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 Allgemeines zu den Kriegsereignissen
Waldi44 Offline




Beiträge: 500

13.09.2011 12:42
RE: Sowjetische Kriegsgefangene in deutschem Gewahrsam antworten

Kriegsparteien sind durch die Genfer Konvention dazu verpflichtet sich um die Unversehrtheit Kriegsgefangener zu kümmern. Allerdings hat die Sache mit den sowjetischen Kriegsgefangenen einen Haken: Die Sowjetunion (und Japan) waren dieser Konvention nicht beigetreten....

"Die Artikel 4 bis 20 legen verschiedene Grundsätze zur Behandlung von Kriegsgefangenen fest. Diese sind entsprechend Artikel 4 menschlich zu behandeln. Kriegsgefangene dürfen zur Arbeit herangezogen werden (in der Fassung von 1907 mit Ausnahme der Offiziere). Die gefangennehmende Partei hat für den Unterhalt der Kriegsgefangenen zu sorgen (Artikel 7) und dabei die Kriegsgefangenen in Bezug auf Nahrung, Kleidung und Unterbringung wie die eigenen Truppen zu behandeln. Kriegsgefangene unterstehen den Gesetzen, Vorschriften und Befehlen des Staates, in dessen Gewalt sie sich befinden (Artikel 8). Sie können für einen misslungenen Fluchtversuch disziplinarisch bestraft werden, nicht jedoch bei erneuter Gefangennahme nach einer vorherigen erfolgreichen Flucht. Entsprechend Artikel 9 sind Kriegsgefangene verpflichtet, auf Nachfrage ihren Namen und Dienstgrad zu nennen....
Der Artikel 21 verweist für die Behandlung von Kranken und Verwundeten auf die Genfer Konvention."

Kriegsgefangene sind immer in einer bedauerlichen Situation. Die bedauerlichsten der Bedeuernswerten waren aber wohl sie sowjetischen Gefangenen, denn wie schon richtig angemerkt; wer die deutschen Lager überlebte kam meist in die sowjetischen Gulags, weil sie als Verräter angesehen wurden.
Mitkämpfer in der Wlassowarmee oder anderen deutschen oder verbündeten Verbänden sahen die Heimat nie wieder oder nur um dort zu sterben. Nur sehr wenige von ihnen überlebten.

Im Winter 1941/42 wurden etwa 12.000 russische Kriegsgefangene nach Auschwitz transportiert. Nur ein halbes Jahr später lebten von ihnen noch 150*. Wie kam es dazu? Nun, Der Lagerkommandant gibt in seinen Erinnerungen folgende Erklärungen dazu ab:
Sie (die Kriegsgefangenen) kamen aus dem Wehrmachts- Kriegsgefangenenlager "Lambsdorf" O/S** in einem völlig heruntergekommenen Zustand. Sie waren in wochenlangen Fussmärschen dorthin (Auschwitz und vorher nach Lambsdorf) gebracht worden. Unterwegs gab es kaum Verpflegung. Bei Marschpausen wurden sie einfach auf die nächstliegenden Felder geführt und fraßen da, wie das Vieh, alles genießbare.....
..........
Mit diesen, sich oft kaum noch aufrecht haltenden Gefangenen sollte ich (Höß) nun das KGL (Kriegsgefangenenlager) Birkenau aufbauen. Nach Anordnung des RFSS (Reichsführer SS = Himmler), sollten nur besonders kräftige, voll einsatzfähige kriegsgefangene Russen überführt werden. Die Transportbegleitoffiziere sagten, das wäre das Beste, was in Lambsdorf zur Verfügung stünde (was ein bezeichnendes Licht auf dieses Kriegsgefangenenlager wirft*)."
Es folgt noch eine ganze Reihe von Auzählungen, wie schlecht die Russen körperlich beisammen waren und wie sie vor Erschöpfung und durch Krankheit täglich zu Dutzenden und mehr starben. Dann....
"Aufeinander nahmen sie keine Rücksicht mehr, der krasseste Selbsterhaltungstrieb ließ keine menschlichen Regungen mehr zu. Die Fälle von Kanibalismus waren in Birkenau nicht selten (!). Ich selbst (Höß) fand einen Russen zwischen den Ziegelsteinhaufen liegend, dem der Leib mit einem stumpfen Gegenstand aufgerissen und dem die Leber fehlte. Sie schlugen sich gegenseitig tot, um zu Essbarem zu gelangen..." Hier folgen noch einige Beispiele persönlichen Erlebens.
Er schliess ab mit den Worten:
"Es waren keine Menschen mehr. Sie waren Tiere geworden, nur noch auf Nahrungssuche aus."

Noch mal zur Erinnerung: Es handelte sich um KRIEGSgefangene!

* Es waren genau 11.957. Davon überstellte man 49 ins KL Flossenbürg und 29 sind geflohen. Darin enthalten sind nicht jene Gruppe von 900 Kommissaren und politisch verdächtigen Kriegsgefangenen, die vorher schon eingeliefert und vergast worden sind.

** Dazu an anderer Stelle mehr.

Ps: Die Bemerkungen bzw. Erklärungen in Klammern stammen von mir.

Quelle: Auschwitz in den Augen der SS und Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz - Birkenau 1939-1945. .
.
Noch eine Anmerkung zu dem KGL Lambsdorf. Meist und bezeichnenderweise findet man dazu nur Berichte aus der Zeit, als das ehemalige Kriegsgefangenenlager von den Polen nach Kriegsende als Internierungslager für Deutsche genutzt wurde.
"KZ Lamsdorf war ein Vernichtungslager" http://www.nexusboard.net/sitemap/6365/k...-vernichtung...
Wer sich also darüber informieren will wird viel mehr finden, als über die Zeit, als es ein deutsches Kriegsgefangenenlager für sowjetische Kriegsgefangene war.
Für viel mehr reicht es da nicht:"Im Zweiten Weltkrieg war in Lamsdorf einer der größten Lagerkomplexe der Wehrmacht: Stalag VIII B, Stalag VIII F/318 und Stalag 344. Rund 400.000 Gefangene, davon 200.000 Personen mit sowjetischer Staatsbürgerschaft sollen durch die Lager gegangen sein. Auf die 42.000 Toten weist heute das Denkmal des Martyriums der Kriegsgefangenen in Łambinowice hin.
Die Rote Armee erreichte und befreite das Lager am 17. März 1945."

Die Erinnerungen Höß' über die ihm zugeteilten Gefangenen und seine Auslassungen über das Lager Lambsdorg lassen da weitaus mehr erahnen. Seine Beschreibung deckt sich fast mit den Rheinwiesenlagern, nur mit dem Unterschied, dass die Zustände in Lambsdorf Jahre andauerten und zehntausende Tote forderten und dort festgehaltenen völlig perpektivlos waren.
Die 42.000 Tote gab es allein in Lambsdorf. Nicht eingerechnet die vielen, die von dort woandershin zur Zwangsarbeit oder eben auch zur Vernichtung geschickt wurden.
Übrigens ist es auch eine Tatsache, dass russische Kriegsgefangene in Auschwitz zu den ersten Opfern gehörten, die mit Zyklon B gezielt und in Vorbereitung der "Endlösung" ermordet wurden. Die meisten von ihnen waren Kommissare....

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