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 Die Landkriege
Waldi44 Offline




Beiträge: 503

29.10.2012 13:38
RE: Der amerikanische Bürgerkrieg - Warum? antworten

Dies soll jetzt kein neuer Aufguss über die Geschichte des amerikanischen Bürgerkrieges werden. Darüber gibt es im Netz eine ganze Reihe guter Beiträge. Ich wollte hier nur mal ganz kurz die Ausgangslage
etwas erhellen, denn wenn man so seine Mitbürger fargt, worum es denn in diesem Krieg eigentlich ging, erhält man meist die zwar nicht falsche aber auch nicht vollständige Antwort: Um die Sklavenbefreiung.
Manchmal auch: Die Südstaaten griffen den Norden an - dann ist meist die Beschiessung von Fort Sumter gemeint.

Die Sklavenfrage
Nicht die Sklavenfrage war es, sondern der Ausgang der Präsidentschaftswahl von 1861, an dem die Union zerbrach. Die Slavenfrage war zwar seit längerem ein Streitpunkt zwischen den slavenhaltenden Süd-
und den industrialisierten Nordstaaten aber der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte war eben jene Präsidentschaftswahl. Die bevölkerungsschwächeren Südstaaten hatten nicht die geringste
Chance gegen Lincoln, da man sich auch noch mit drei Präsidentschaftskandidaten "rumschlagen" musste, wärend die Stimmen der Nordstaaten geschlossen auf Lincoln gingen, der mit 180 Stimmen 28 Wahlmänner mehr als er für dir Wahl benötigte.
Besonders erbost war man im Süden, weil Lincoln nachweislich in einigen Staaten nicht eine einzige Stimme erhalten hatte...
Lincoln selbst hielt die Sklaverei zwar für ein "moralisches, gesellschaftliches und konstitutionelles Übel", war aber grundsätzlich bereit dem Süden seine Wirtschafts- und Lebensform zu belassen.* Sie unterschied sich vom Norden nicht nur durch die Sklaverei, sondern auch dadurch, dass den einzelnen Bundesstaaten mehr Autonomie gewährt wurde als den eher zentral regierten Nordstaaten.**
Neben den klassischen Südstaaten und den Nordstaaten, gab es noch die Grenzstaaten (Border States). Allein schon in Hinblick auf deren Loyalität verzichtete man auf eine Festlegung in der Sklavenfrage. In diesen Staaten gab es zwar die Sklaverei, aber sie blieben trotzdem bei der Union.
Auch als Lincoln am 22. September 1862 die "Emancipation Proclamation"*** verkündete, ging es ihm nicht ausschliesslich um die Sklavenbefreiung. Diese Proklamation zur Sklavenbefreiung bezog sich audrücklich nur auf die Rebellenstaaten aber nicht auf die Border States. Vielmehr hoffte man, dass nun massenhaft Neger zur Unionsarmee strömen würden und ebenso massenhaft Südstaatensklaven nach Norden fliehen und die Wirtschaftskraft des Südens weiter schwächen würden.
Tatsächlich nahmen am Bürgerkrieg rund 180.000 farbige Soldaten teil, von denen 70.000 fielen und zwischen 30.000 und 100.000 Sklaven gelang die Flucht über die sogenannte "Underground Railroad" in den Norden.
Erst am 31. Januar 1965 verabschiedete der Kongress einen Zusatz zur Amerikanischen Verfassung, den 13., in dem nun offiziell die Abschaffung der Sklaverei in den Vereinigten Staaten von Amerika verkündet wurde. Über vier Millionen Afroamerikaner waren nun, zumindest auf dem Papier, freie Menschen aber noch keine Bürger. Das volle Bürgerrecht erhielten sie erst 1868, auch wieder nur auf dem Papier und das Wahlrecht gar erst 1870.

