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und wurde 209 mal aufgerufen
 Habt ihr das gewusst?
Waldi44 Offline




Beiträge: 496

23.11.2010 15:22
RE: Jüdischer Widerstand antworten

Kennt jemand das Buch "Nakam" und hat es auch gelesen? Untertitel: Jüdische Rache an NS Tätern.
Zwei Dinge werden in diesem Buch beschrieben/behauptet: 1. Es gab einen jüdischen Widerstand während des 3. Reiches und 2. Es gab ettliche Racheaktionen und noch viel mehr Rachepläne gegenüber den Deutschen mach dem Krieg. Nebenbei wird noch der Weg der Nazis aus Deutschland ins sichere Ausland beschrieben. In jedem Fall hoch interessant.
Nun aber die Frage zum Widerstand wärend des 3. Reiches. Nach dem Lesen von "Hitlers willige Vollstrecker" und "Ganz normale Männer" bin ich eher zu der Erkenntnis gelangt, dass es kaum einen organisierten Widerstand gegen Deportation und Ermordung der Juden seitens der Juden selbst gab. In letzter Zeit wird dies aber zunehmend bestritten und immer öfter von einem aktiven Kampf der Juden gesprochen.
Bekannt sind mir diesbezüglich lediglich der Aufstand des Warschauer Ghettos, Sommer 1942 und die Revolte und Massenflucht aus Sobibor* im Oktober 1943. Vielleicht muss in diesem Zusammenhang der Begriff "Widerstand" neu difiniert werden. Was ist Widerstand? Wann beginnt Widerstand? Ist blosses verstecken schon Widerstand oder die Flucht aus den Transportzügen oder Lagern?
In dem Buch wird von 15.000 bewaffneten jüdischen Partisanen gesprochen. Diese aber waren in grösseren Partisanengruppen nur wenige von vielen und die vielen waren Nichtjuden. Kann man von "jüdischem" Widerstand reden, weil ein paar Juden mit der Waffe in der Hand kämpften? Viele von ihnen waren ohnehin Soldaten, nämlich sowjetische, polnische Versprengte oder Kriegsgefangene (Sobibor) usw.
Kann man von jüdischem Widerstand sprechen, wenn sie als Teil der regulären Alliierten Armeen gegen Hitlerdeutschland kämpften, also "nur" ihrer staatsbürgerlichen Pflicht nachkamen?

Warum die Juden sich kaum wehrten wird von Browning gut geschildert, als er das Schicksal der Hamburger Juden beschrieb: Sie reisten in Personenwagen mit schwacher Bewachung. Hatten Handgepäck dabei und an ihrem Zug waren zwei Güterwagen mit landwirtschaftlichem Gerät angekoppelt, die ihnen im "Osten" zu Landarbeit übergeben werden sollten! Nichts deutete darauf hin, dass ihre Fahrt in Auschwitz oder Theresienstadt endete und selbst wenn sie es gewusst hätten, wussten sie nicht, was sie dort erwartete.
Es gab auch eine richtige Kampftruppe bei den Briten, die "Jüdische Brigade". Dennoch finde ich, dass sich der Widerstand gegen ihr irgendwann ersichtliche Ermordung in äusserst engen Grenzen bewegte und wie ich oben schon fragte: Ab wann kann man von Widerstand reden? Ist blosses weglaufen oder konvertieren schon Widerstand?
Da ist tatsächlich nur wenig zu finden und anscheinend tun sich jüdische Stellen auch schwer damit und klammern sich an "jeden Strohhalm" um jüdischen Widerstand zu dokumentiern. Aber schlussendlich finden sie auch nur vereinzelten Widerstand, der nach meiner Meinung aufgebauscht wird um ihn grösser erscheinen zu lassen....

Geschrieben von Gudrun Wilhelmy
Und es gab ihn doch: Jüdischen Widerstand. Dies ist Thema der Ausstellung des B’nai B’rith – Söhne des Bundes - , der im Berliner Kronprinzenpalais

"....Widerstandsbewegungen, die nicht selten eine Beteiligung von Juden ablehnten oder gar die gleiche judenfeindliche Haltung einnahmen und Juden ermordeten, leisteten Juden überall Widerstand mittels Sabotageakten, Guerillataktik, Waffengewalt, als Teil der regulären Alliierten Armeen."

