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 Allgemeines zu den Kriegsereignissen
Waldi44 Offline




Beiträge: 496

28.05.2013 09:38
RE: Der Deckoffizier antworten

Wer sich mit der deutschen Marine beschäftigt stösst irgendwann auf den Begriff des "Deckoffiziers" und wird dabei oftmal im Unklaren darüber gelassen um welche Besatzungsmitglieder es sich dabei eigentlich handelt. Mitunter gewinnt man auch den Einduck, dass auch diejenigen die meinen zu wissen was ein "Deckoffizier" ist, es eben doch nicht ganz genau wissen.
An Besten ist, man bedient sich alter original/reprint Quellen. Dann erfährt man zB. dass der Deckoffizier kein Offizier war, ebensowenig wie ein Unteroffizier aber der Deckoffizier einer ist. Nämlich ein Unteroffizier mit Portepee*. Er hatte quasi das Ende der Unteroffizierslaufbahn erreicht und durch entsprechende Schulung die Befähigung zum Portepeeträger erlangt.
Unteroffiziere ohne Portepee waren Maate. Unteroffiziere mit Portepee, (Vize-) Feldwebel, (Vize-) Wachtmeister und Deckoffiziere "Männer" - Bootsmann, Steuermann usw. Desweiteren gab es die Ober- Deckoffiziere in Gestalt des Oberbootsmanns und Obersteuermanns.**
Die genannten Deckoffiziersgrade entsprachen natürlich nur EINEM Dienstzweig. Die Bezeichnungen der weiteren Dienstzweige waren zB. Torpeder/Obertorpeder, Mechaniker/Obermechaniker, Zahlmeisten/Oberzahlmeister usw.
Ein Deckoffizier entstammte immer den niederen Mannschaftsrängen und "Deckoffizier" war kein Dienstgrad, wie Hauptfeldwebel ja auch keiner war und erst in der Bundeswehr dazu gemacht wurde. Ein Deckoffizier war ursprünglich sowas wie ein UvD allerdings mit Dauerjob. Auf Segelschiffen führte er bei Abwesenheit von Offizieren auf den einzelnen Decks das Kommando, später erweiterte sich sein Aufgabenbereich über das der blossen Deckkontrolle hinaus.
Die Uniform der Deckoffiziere setzte sich einerseits von der der Unteroffiziere ohne Portepee noch oben hin ab und ähnelte der der Offiziere. Von dieser aber unterschieden sie sich wiederum in wichtigen Merkmalen (keine Epauletten und Ärmeltressen und Tressen an den Hosen) und stuften ihn wieder nach unten hin ab.
Ausserdem waren sie keine Lohn- sondern Gehaltsempfänger, denen in Bezug auf Pensionierung und Versorgung die gleichen Rechte zustanden wie den Offizieren.
Die Beförderung zum Deckoffizier erfolgte nach einer eigenen Eignungsprüfung. Diese konnte man aber erst nach 15-42 Monaten ablegen. Neben fachlichen Fähigkeiten war auch die "Würde eines Deckoffiziers" zu repräsentieren.