Fort Sumter
Fort Sumter blockiert quasi, auf einer künstlichen Insel liegend, den Hafen von Charleston. Charleston war einer der wenigen Tiefseehäfen der Südstaaten. Sinnigerweise oder besser gesagt symbolischer Weise
liegt gegenüber von Fort Sumter auf Sullivan's Islan, Fort Moultrie. Wie Ellis Island für die Einwanderer aus Europa war Sullivan's Island das Tor für etwa 40 % aller Schwarzafrikaner nach Nordamerika. Zwischen
1650 und dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg wurden etwa 4-8 Millionen Afrikaner über die Middle Passage nach Sullivan's Island zur Quarantäne verbracht.
Symbolträchtiger kann eigentlich kein Ort in Amerika sein: Hier das für die Negerbefreiung stehende Fort Sumpter, dort das für Sklavenhaltergesellschaft stehende Fort Moultrie.
Sechs Tage nachdem South Carolina am 20. Dezember 1860 die Union verlasen hatte, räumten die Unionstruppen Fort Moultrie und zogen sich auf das, auf der Insel leichter zu verteidigende Fort Sumter zurück.
Der Hafen war neben Savannha der zweitgrösste der Südstaaten und man musste unbedingt die Befehlsgewalt über Fort Sumter erlangen. Die Unionstreuen Truppen unter Major Robert Anderson, lehnten eine
Kapitulation ab. Am 12. April 1861 um 4:30 Uhr begannen die Südstaaten mit der Beschiessung des Forts - die ersten Schüsse im Amerikanischen Bürgerkrieg und am 13. April 1861 um 14:00 kapitulierte das
Fort und die Südstaaten hatten ihren ersten unblutigen militärischen Sieg errungen. Die zwei einzigen Unionstoten gab es erst nach der Kapitulation.
Die Garnison von Fort Sumter zog am 14. April ab. Die Beschiessung und anschliessende Kapitulation erzeugte im Norden eine starke Antisüdstaatenstimmung, da man diesen Angriff als völlig ungerechtfertigt ansah.

* Lincols Meinung war:" Könnte ich die Union retten, ohne auch nur einen einzigen Sklaven zu befreien, so würde ich es tun. Könnte ich sie retten indem ich alle Sklaven befreie, so würde ich es tun."
** Es gab daneben noch eine Reihe weiterer Streitpunkte/Unterschiede, deren Ausführung hier zu weit führen würde und anderswo ausführlicher nachgelesen werden kann
*** "Sie läutete den Bruch der USA mit der knapp 250 Jahre alten Tradition der Sklaverei ein und noch bevor sie offiziell verlesen wurde, gehörte sie bereits zu den bedeutendsten Dokumenten aller Zeiten: Vor 150 Jahren, am 22.9.1862, verkündete Abraham Lincoln mit der so genannten Emanzipationserklärung "Emancipation Proclamation", dass ab 1. Januar 1863 "alle als Sklaven gehaltenen Personen in einem Einzelstaat oder einem genau bezeichneten Teil eines Einzelstaats, deren Bevölkerungen sich zu diesem Zeitpunkt im Zustand der Rebellion gegen die Vereinigten Staaten befinden werden, dann fortan und für immer frei sein sollen".
Wenngleich die Emanzipationserklärung im Kern ein taktisches Manöver inmitten des amerikanischen Bürgerkriegs war und weder die Sklaverei vollständig beendete noch alle Sklaven befreite, so verfehlte sie nicht die gewünschte Wirkung. Sie vermittelte Millionen von Sklaven die Hoffnung auf baldige Freiheit, sie verlieh den Kriegszielen der Nordstaaten eine moralische Legitimation und schürte in den Südstaaten die Angst vor dem Verlust ihrer versklavten Arbeitskräfte. Auf diese Weise markiert der 22. September 1862 den Anfang vom Ende der Sklaverei in den USA, die im Dezember 1865 mit der Ratifizierung des 13. Zusatzartikels zur amerikanischen Verfassung****endgültig aufgehoben wurde."
**** 13. Zusatzartikel

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