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 Krieg in den Kolonien
Waldi44 Offline




Beiträge: 496

30.01.2013 18:09
RE: Die Schlacht von Tanga antworten

Die Schlacht von Tanga

Vor dem 1. Weltkrieg haben die Kolonialm채chte vereinbart, dass im Kriegsfall, die Kolonien von den Kampfhandlungen ausgenommern werden. Berlin, Kongoakte von 1885.
Die Ententem채chte hielten sich aber nicht daran und so fiehl eine Kolonie nach der anderen. Zwischen dem 2. und 4. November 1914 fand bei der ostafrikanischen Hafenstadt Tanga (heute in Tansania) eine f체r afrikanische Verhältnisse grössere Schlacht statt.
Der allgemeine Hergang lässt sich unter anderem auch bei "Wiki" nachlesen, aber eben nur der allgemeine!
Diese, wie alle anderen afrikanischen Operationen, wurden anfangs von den Briten als zweit und drittrangig angesehen und so ist es nicht weiter verwunderlich, als mit dem wenigstens zweitrangigen Generalmajor Aitken, drittrangige indische Truppen(acht Regimenter) nach Ostafrika geschickt wurden.
35 Jahre Indien hatten seinen militärischen Verstand umnebelt und sein Selbstwertgefühl ins Unendliche gesteigert.
Nigger, Schwarze, Hunnen, Tracht Prügel und Hackfleisch waren beliebte Worte und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, wie die Schlacht um Tanga verlief, zumal er alle Ratschl채ge und Warnungen in Bezug der Tapferkeit und Zuverl채ssigkeit der Askari in den Wind schlug, ebenso wie die ihm angebotene Hilfe durch erfahrene afrikanische Kolonialtruppen.
Diese Hilfe h채tte er bitternötig gehabt, stammten seine "Indianer" doch aus verschiedenen Teilen Indiens und sprachen 12 verschiedene Sprachen.
Ettlich konnten ihre neuen Lee Enfield- Gewehre nicht richtig benutzen, da sie diese erst kurz vor dem Einsatz erhalten hatten.
Lediglich das Nordlancedhire Regiment und die Gurkhas besassen einen grösseren Kampfwert.
Die eigenen Offiziere bezeichneten ihre Truppe als:"Die schlechtesten von ganz Indien!"

Aber selbst "gute" Soldaten hätten mit dem was kam ihre Probleme gehabt! 16 Tage warteten sie bei brütender Hitze auf ihre Einschiffung. Als sie entlich stattfand, fiehl es niemanden ein, eventuell Rücksicht auf bestehende Befindlichkeiten der indischen Soldaten zu nehmen. Weder auf Kasten noch Religionszugehörigkeit oder gar Essgewohnheiten wurde R체cksicht genommen.
Letzteres f체hrte dazu, dass viele Soldaten an Durchfall erkrankten, während der Rest seekrank wurde.
Statt nun seinen müden, kranken und schlappen M채nnern in Mombasa etwas Ruhe zu gönnen, gab Aitken den Befehl direkt nach Tanga zu fahren und die Stadt anzugreifen.
Natürlich war die Operation streng geheim. Sie war so "geheim", dass von Bombay aus Nachschubkisten mit der Aufschrift:"Indische Expeditionsstreitkräfte 'B', Mombasa, Ostafrika" abgingen und die Presse 체ber das Eintreffen der Truppen in Afrika in grossen Lettern auf der ersten Seite berichtete!
Funkstille kannte man nicht und selbst in Briefen wurde über das Eintreffen des Expeditionskorps berichtet und schlussendlich f체hr die ganze Flotte noch in Sichtweite der K체ste.
Kurz: Man(die Deutschen) wusste bescheid!

