,5 cm-Doppeltürmen) dass dann in HMS Agincourt umgetauft und die Reshadije, die den Namen HMS Erin erhielt . Am 3. August 1914 sollte die türkische Besatzung die Reshadije übernehmen. Eine Stunde vorher wurden sie aber von britischen Truppen besetzt und von der Royal Navy beschlagnahmt. Die türkische Besatzung, die wurde interniert.
Den zweiten "Anstubser" gaben schließlich die "Goeben" und die "Breslau" mit ihrem Durchbruch nach Konstantinopel und dem symbolischen Verkauf an die türkische Marine samt Besatzung, die fortan unter türkischer Flagge und mit dem Türkenfes auf dem Kopf fuhr!

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