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 Allgemeines zu den Kriegsereignissen
Waldi44 Offline




Beiträge: 496

28.12.2013 11:50
RE: Italienische Kriegsabenteuer antworten

Eigentlich wollte ich einen Beitrag über das DAK schreiben mit einer nur kurzen Vorgeschichte. Nun ist die Vorgeschichte länger geworden als ich dachte und deshalb bekam sie eine neue Überschrift und wurde zu einem eigenständigen Beitrag, dem man aber den Ursprung noch ansieht. Zum DAK folgt dann später ein neuer Beitrag.

Für viele Menschen die sich mit dem 2. Wk beschäftigen üben Erwin Rommel und sein Afrikakorps (DAK) eine besondere Faszination aus. Das Ganze hat irgendwie etwas exotisches. Oft aber beschränkt sich die Begeisterung lediglich auf die Kriegsphase bis El Alamain. Eigentlich grundlos, denn zu Rommels größten Leistungen zählte zweifellos der gelungene Rückzug durch die Cyrenaika, dem eine Befehlsverweigerung gegenüber Hitler vorausging.
Viele wissen auch nicht, warum und wozu deutsche Soldaten sich überhaupt in Afrika befanden. Die vermeintlichen Kriegsziele wegen denen sie angeblich gekommen waren, entsandten erst durch Rommels ebenfalls befehlswidrigen Angriffen auf die Engländer, die er eigentlich nur aufhalten sollte. Erst nach Kriegsende schienen einige der Größen des 3. Reiches erkannt zu haben, welche Chance sie damals versäumt hatten.
Als Göring im Gefängnis von einem Vernehmer nach den größten militärischen Fehlern gefragt wurde, antwortete er sinngemäß: Dass man es versäumt hatte 1940 Spanien und Nord Afrika militärisch zu besetzen.
Nun ja, Spanien glaubte Hitler auch ohne militärische Besetzung als Verbündeten gewinnen zu können aber über die Entsendung der Freiwilligen der "Blauen Division" und enge Handelsbeziehungen währen des Krieges und sicheren Zufluchtsort nach der Niederlage kamen die Beziehungen nicht hinaus, weswegen auch die geplante Eroberung Gibraltars (Felix) abgeblasen wurde.
Hitlers "Welteroberungspläne" waren durchaus nicht so Rigoros wie immer unterstellt wird. Sicher, Deutschland sollte eine vorherrschende Rolle in der Weltpolitik spielen aber schon allein seine Zugeständnisse die er an England gemacht hätte, zeigen dass er auch zum Teilen bereit gewesen währe. Asien den Japanern, England seine Flotte und seine Kolonien, Finnland Karelien, Rumänien Transnistria....
Tja und sein wichtigster Verbündeter Italien überließ er alles rund ums Mittelmeer, der Tradition des Römischen Imperiums folgend. Am 3. Oktober 1935 begann Mussolini seine Träume von der Neuerrichtung des Römischen Imperiums zu verwirklichen und seine Truppen überfielen (trotz Freundschaftsvertrag von 1928) aus der italienischen Kolonie Eritrea (seit 1890) heraus das Kaiserreich Abessinien (heute Äthiopien und Eritrea) und annektierte das Land. Aber schon damals zeigte sich eine gewisse Unfähigkeit der militärischen Führung, der es nur schwer gelang einen Sieg zu erringen. Italien musste mehrere Kriege führen (1887-1889, 1893-1996 und 1936) im letzteren kam sogar Giftgas zum Einsatz. Bis auf den letzten Krieg wurden die Italiener in allen anderen geschlagen.
Abessinien war neben Liberia der einzige unabhängige Staat Afrikas und seit 1923 Mitglied des Völkerbundes. Letzteres führte zwar zu einer Verurteilung Italiens als Aggressor, hatte aber sonst kaum weiterreichende Folgen, so dass Mai 1936 Äthiopien Teil des italienischen Kolonialgebietes Ostafrika (Äthiopien, ital. Somaliland und Eritrea) wurde.
Ok, ich hole vielleicht etwas weit aus...
