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 Westfront
Waldi44 Offline




Beiträge: 503

13.08.2014 15:37
Hunnen über London antworten

Zu Kriegsbeginn verfügte Deutschland über 6 (unterschiedliche Quellen = unterschiedliche Zahlen) Zeppelin Luftschiffe (Z4-9), 1 Schütte Lanz Luftschiff (SL2), beim Luftschiffbataillon 2 ein so genanntes
Militär Luftschiff (M4), ein Parseval Luftschiff (PIV) sowie 3 Zeppelin Luftschiffe der Deutschen Luftschiffarts AG (Delag), (Viktoria Luise), Hansa und Sachsen. Allerdings kam nur die "Sachsen" für
militärische Einsätzte zur Verwendung. 4 dieser Schiffe kamen in den Westen, drei in den Osten und zwei befanden sich bei Kriegsausbruch noch in der Abnahme.
Insgesamt wurden für Heer und Marine des Kaiserreichs zwischen 1914 und 1918 123 Luftschiffe in Dienst gestellt. Davon stammten 101 aus den Zeppelin-Werken. Schätzungsweise hatten die Zeppeline über
5.000 Einsätze geflogen.
Da aber schon gut ein Jahr vor Kriegsbeginn die Frage der Bauart der Luftschiffe zugunsten der Starrluftschiffe (Zeppeline) gefallen war und man seitens der deutschen Heeresleitung und auch des Kaisers
den Zeppelinen eine große Bedeutung für den Kriegseinsatz zusprach, wurde schon frühzeitig eine größere Zahl von Starrluftschiffen für den militärischen Einsatz geordert. Dennoch dauerte es noch 9
Monate, ehe tatsächlich der Stand erreicht wurde, wie man ihn schon zu Kriegsbeginn angestrebt hatte.
Am 23. Sept. schließlich 1916 befanden sich 12 deutsche Kriegsluftschiffe auf einer Feindfahrt nach England. Durch den normalen Funkverkehr erfuhr der britische Marinenachrichtendienst in der Whitehall
Room 40 von dem bevorstehenden Luftangriff. Da die Deutschen kurz vorher ihren Signalcode äderten, den die Briten erbeutet hatten, konnte man nur mutmaßen, wann und wo genau mit welchen Kräften der
Angriff stattfinden sollte. Jedenfalls hatte man genug Information um einen allgemeinen Luftalarm auszulösen.
Bereits am 31. Mai 1915 griff das Heeresluftschiff "LZ 38" unter dem Kommando von Major Erich Linnarz kurz nach Sonnenaufgang die britische Hauptstadt an und warf einige Bomben ab.
Tatsächlich gab es schon damals eine aktive Luftverteidigung. Sie bestand swowohl aus Jagtflugzeugen, als auch Geschütz- und Scheinwerferbatterien- entlang der Küste und den Ballungsgebieten. Darüber
hinaus galt in ganz Großbritannien ein striktes Verdunkelungsgebot. Bis zu diesem Zeitpunkt waren den Bombenangriffen der Zeppeline 413 Menschen zum Opfer gefallen. 113 davon allein in London. Da die
Bomben wahl- und weitestgehend auch ziellos abgeworfen wurden, galten die Luftschiffer bei den Briten als "Hunnen", "Barbaren" und "Kindermörder".
Drei der größten und modernsten Luftschiffe waren für einen Angriff auf London vorgesehen.
L 31 Einsatzbereich:Marine Volumen:55.200 m³ Erstfahrt:12.7.1916
L 32 Einsatzbereich:Marine Volumen:55.200 m³ Erstfahrt:08.8.1916
L 33 Einsatzbereich:Marine Volumen:55.200 m³ Erstfahrt:30.8.1916
Die Besatzungen dieser Luftschiffe rekrutierte sich aus freiwilligen der Marine. Schließlich hadelte es sich ja, im Gegenstz zu den Heeres Luftschiffen, um Marine Luftschiffe. Die für den Angriff auf
London vorgesehenen Luftschiffe fuhren (Luftschiffe fahren im "Luftmeer" ähnlich wie Seeschiffe im Wassermeer), in 1.700 Meter Höhe und mit einer Geschwindigkeit von 80 Km/h. Die Höhe erbrachten 19 mit
Wasserstoff gefüllte Gaszellen. Diese reichten aus um 70 Tonnen in die Luft zu heben. Das 198 Meter lange im Durchmesser 23,9 Meter messende Luftschiff wog 40 Tonnen, so daß eine Nutzlast von 25- 30 (je
nach Temperatur und Luftdruck) Tonnen blieb. 20 Mann a 79 Kg , 6,6 Tonnen Benzin in 30 Alutanks. 600 Liter Schmieröl, 450 Kg Waffen und Munition und schließlich noch 10 Tonnen Ballastwasser mußten von
der Bombenzuladung abgezogen werden.
Der Bombenschacht dieser Schiffe befand sich mittschiffs. In ihm lagen pro Schiff: vier 6 Zentner (zus. 300 Kg) Bomben, 40 Sprengbomben a 58 Kg und 60 Brandbomben zu je 11 Kg und die 6,6 Tonnen Benzin