Aber sie wurden auch von allen im Stich gelassen:
"Und doch bleibt die Unterstützung aus. Die Gleise nach Auschwitz werden nicht bombardiert, obwohl dies möglich war, die Krematorien werden nicht vernichtet, obwohl dies möglich war, die aus Lagern und Ghettos geflohenen Juden werden nicht in bestehende Partisanengruppen aufgenommen, obwohl dies möglich war, sie wurden nicht versteckt, sie wurden nicht unterstützt, sie waren in der Regel aus sich selbst gestellt und in bestenfalls geduldet. "

Die offizielle Deutung ist natürlich eine andere und soll hier auch vorgetragen werden.

Der Anteil der Juden am bewaffneten Kampf gegen den Faschismus und Nazismus in
Europa ist eines der wenig bekannten Kapitel der Geschichtsschreibung. Keine deutsche
Publikation beschäftigt sich mit diesem Thema. Die Unkenntnis über diese
Thematik verstärkt den Eindruck, dass die Juden nicht genügend gegen den Faschismus
gekämpft hätten. Die nachstehenden Angaben, die das Gegenteil beweisen,
enthalten nur die Zahlen jüdischer Soldaten der regulären alliierten Armeen. Hinzugezählt
werden müssen die tausende jüdischer Partisanen und Widerstandskämpfer in
Ost- und Westeuropa: USA 550.000, UdSSR 500.000, England 62.000, Kanada
16.000, Südafrika 10.000, Juden aus Palästina 30.000, Frankreich 48.000, Polen
190.000, Griechenland 13.000, Jugoslawien 12.000, Tschechoslowakei 8.000, Belgien
7.000, Australien 3.000, insgesamt 1.406.000. In mehreren Ländern existieren
Verbände jüdischer Veteranen und Widerstandskämpfer, die ihre Waffenkameraden
von einst vereinigen, ihnen bei sozialen und gesundheitlichen Problemen helfen und
das Andenken an ihre Kämpfe gegen die Nazis und Faschisten wach halten.
....................
USA
Die meisten Juden dienten in der amerikanischen Armee, wo sie zu den höchsten
Rängen aufstiegen. Es waren 550.000 Soldaten, davon 36.000 Offiziere, und es gab
23 jüdische Generäle und Admiräle. Es wird geschätzt, dass 11.000 Juden fielen oder
als vermisst gemeldet wurden, 4,4 Prozent der Gesamtzahl der amerikanischen Verluste
im Zweiten Weltkrieg.
General Rose fiel als einer der wenigen hohen Offiziere beim Einmarsch in
Deutschland. Er wurde 1899 im Staat Connecticut geboren und war bereits mit 18
Jahren Leutnant. Als 32-jähriger Offizier war er Kommandant der Generalsstabsakademie.
1943 wurde er als General Befehlshaber der 3. Panzerdivision.
........................
Sowjetunion
Von den 500.000 jüdischen Soldaten der Roten Armee erhielten 169.772 Tapferkeitsauszeichnungen;
150 von ihnen, viele postum, den höchsten Orden »Held der
Sowjetunion«, wie U-Boot-Kapitän Israel Fissanowitsch. Die »Heldin« Nachtbomberpilotin
Paulina Gelman überlebte den Krieg, aber nicht Michail Otscheret, der mit
19 Jahren fiel. General Simon Kriwoschejn, der bereits in Spanien die Panzerwaffe
kommandierte, eroberte Berlin, wie auch die Brüder und Panzergenerale Matwej und
Jewsej Weinrub.
Die Generale Berezinski, Kreiser, Mechlis und 100 andere jüdische Generale haben
die Sowjetunion mit größtem Mut und Aufopferung verteidigt.
.................
Den größten Anteil der Juden gab es in der Litauischen Division der Roten Armee
mit 12.000 jüdischen Soldaten bei einem Mannschaftsbestand von 15.000. Die
meisten Soldaten sprachen Jiddisch,...
...............
Polen
Als die Wehrmacht am 1. September 1939 Polen überfiel, lebten dort 3.351.000 Juden,
zehn Prozent der Gesamtbevölkerung. Über 150.000 jüdische Soldaten und Offiziere
nahmen am Septemberkrieg 1939 teil. Ihre Verlustquote war hoch, 35.000 Tote
und 61.000 Kriegsgefangene.
...........
Nur die Offiziere unter ihnen,
ungefähr 800 Personen, wurden geschont und in Offizierslagern in Deutschland
festgehalten. Etwa 20.000 jüdische Soldaten in Ostpolen kamen in sowjetische Gefangenschaft.
Über 8.000 jüdische Offiziere wurden, wie ihre christlichen Waffenkameraden,
in Katyn und in Starobielsk von den NKWD-Schergen ermordet;........





*Wobei es sich in Sobibor mehrheitlich um sowjetische Kriegsgefangene jüdischer Herkunft handelte, in Warschau hingegen ausschliesslich um Ghettojuden.

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