Kehren wieder ans Mittelmeer zurück, verlassen aber zunächst Afrika. Nach dem eher blamablen Zwischenspiel im Spanischen Bürgerkrieg (Juli 1936 und April 1939)blickte der Duce begehrlich über die Adria nach Albanien, über das Italien von 1919 - 1920 ein Mandat der Pariser Friedenskonferenz hatte. Dort war am 22.01.1925 die Republik ausgerufen worden, die sich aber unter ihrem Präsidenten Zogu zum Königreich entwickelte, als Zogu sich am 1.09.1928 zu "König aller Albaner" ausrief. Das korrupte Regime schloss mit Italien diverse Verträge (Verträge von Tirana 1926, 1927) ab, die das Land zunehmend abhängig vom faschistischen Italien Mussolinis machten, was schließlich am 07.04.1939 zur italienischen Annexion des Landes führte. Sofort setzte ein Partisanenkampf und ziviler Ungehorsam (Streiks) ein.
Albanien wurde fortan in Personalunion von Viktor Emanuel III., der nun auch König von Albanien war, regiert. Man beachte: Der König war weiterhin das Staatsoberhaupt, nicht Mussolini! Das aggressive Auftreten Italiens und Deutschlands(entmilitarisierte Zone, Österreich, Sudetenland, Resttschechei, Korridorfrage), sowie deren Bündnispolitik untereinander und mit der Sowjetunion führten zu der Garantieerklärung für Polen, Rumänien und Griechenland.
Ungeachtet dessen betrieben sowohl Deutschland und Italien ihre Politik der Konfrontation weiter.
Mussolini forderte von den Griechen die Abtretung von Militärstützpunkten. Die im Osten vor der türkischen Küste liegenden Inseln des Dodekanes (Rhodos) wurden durch Vertrages von Lausanne schon 1923 von der Türkei wegen des verlorenen Krieges von 1912 an Italien (mit dem Bestreben der Bevölkerung sich an Griechenland anzuschließen) abgetreten und hießen bis 1943 (danach bis 1945 wurden sie bis Mai 1945 von deutschen Truppen besetzt) „Italienische Ägäis-Inseln“.
Zu dieser Zeit war Griechenland eine Militärdiktatur unter General Metaxas (seit 04.08.1936)und man lehnte Mussolinis Ansinnen mit einem einzigen Wort ab: Nein. Das führte am 28.10.1940 zum Angriff der Italiener, die sich aber nach anfänglichen Erfolgen nur blutige Nasen holten und sich weit hinter ihre Ausgangsstellungen in Albanien zurückziehen mussten. Außerdem landeten britische Truppen am 07.03.1941 in Piräus und Volos.
Damit entstand für Deutschland eine schwierige Situation und zwar in dreifacher Hinsicht. Erstens steckte ihr wichtigster Verbündeter in der Bredouille und zweitens befand sich nun an ihrer südöstlichen Flanke ein britischer Brückenkopf, der vor allem Hitlers Pläne in Bezug auf die Sowjetunion gefährdete und drittens lief schon der Aufmarsch gegen die Sowjetunion.
Schnelles Eingreifen war von Nöten und geschah durch den so genannten Balkanfeldzug (Weisung Nr. 20 Unternehmen Marita) vom 06. April bis zum 26. April 1941.
Dadurch verzögerte sich der Angriff auf die Sowjetunion um 6 Wochen und deutsche Truppen hatten ein neues Schlachtfeld, den Balkan. Man kann darüber spekulieren ob diese 6 Wochen kriegsentscheidend waren oder nicht. Nichts zu spekulieren gibt es hingegen über die Unsinnigkeit des Angriffes auf das deutschfreundliche Griechenland, dass dadurch in die Arme der Briten getrieben wurde.
Tja und was hat das alles mit dem DAK zu tun wird man sich fragen? Eigentlich nichts und ich wollte erstens nur mal die Aggressivität Mussolinis darstellen und zweitens das militärische (Un-)Vermögen der Italiener aufzeigen. Denn dieses war es, dass Deutschland zum Eingreifen in ein weiteres italienisches Kriegsabenteuer zwang, wollte es seinen Verbündeten nicht schon bei Zeiten verlieren!