reichten für 21 Stunden Fahrt.
Über Belgien fahrend erreichten die Luftschiffe in der Abenddämmerung die Kanalküste. Nach Einbruch der Dunkelheit trennen sich die Schiffe und jedes nimmt für sich Kurs West.
L33 unter Kapitänleutnant der Reserve Alois Böcker nahm direkten Kurs auf London. Schon an der Themsemündung wird sein Luftschiff von feindlichen Zerstörern beschossen. Dann überfährt er die schweren
Geschützbatterien östlich von London. Um die auf Sicht feuernden Gegner zu blenden, wirft er zwei mal an Fallschirmen schwebende Magnesiumfackeln ab und läßt Ballast ab. Obwohl er danach auf über 3.900
Meter Höhe stieg, verstummte das feindliche Feuer nicht.
Dann entschließt er sich, seine Bomben abzuwerfen. Wo genau wußte er nicht. Er wußte nur, dass er sich irgendwo über Osten Londons befand. Er traf mit seinen Bomben unter anderem ein Holz- und ein
Öllager. Beide brannten lichterloh. Aber auch um das Luftschiff wurde es taghell. 30 Scheinwerfer und mehr hielten das Luftschiff in ihren Lichtkegeln fest. Die Gaszellen wurden von den Splittern der
Nahtreffer förmlich durchsiebt ohne aber in Brand zu geraten. Eigentlich ein Unding aber so war es eben....
Danach wurde das angeschlagene Luftschiff noch von britischen Flugzeugen mit 76mm Leuchspuhrmunition und Sprengpatronen beschossen. Die Benzintaks wurden getroffen und liefen aus. Die MG Schützen des
Zeppelin ihrerseits wagten es nicht zurück zu schießen. Die Angst die Benzindämpfe und das allgegenwertige Gas zu entzünden war zu gross.
Wie durch ein Wunder überlebten alle das Inferno und L33 konnte den Ort des Geschehens verlassen. Aber aus dem einstmals stolzen Luftschiff war ein tödlich angeschlagenes Wrack geworden, dass schnell an
Höhe verlor und innerhalb von nur vier Minuten um 900 Meter sank.
Alles was nicht niet- und nagelfest war flog über Bord. Ein ähnliches Verhalten wie auf einem sinkenden Wasserschiff. Dem Segelmacher(!) und seinen Gehilfen gelingt es nicht die vielen Löcher in den
Gaszellen zu stopfen. Um 1:30 wird der letzte Funkspruch abgesetzt ehe auch das Funkgerät über Bord fliegt. Um es kurz zu machen, das Luftschiff "strandete" und die 22 köpfige Beatzung überlebte und
setze dann die Reste von L33 eigenhändig in Brand.
Die Hoffnung die Küste zu erreichen und vielleicht per Boot über die Nordsee die deutsche Küste, zerschlug sich schnell und endete in einem britischen Kriegsgefangenenlager.
Nun waren es noch zwei...
Diese beiden Zeppeline hatten einen westsüdwestliche Kurs eingeschlagen. Um 10:45 Uhr erreichten sie Dungeness Point, eine Landspitze mit Kiesstrand im Gebiet der Romney Marsh in Kent, Südengland. Von dort
steuerten sie London an. L31, das Führungsschiff der kleinen Gruppe wurde von dem erfahrenen (3 Dienstjahre bei den Luftschiffen, vormals Torpedobootskommandant.) Kapitänleutnant Heinrich Mathy (Geboren
4. April 1883 in Mannheim) befehligt.
Dieser hatte mit der Bombardierung Londons schon einige Erfahrung sammeln können. Bei seinem ersten Angriff auf London blieb es zwar nur bei dem Versuch, schlechtes Wetter zwang ihn zur Umkehr. Am 8.
September 1915, fuhr er mit L13, einen neuerlichen Angriff gegen London und verursachte durch eine von ihm ausgelöste Feuersbrunst im Stadtzentrum großen Schaden von etwa 500.000 Pfund (10 Millionen
Goldmark). Außerdem fanden 22 Zivilisten und 1 Pilot eines Anfangjägers den Tod. Dutzende weitere Menschen wurden mehr oder weniger schwer verletzt, sowie zwei der berühmten Londoner Doppeldeckerbusse
zerstört.
In der Nacht vom 24./25. August 1916, attackierte er wieder mit L31 London. L31 wurde bei der Landung nach diesem Einsatz beschädigt und mußte repariert werden.
All diese Angriffe führten bei ihm zu der Auffassung, die Luftverteidigung südlich von London sei der schwächste Punkt dieser Verteidigung. Daher näherten sich beide Schiffe von Süden her der englischen
Hauptstadt.
