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 Allgemeines zu den Kriegsereignissen
Waldi44 Offline




Beiträge: 504

28.07.2014 13:27
Die Geheimverträge der Entente antworten

Als Hindenburg und Ludendorff die Reichsregierung ultimativ aufforderten auf der Grundlage der vierzehn Punkte von Wilson Waffenstillstandsbedingungen auszuhandeln, verhielten sich die Westmächte
erstaunlich zögerlich und man erhielt als Antwort immer neue Veränderungen und Forderungen zu den vierzehn Punkten. Als dann die Verhandlungen endlich stattfanden, war vom ursprünglichen Inhalt der
vierzehn Punkten wenig geblieben.
Die Alliierten hatten mehr Mühe untereinander einen Verhandlungsstandpunkt gegenüber den Besiegten zu finden als mit den Verlieren des Krieges zu verhandeln. Der Krieg und die gemeinsamen
Kriegsanstrengungen hatten diverse Meinungsverschiedenheiten unter "dem Deckel" gehalten. Nun war der Krieg vorbei und das Gerangel um die Beute begann. Das erste Opfer war Wilson und seine 14 Punkte.
Was Wilson erst bei Verhandlungsbeginn erfuhr, war die Existenz verschiedener bereits 1916 abgeschlossene Geheimverträge.
Zuerst war da der Londoner Vertrag vom 26. April 1916. In diesem Vertrag wurden dem bisher neutralen Italien Gebietsgewinne an seinen nördlichen und nordöstlichen Grenzen auf Kosten Österreich Ungarn
versprochen. Eine Forderung der Irredentisten! Versprochen wurde ihnen das Trentino und Südtirol bis zum Brenner. Triest, die Markgrafschaften Görz und Volosca, Istrien und große Teile Dalmatiens sowie
etliche nordadriatischen Inseln. Nicht versprochen wurde ihnen Fiume (Rijeka um das es dann mit dem Königreich Serbien auch prompt zu schweren Rangeleien kam). Aber die volle Souveränität über die
Inselgruppe des Dodekanes. Eine griechische Inselgruppe im östlichen Mittelmeer, die im Rahmen des Vertrages von Lausanne 1923 von der Türkei an Italien abgetreten wurde und bis 1943 „Italienische
Ägäis-Inseln“ hieß.
Des weiteren wurde ihnen ein angemessener Anteil an der Beute des noch zu zerschlagenen Osmanischen Reiches versprochen. Genaues wurde dann im Vertrag von Sèvres im Jahre 1920 formell geregelt und
besiegelt.
Der zweite Geheimvertrag, benannt nach dem britischen Unterhändlern Sir Mark Sykes und dem französischen Diplomaten Georges Picot (französischer Generalkonsul in Beirut), Sykes-Picot-Abkommen, legte die
territoriale Aufteilung des Osmanischen Reiches fest. Danach erhielt Frankreich Syrien und den Libanon und eine Einflusszone um das ölreiche Mosul. England bekam Bagdad und Basra und die angrenzenden
Gebiete, sowie die am Mittelmeer gelegenen Städte Akko und Jaffa. Das Schicksal des übrigen Palästina blieb offen. Es wurde unter internationale Verwaltung gestellt. Von einem arabischen Staat, wie man
ihn den Arabern versprochen hatte, wenn sie sich gegen die Türken erhoben, war nirgendwo die Rede (Lawrence von Arabien). Dieses Abkommen trat am 16. Mai 1916 offiziell in Kraft.
Ähnliche Geheimverträge gab es seit 1916 auch mit Rumänien und seit 1917 mit Griechenland. Pikanter weise wurde die Existenz dieser Verträge erst bekannt, als die siegreichen Bolschewiken die
zaristischen Archive sichteten.
Rumänien wurde im Geheimvertrag mit der Entente vom 17. August 1916 die Annexion Siebenbürgens, der Bukowina und des Banats, die alle mehrheitlich rumänisch besiedelte waren aus der Erbmasse
Österreich-Ungarischer zugesagt (unvereinbar mit dem Selbstbestimmungsrecht der Völker). Daraufhin erklärte Rumänien Österreich-Ungarn am 27. August 1916 den Krieg.
Genau genommen wurden die Amerikaner und Wilson vor vollendete Tatsachen gestellt. Sie durften für die Franzosen und Engländer den Krieg gewinnen und wurden dann bei den Verhandlungen faktisch kalt
gestellt.
Aber immerhin hatten die Amerikaner durch den Sieg ihre Kriegskredite gerettet....
Die Verbündeten England, Frankreich und Russland hatte für das Kriegsende schon lange vor diesem, rein machtpolitische Entscheidungen aus rein nationalen Interessen getroffen, die mit dem
Selbstbestimmungsrecht der Völker, wie es Wilson forderte, nichts gemein hatten.

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