Während des Italienisch Krieges von 1911/1912 besetzten die Italiener zeitweilig Tripolitanien, Cyrenaika und Fezzan. Im Jahr 1912 trat dann das besiegte Osmanische Reich seine Besitzungen in Libyen endgültig an Italien ab. Tatsächlich gelang es den Italienern aber nur die meisten Küstenstädten unter ihre Kontrolle zu bringen. Weder in den Städten im Landesinnern, noch im weiten Innern des Landes übten sie auch nur annähernd so etwas wie eine Herrschaft aus.
Folgerichtig formierte sich der Widerstand und gewann während des 1. Weltkrieges an Stärke. Mit Hilfe der Osmanen (Türken) eroberte die Bruderschaft der aufständischen Senussi zwischen 1915 und 1919 fast das gesamte libysche Gebiet zurück. In nur fünf Küstenstädten (ohne Misrate) konnten sich die Italiener behaupten. Nach Kriegsende begannen die Italiener mit der Rückeroberung des Landes und brachten zwischen 1922 und 1925 Tripolitanien (Nordwestlibyen), von 1926 bis 1928 die Kyrenaika (ganz Westlibyen) und von 1929/30 den Fezzan (Südlibyen, Sahara) wieder unter ihre Kontrolle.
Tripolitanien, Cyrenaika und Fezzan wurden am 1. Januar 1935 unter Italo Balbo* bis 1940 zum Generalgouvernement vereint.
Als Deutschland erfolgreich seinen Westfeldzug durchführte, beeilte sich Mussolini den Alliierten noch schnell vor Kriegsende den Krieg zu erklären und sich prompt im Kampf gegen die schon fast geschlagenen Franzosen wieder eine blutige Nase zu holen. Dennoch beschloss er sich weiter mit den Alliierten anzulegen und in völliger Verkennung der Realität befahl er seinen Truppen in Libyen sich für Juni 1940 auf einen Angriff auf Ägypten vorzubereiten.
Eine dieser Verkennungen war, dass inzwischen einer der fähigsten britischen Generale das Kommando im mittleren Osten übernommen hatte, General Archibald Graham Wavel, den selbst Rommel später als zumindest ansatzweise Genial bezeichnete. Ausgerechnet so einen Mann wollte Mussolini angreifen, der außerdem in weiser Voraussicht, die Grenzen nach Ägypten schon längst hatte befestigen lassen. Dazu kam, dass die Briten den italienischen Funkverkehr abhörten und entschlüsselten.
Am 13. September 1940 erhielt Marschall Rodolfo Graziani mit seinen zwei Armeen den Angriffsbefehl. 14 Divisionen, über 330 Panzer und 1.400 Geschütze griffen in Richtung Sidi Barrani an. 95 Km von der Ausgangstellung entfernt. Damit befand er sich immerhin schon in Ägypten und hatte eine britische Luftbasis ausgeschaltet. Er beschloss in Sidi Barrani zu bleiben und die Front auf einer länge von 32 Km zu befestigen. Von dort wollte er dann Mitte Dezember weiter nach Ägypten vordringen.
Unterdessen erweckte der italienische "Vormarsch" beim deutschen OKW eine gewisse Aufmerksamkeit und man bot Mussolini militärische Hilfe an. Doch der italienische Militärattache in Berlin, dem der Vorschlag unterbreitet wurde, antwortete noch nicht einmal auf das Angebot.
Während die Italiener ihre Stellungen bei Sidi Barrani ausbauten, wurden einige Weichenstellungen für den weiteren Kriegsverlauf vorgenommen und zwar auf britischer Seite. Erstens wurden die Stellungen bei Marsa Matruch ausgebaut und zweitens Malta verstärkt und weiterhin ausgebaut. Darüber hinaus wurden die Italiener auf See von den Briten geschlagen bzw in ihrer Marinebasis von Tarent, wo jene Uralttorpedoflieger, die später die Bismarck schwer beschädigten, drei italienische Schlachtschiffe, zwei davon schwer, beschädigten. Das waren 50% ihrer Schlachtschiffflotte! Ein Schock, der bis zur Kapitulation andauerte.
Am 6. Dez. 1940 griffen dann die Briten unter General Richard O Connor die überraschten Italiener an. Waren sie es doch, die angreifen wollten....