Die Außentemperaturen, für die Tragfähigkeit und somit auch Flughöhe eines Zeppelins von großer Wichtigkeit, betrug in der Flughöhe von L31, 3.300 Meter, 4 Grad Celsiuns. Um größere Flughöhe zu
erreichen war es zu warm und man sah sich gezwungen den Zeppelin zu leichtern. Zwei Benzintaks gingen von Bord und vier der 60Kg Bomben wurden auf den Leuchtturm von Dungeness abgeworfen, den sie jedoch
verfehlten. Auch einige MG's nebst Munition gingen über Bord. L31 war unterdessen vermutlich wegen Motorenprobleme schon weit zurück geblieben, währen L31 unverzagt gen London fuhr...denn wir faaaahren,
denn wir faaahren, denn wir fahren gegen Engeland.... ach nee, das war dann wohl etwas später ;)!
L31 folgt einer der Haupteisenbahnlinien, die wie die Fäden eines Spinnenetzes alle auf London zu liefen. Darüber hinaus konnte er auch schon die von L33 entfachten Brände in der Stadt erkennen. 0:20
Uhr befindet sich L31 über Croydon. Croydon liegt im Süden von London und ist der bevölkerungsreichste aller Stadtbezirke und war/ist ein wichtiges Industriegebiet für die Metallbearbeitung (heute auch
Automobilbau). Die meisten der Bomben fallen in die Arbeiterwohnviertel südlich der Themse.
Nachdem die vier Tonnen Bomben das Schiff verlassen hatten, stieg es auf 4.000 Meter und mit der Höchstgeschwindigkeit von 104 Km/h fuhr L31 nach Norden. Bodennebel verdeckte ihn vor den dortigen
schweren Luftabwehrgeschützen. Bei Great Yarmouth erreichte er mit seinem Schiff um 02:15 die Küste und somit die offene See. Sein Mut und sein können fanden in den Akten der Home Forces seinen
Niederschlag aber auch die Wut darüber, dass er so schadlos entkommen war......
Nun war es nur noch einer....
Das Ende von L32 kam schnell. Werner Peterson, Kommandant von L32 hatte hiner Mathy etwa eine Stunde Verspätung. Man vermutete wegen Motorschaden. Irgendwie war er auch vom Kurs abgekommen und erreichte
die Themse etwas 12 zwölf Meilen östlich von London. Die durch die vorherigen Angriffe gewarnte Luftabwehr hatte L32 sofort im Visier ihrer Scheinwerfer und Flakgechütze. Vermutlich waren die
Jagdflugzeuge ohnehin schon oder noch im Luftraum über London. Anders als L33 fing L32 sofort Feuer. Zwar konnte man noch seine Bomben ziellos abwerfen aber das Schicksal des Luftschiffes und seiner
Beatzung war besiegelt.
Kometengleich mit feurigem Schweif stürtzte der Zeppelin aus 3.900 Meter Höhe ab. Bei Little Burstead, Essex, nordöstlich von London krachte das glühende Wrack zu Boden. Die Überreste von 21
Besatzungsmitgliedern fand man in den zertrümmerten Überresten der Gondeln. Nur die Leiche von Leutnant z.See Karl Brodrück fand man weiter entfernt vom Wrack. Er war lieber in den sicheren Tod
gesprungen, als lebendig zu verbrennen. Die Besatzung wurde zunächst in Burstead begraben, bis ihre sterblichen Überreste umgebettet wurden. Zusammen mit den Besatzungen von SL11, L31 und L48, fanden
sie auf dem Friedhof Cannock Chase in den 1960er Jahren ihre letzte Ruhestätte.
Aber auch dem vermeintlichen Glückspilz Mathy ereilte nur wenige Wochen nach seinem Sieg das Schicksal. Am 1. Oktober 1916 kommandierte Mathy L31 auf seiner letzte Mission - ein Bombenangriff auf
London. Während dieses Angriffs wurde sein Luftschiff von 2nd Lieutenant Wulfstan Tempest (Royal Flying Corps) in einem BE2c Flugzeug angegriffen. Er landete einige Treffer. Diese entzündeten das Gas im
Luftschiff, das in Flammen, wie L32 am Hadley Wood, in der Nähe von Potters Bar (nördlich von London), zu Boden ging. Auch Mathy soll aus dem brennenden Schiff gesprungen sein. Sicher hatte er sich
schon lanmge vorher über genau diesen Moment gedanken gemacht, denn:"...Unsere Nerven sind durch Misshandlung ruiniert. Wenn jemand sagen sollte, dass er nicht durch Visionen von brennenden Luftschiffe
verfolgt wurde, dann wäre er ein Aufschneider."

Quellen
Deutsche Marineluftschiffe 1912-1918, Douglas H. Robinson
Unsere Luftstreitkräfte 1914-1918, Vaterländischer Verlag 1930, Berlin

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