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Dieses Thema hat 1 Antworten
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 Waffen und Geräte
Waldi44 Offline




Beiträge: 496

26.08.2012 15:53
RE: Deutsche Luftabwehr antworten

Hm? wird so mancher denken! "Deutsche Luftabwehr" im 1. Weltkrieg - was kann das schon gewesen sein. Im Vergleich zum 2. Weltkrieg in der Tat nicht viel, aber wie fast immer ist das ein hinkender Vergleich, denn der Kampf in der dritten Dimension wurde praktisch erst kurz vor dem 1. Weltkrieg aktuell. Um so erstaunlicher die Tatsache, dass es schon im Deutsch Französischen Krieg von 1870/71 die ersten deutschen Luftabwehrgeschütze gab.
Am 7. Okt. 1870 gelang es dem französischen Innenminister Leon Gambetta mit einem Ballon aus dem belagerten Paris in die Provinz zu entkommen und von dort den Widerstand gegen die Deutschen zu organisieren. Mit den vorhandenen Mitteln war dieser Aus- und zugleich Durchbruch nicht zu stoppen.
Weitblickende Militärs und der Industrielle Krupp erkannten die Notwendigkeit von Waffen, die zur Abwehr von solchen Fluggeräten geeignet waren. An Flugzeuge dachte man damals noch nicht und somit erhielt die neue Waffe die Bezeichnung "Ballonabwehrkanone", kurz "BAK" genannt. Den ersten Erfolg erzielte dieses Geschütz am 12. Nov. 1870 mit dem Abschuss des französischen Ballons "Deguerre".
Die preussische "Luftabwehr" vor Paris verfügte damals über zwei Geschütztypen:Eine 3,7 cm Kanone auf einem Plattformwagen auf einem Pivotsockel, sowie eine 2,5 cm Ballonkanone mit gezogenem Lauf.
Doch kaum war der Krieg vorbei, war auch mit der Weitsicht schluss. Erst im Jahre 1909 führte das nunmehreige deutsche Militär auf dem Schiessplatz Jüterbog neue Flugabwehrversuche durch, allerdings nur mit Gewehren und Maschinengewehren, mit denen es aber nicht gelang einen auf 1.250 m Entfernung stehenden Ballon abzuschiessen. 76 Geschossbahndurchgänge, also 152 Löcher und das Teil kam nicht runter! Der Hitergrund des Versuches waren die zunehmenden Flugaktivitäten mt Luftschiffen/Zeppelinen.
Und wieder wurde Krupp zum Vorreiter und entwickelte 6,5 cm Bak auf Feldlafette, 7,5 cm Bak auf einen Kraftwagen sowie eine 10,5 Bak als Schiffsgeschütz und von Rheinmetall kam eine 5 cm Bak.
Bis Kriegsbeginn verfügte das Heer über sechs Kraftwagengeschütze, acht Kanonen auf Räderlafette sowie vier Sockelgeschütze. War die Stückzahl auch beeindruckend niedrig, so darf man dabei nicht vergessen, dass keine andere Armee über Luftabwehrgeschütze verfügte.
Bereits Ende 1914 verfügte das Heer über 76 Luftabwehrgeschütze und bis Kriegsende waren es 2576 Geschütze. Natürlich noch immer kein Vergleich mit den Zahlen des 2. Weltkrieges aber es gab ja auch nicht solche Bomberströme wie in selbigen, die einen Grossteil der Flak erforderten und banden. Überwiegend handelte es sich um 7,7 cm, später (1915) dann 7,72 cm, 8,8 cm und 10,5 cm Kanonen, überwiegend auf Kraftwagen und somit mobil.
Geschossen wurde nach Tabellen, ab 1915 mit einfachen Entfernungsmessern und ab 1918 mit Kommandogeräten, von denen die Schiessdaten unmittelbar abgelesen werden konnten. Ab 1915 wurden die einzelnen Geschütze zu Flakbatterien zusammengeschlossen und in Ostende eine Flakschiesschule eingerichtet und eine Scheinwerferschule in Hannover, sowie in Brüssel eine Flakhochschule. 1916 wurde aus der Ballonabwehrkanone offiziell die Flugabwehrkanone.
Gegen Ende 1917 verfügte die deutsche Luftabwehr über 104 schwere Kraftwageflak, 112 leichte Kraftwagenflak, 998 pferdebespannte und ortsfeste Flak, 196 3,7 cm Maschinenflak, 542 9 cm Maschinenflak und 416 Scheinwerfer, von denen 320 ortsfest waren.
Interessant: "Der Einsatz der Flugabwehr ausser im Kampf gegen Luftfahrzeuge ist Untersagt...." und dass, obwohl die selbe Vorschrift besagte: bei Gegenangriffen "...sind die Flak so weit vorn wie möglich einzusetzen,..."
Bei Kriegsende hatte die Flakartillerie über 60.000 Mann und 2576 Geschütze zur Luftabwehr, sowie 17.000 Pferde und 3500 bespannte und 800 Kraftwagen - Fahrzeuge.
Im Versailler Vertrag wurden der Reichswehr 35 Flak vom Kaliber 8,8 und 10,5 cm zugestanden. Allerdings nur in den im Osten gelegenen Festungen Königsberg und Pillau.


Quellen: Vom Train zum Roland, Hans Werner Patzki, ISBN 3 921 655 58 7
Unsere Luftstreitkräfte 1914 - 1918, Vaterländischer Verlag C.A. Weller, Berlin 1930

Waldi44 Offline




Beiträge: 496

03.09.2012 15:29
#2 RE: Deutsche Luftabwehr antworten

Nach dem Versailler Vertrag, Teil V, Artikel 198 bis 202, musste Deutschland auch seine Luftabwehr fast völlig abgeben bzw abrüsten durch Zerstörung. Erst Ende der 20er, Anfang der 30er Jahre wurde wieder offiziell in die Luftabwehr investiert bzw eine solche aufgebaut.

Neben der aktiven schiessenden Luftabwehr gab es noch die passive Abwehr durch Ballone und Drachen. Im März 1917 wurde eigens die Stelle des Stabsoffiziers bei der Luftschifftruppe im Heimatgebiet geschaffen ( Stoluftheim). Ihm unterstanden 5 Luftsperrabteilungen (Lufpa), verteilt im Saargebiet und lothringischen, luxemburgischen und rheinischen Industriegebieten. Aber auch anderswo kamen solche Sperreinheiten zum Einsatz, so zB. über der Werft in Brügge.
Die Heimatflak, konzentrierte sich auf folgende Gebiete: Flakzentren der Rheinlinie bei Essen, Köln, Frankfurt und Freiburg. Vorgeschobene Flakzentren bei Saarbrücken und Diedenhofen. Im Norden standen Hamburg und Emden und im Süden Stuttgart und München unter besonderem Flakschutz und der tat auch Not. So wurden im März 1918 27 Bombenangriffe auf das Reichsgebiet durchgeführt und im Juli waren es schon 43!

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