36.000 Briten mit 275 leichten und mittleren Panzern, nur 120 Geschützen und 142 Flugzeugen griffen sie die 150.000 Italiener mit ihren inzwischen 600 Panzern, 1.600 Geschützen und 331 Flugzeugen in ihren Stellungen an. Operation "Compass" eroberte einen italienischen Stützpunkt nach dem anderen. Es gelang den Briten die italienischen Stellungen in den Flanken zu umgehen und die Italiener in den Flanken und im Rücken zu packen.
Die Operation, die nur für 5 bis 6 Tage geplant war und nur die Zerschlagung der Italiener bei Sidi Barrani zum Ziel hatte, wurde zu einem spektakulären Vormarsch, der erst am 22. Januar 1941 mit der Eroberung von Tobruk endete, wo allein 25.000 Italiener in Gefangenschaft gegangen waren. Dazu 90 Panzer und 200 Geschütze. Auf den Weg nach Tobruk verloren sie weitere 40.000 Mann, 127 Panzer, 462 Geschütze und rund 700 LKW's.
Der Vormarsch der Briten endete am 9. Feb. 1961 bei El Agheila. Somit war die gesamte Cyrenaika, also der ganze Osten Libyens in britischer Hand.
Die Italiener verloren 10 Divisionen, 800 Geschütze, 180 mittlere und 220 leichte Panzer, 150 Flugzeuge sowie rund 2.000 Fahrzeuge aller Art. Dazu kamen 130.000 Mann, die in britische Gefangenschaft gingen.
Die Zahl der gefallenen und verwundeten Briten belief sich auf rund 2.000 Mann.
Lediglich der deutsche Angriff auf Griechenland, ihren eigenen hatten die Italiener ebenfalls in den "Sand" gesetzt, stoppten den britischen Vormarsch. Die Briten zogen allein über 110 mittlere und leichte Panzer, sowie zwei Infanteriedivisionen aus Afrika ab und verlegten sie nach Griechenland. Insgesamt rund 36.000 Mann, von denen sie etwa 14.000 beim Rückzug verloren! Ein Unternehmen, das Churchill allein zu verantworten hatte.
Zu diesem Zeitpunkt rückte beim OKW Nordafrika erneut in den Fokus. In Vorbereitung für eine Überführung deutscher Truppen nach Afrika wurden 142 leichte und mittlere Panzer der 2. Panzerdivision auf den Transportschiffen "Marburg" und "Kybfels"(benannt nach dem Kybfelsen oder der Burg auf selbigen bei Freiburg im Breisgau) nach Triest geschickt, wo sie nie ankamen.
Die "Kybfels" lief am 21.05.1945 östlich Akra Doukaton vor Leukas (Ionisches Meer, Westgriechenland)auf eine Mine. Allein auf ihr befanden sich 175 Fahrzeuge aller Art vom Motorrad bis zum Schützenpanzer.
Obwohl Hitlers Generale ein sofortiges Eingreifen in Italien forderten zögerte Hitler. Vermutlich aus Rücksicht auf Mussolinis Befindlichkeiten, die eine Niederlage nach der anderen verkraften mussten aber wohl auch, weil für ihn ja der Angriff auf die Sowjetunion fest stand. Dennoch ließ er alle Optionen prüfen und am 19. Dez. 1940 erging an Hitler ein offizielles Hilfeersuchen.


* "Italo Balbo (* 6. Juni 1896 in Quartesana, Stadtteil von Ferrara; † 28. Juni 1940 bei Tobruk) war als faschistischer Luftwaffenminister und Luftmarschall eine zentrale Figur beim Aufbau der italienischen Luftwaffe, der Regia Aeronautica. Von 1934 bis 1940 war Balbo Generalgouverneur von Italienisch-Libyen.
Er bemühte sich, italienische Siedler für die Kolonie zu gewinnen. Nach der deutschen Invasion Polens wandte er sich vehement gegen Mussolinis Bündnis mit Hitler und befürwortete einen Kriegseintritt Italiens an der Seite Großbritanniens. Am 28. Juni 1940 wurde er nach offizieller Darstellung über Tobruk versehentlich durch Eigenbeschuss von der italienischen Flugabwehr abgeschossen. Bis heute wird darüber spekuliert, ob es sich dabei wirklich um ein Versehen handelte."
Allerdings wurde auch Rommel später von den Italienern beschossen, als er in einem Fieseler Storch die Front erkundete.

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