Der Deckoffizier hatte eine Art Zwitterstellung, die ihm sein gesellschaftliches Leben sowohl an Bord der Kriegsschiffe, als auch an Land sehr schwierig gestaltete. Er stand rangmässig über der Mannschaft aber unter den Offizieren, was zu ständigen Reibereien nach allen Seiten führte und dem beständigen Bestreben der Deckoffiziere diese für sie unbefriedigende Situation dahingehend zu ändern, dass sie zum Offizierststand gerechnet werden sollten (wollten).
Das aber stiess auf heftige Ablehnung der Seeoffiziere und durch sie beeinflusst auch auf die Weigerung des Kaisers. Erst im Oktober 1918, also dem Revolutionsmonat, wurde beschlossen ihnen den allgemeinen Offiziersrang und die Anrede "Herr" durch allerhöchste Gnade als "Weihnachtsgeschenk" zuzugestehen.
Ein "Privileg" (die Anrede "Herr"), dass bei der Post seit 1899 dem letzten Postboten ab dem 17. Lebenjahr zugebilligt wurde.
Für manche Deckoffiziere war der Dienst als Deckoffizier die Endstation ihrer militärischen Laufbahn, für andere ein Sprungbrett zu einer höheren Laufbahn. Für Obermaschinisten, Obersteuerleute, Oberbootsleute, Obermaterialienverwalter, Obermeister, Oberstückmeister, Obermechaniker, Oberfeuerwerker der Matrosen Artillerie war hier Schluss.
Marine Ingenieure, Torpedo Ingenieure, Torpedo Offiziere, Feuerwerks Offiziere und Marinezahlmeister hingegen setzten ihre militärische Laufbahn fort.
Allen aber haftete ein Makel an - ihre soziale Herrkunft. Spielte sie im Heer schon lange nicht mehr die Rolle wie noch vor der Jahrhundertwende, so hielt das Seeoffizierscorps voller Standesdünkel und mit verheerenden Folgen daran fest und schirmte sich gegen diese Emporkömmlinge ab, wo immer es ging und es ging fast immer!
Verheerend, weil sie sich nicht nur gegen die Deckoffiziere aus Standesgründen (-dünkel) abgrenzen wollten und ihnen deutlich zeigten woher sie kamen, sondern auch gegen ihre Marine Ingenieure und selbstredent gegen den Rest der Besatzung. Nicht grundlos brach die Revolution bei der Flotte aus....
Der direkte Vorgesetzte der Deckoffiziere war der 1. Offizier. Die moderneren Linienschiffe hatten 22 bis 24 Deckoffiziere, die in der Regel auch eine eigene Messe hatten. Auf der Brandenburgklasse gab es nur 19 und auf der Sachsenklasse nur 14 Deckoffiziere.
Eine verschwindet geringe Chance schon vor 1918 doch Offizier zu werden gab es ab 1916, als der im Heer schon länger(seit 1877) existierende Rang des Feldwebel- Leutnants*** als besonderen Gnadenbeweis zu Kaisers Geburtstag auch in der Marine eingefüht wurde. Mindestens 20 Dienstjahre waren Voraussetzung und das galt auch nur für im Krieg wieder in die Marine eingetretene Deckoffiziere. Dieser Dienstgrad nannte sich Deckoffizier- Leutnant. Anders als beim Heer blieben somit aktive Deckoffiziere bei dieser Beförderung aussen vor.
Der Kaiser erwiess seinen Deckoffizieren noch andere Beweise seiner Allerhöchste Gnade, so zB. um 1910, als er dem Deckoffizierskorps den Offiziershosenverschluss**** verliehen hatte. Ein gewichtiger Grund ihre Bitte an ihn um eine Galauniform (klein) mit dem Hinweis auf eine spätere Wiedervorlage, 1913 vorerst abzulehnen.
Im 2. Weltkrieg wurden die letzten diensttauglichen Deckoffiziere als Leutnants einberufen. Bundesmarine und Volksmarine führten weder Namen noch Dienststellung des Deckoffiziers.

* Portepee:"Das Portepee (frz. porte-épée „Degentrage, Degengehenk“), insbesondere in der Schweiz auch Schlagband genannt, war ursprünglich eine um Griff und Bügel einer Hiebwaffe und das Handgelenk des Kämpfers geschlungene Schlaufe, die das Herabfallen der Waffe im Kampf verhindern sollte. Später entwickelte sich daraus ein Standesabzeichen für Offiziere und Feldwebel."

Das Portepee

** Näheres zu den Dienstgraden: Dienstgrade der Kaiserlichen Marine
***Feldwebel- Leutnant:"Der militärische Dienstgrad Feldwebelleutnant (auch Feldwebel-Leutnant) war seit 1877 im deutschen Heer der unterste Offiziersdienstgrad. Zu Feldwebelleutnants wurden bevorzugt Unteroffiziere „des Beurlaubtenstandes“ (Reserve) befördert. Eine Weiterbeförderung zum „wirklichen“ Leutnant war nicht vorgesehen. Die Bezeichnung Feldwebelleutnant war auch in der Kavallerie und in der Berittenen Artillerie üblich - entgegen deren Tradition, Feldwebeldienstgrade als Wachtmeister (z. B. Vizewachtmeister) zu führen. [Aber eben NICHT in der Marine!]
Der Feldwebelleutnant hatte zwar den Rang eines Leutnants inne, rangierte jedoch stets hinter dem Inhaber des „wirklichen“ Dienstgrads, da er kein Offizierspatent besaß. Ebenso wenig unterlag er der Ehrengerichtsbarkeit des Offizierskorps. Es war eine Zwitterstellung zwischen Unteroffizier und Offizier."
**** Der Offiziershosenverschluss war der gemeine Hosenschlitz! Mannschaften an Bord der Kriegsschiffe trugen Klapphosen. Das waren Hosen, die vorne eine knöpfbare Stoffklappe besassen, wo an den Offiziershosen ein Hosenschlitz war.

Quellen: Die Uniformen der Deutschen Marine, Melchior Historischer Verlag
Kaiser Wilhelm und seine Flotte, Motor Buch Verlag
Deutschlands Kriegsflotte, Melchior Verlag

Link:Der Deckoffizier

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