Zuerst lief der Kreuzer "Fox" unter Kapitän F.W. Cauldfield in den Hafen um zu sondieren und dem deutschen Kommandanten von Schnee ( Aha, daher "Schnee am Kilimanjaro" ), alle bisherigen privaten Verträge zu kündigen.
Von Schnee war nicht anwesend. Nur sein Vertreter Auracher und der versuchte Zeit zu schinden. Als Cauldfield ihn dan vertrauensselig fragte(!), ob der Hafen eventuell vermint sei, bejate Auracher!
Unschlüssig blieb der Kapitän zurück, während Auracher die deutsche Fahne hisste, des Kaisers Rock anzog und sich eiligst zu Oberst Lettow- Vorbeck begab.
Die deutsche Schutztruppe bestand zu Kriegsbeginn aus 267 Offizieren und Unteroffizieren sowie 4.612 einheimischen Askari.
Schliesslich begann Cauldfield nach Minen zu suchen, während der inzwischen eingetroffene Truppentransport auf Reede lag, was auch nicht zur Hebung der Stimmung beitrug!

Obwohl man keine Minen fand, überredete Cauldfield Aitken, nicht den Hafen zu benutzen, sondern eine Meile weiter weg in den Mangroven seine Truppen anzulanden.
Wolken von M체cken, Tzetzefliegen und Legionen von Blutegeln waren Zeuge dieser maritimen Grossaktion, die insgesamt 48 Stunden in Anspruch nahm!

Diese Zeit hatte Lettow- Vorbeck genutz und war mit seinen Truppen auf Tanga marschiert. Die ersten Opfer dieser Schlacht waren einige britische Offiziere, die frustriert einen Hügel bestiegen hatten, um nach den Deutschen Ausschau zu halten. Als sie diese entdeckten, war es die letzte Entdeckung in ihrem Leben!
Danach traf das 13. Rajput- Regiment auf ca. 250 Askaris, denen sie unhöflicherweise sofort ihre Rückfront zur Ansicht boten und dabei ihre eigenen Offiziere über den Haufen rannten (schossen?).
Ruckzuck wurden aus den 250 Askaris 2.500. Diese Meldung wurde Aitken auf seinem Schiff übermittelt einschliesslich der traurigen Nachricht von 300 eigenen Toten!
Während sich die Soldaten "kämpfend" zurück zogen, wurde unverdrossen weiter Nachschub an Land gebracht.
Unterdessen unterbreiteten seine besorgten Kollegen ihm den Vorschlag, Kanonenboote einzusetzen. (Was machte eigentlich der Kreuzer?). Aitken lehnte mit der Begründung kein ziviles Eigentum beschädigen zu wollen ab. Dabei war der Grund ein anderer: Er hätte gar nicht gewusst, wohin er das Feuer der Kanonenboote hätte lenken sollen.
Inzwischen hatten die Deutschen befestigte Stellungen mit Stacheldrahtverhauen errichtet und Scharfschützen in den Affenbrotbäume platziert.
Den Gurkhas und dem Nordlanceshire Regiment gelang die Eroberung des Zollhauses und des Krankenhaus'. Währenddessen mussten die Inder mit der "deutschen Luftwaffe" kämpfen !
Millionen wildgewordener Bienen aus den umliegenden Bienenstöcken stürtzten sich auf die armen Kerle und trieben sie zurück ins Meer. Die Briten glaubten später an eine deutsche Kriegslist, die Lettow-Vorbeck schmunzelnd kommentierte:"Gott war mit uns"!

Daraufhin wurde Tanga mit Kanonen beschossen (wohl der Kreuzer), traf aber nur das mit eigenen Verwundeten überfüllte Krankenhaus und die sich auf den R체ckzug befindlichen eigenen Truppen!

Aitkes zog sich schliesslich zurück. An Verlusten erlitten seine Truppen: 800(650*) Tote, 500 Verwundete und 250 vermisste.
Die Deutschen verloren 15(64*) und die Askaris 54(48*) Mann.
Ein Grossteil der britischen Verwundeten wurde später unter deutscher Aufsicht evakuiert!
Erbeutet wurden unter anderem: 16 Maschinengewehre, 600.000 Schuss Munition sowie umfangreiches sonstiges Gerät wurden von den Deutschen. Damit konnte Lettow- Vorbeck einige neue Einheiten aufstellen und bewaffnen.
Tja und was wurde aus Aitkes? Er wurde von Kitchener zum Oberst degradiert und mit halben Sold in den Ruhestand geschickt!

* Die Angaben schwanken.

[ Editiert von Administrator Waldi44 am 30.01.13 18:11 ]

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