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Waldi44 Offline




Beiträge: 496

21.10.2010 13:58
RE: Vom kleinen Kreuzer.... antworten

...zur schwimmenden Flakbatterie "Medusa".
Schiffe haben mich ja schon immer fasziniert, unter anderem wegen der oft abenteuerlichen Geschichten und der Geschichte, die sich im sie, ihre Besatzungen und ihren Werdegang ranken.
Hier mal wieder so ein Schiff, dass ein sehr bewegtes "Leben" hatte, die "Madusa"!
Die "Medusa" lief am 5.12.1900 bei der A.G. Weser in Bremen als Bau Nr. 128 vom Stapel und wurde im Juli 1901 fertiggestellt. Sie war einer der zehn kleinen Kreuzer der "Gazelle- Klasse", die zwischen 1897 und 1904 gebaut wurden.
Aus Personalmangel(?) wurde sie aber vorerst nicht in Dienst gestellt und verblieb bis zum April 1903 in der Reserveflotte, bis sie schliesslich am 1.4.1903 bei den Aufklärungsstreitkräften in Dienstgestellt wurde und an Manövern und Auslandfahrten teilnahm.
Obwohl es sich bei den Schiffen der "Gazelle-Klasse" um relativ neue Schiffe handelte, galten sie aufgrund ihrer schwachen Bewaffnung(105 mm)als zu "schwach"!
Deshalb schied die "Medusa" am 15.09.1907 aus dem aktiven Dienst aus und löste ihr Schwesterschiff die "Nymphe" als Artzillerieschulschiff ab, bis sie am 23.051908 ausser Dienst und wieder der Reserveflotte überstellt wurde.
Erst am 04.081914, also nach dem Ausbruch des 1.Weltkrieges, wurde sie wieder reaktiviert und der Hafenflottille der Elbe zugeteilt. Von mitte 1915 bis Ende1915 lag sie als Reserveschiff in Wilhelmshaven und kam dann zur Küstenschutzdivision in die Ostsee.
Am 18.12.1916 schliesslich wurde die nunmehr hoffnungslos veraltete "Medusa" erneut ausser Dienst gestellt und kam als "Beischiff" des Schiffsjungenschulschiffs "König Wilhelm" nach Flensburg, wo sie bis Kriegsende blieb.
Nach dem Ende des 1.Wk gehörte sie mit zu den fünf kleinen Kreuzern der "Gazelle- Klasse", welche die neue Reichsmarine aus den Beständen der Kaiserlichen Kriegsmarine übernehmen durfte und wurde als Flaggschiff der deutschen Seestreitkräfte in der Ostsee am 17.07.1920 wieder in Dienst gestellt.
Später wurde sie als Flaggschiff von dem auch wieder in Dienst gestelltem Linienschiff "Hannover" abgelöst und übernahm alle möglichen Aufgaben, bis hin zu denen eines Eisbrechers.
1924 endete zum wiederholten male ihre aktive Zeit und sie kam zur Reserveflotte. Ab 1927 diente die "Medusa" als Wohnschiff, bis sie am 1.2.1928 aus der Liste der Kriegsschiffe gestrichen und zum gewöhnlichen Wohnhulk wurde.
Maschinen und Schiffsschrauben wurden entfernt und anderweitig genutzt. Lediglich Hilfsmaschinen zur Stromerzeugung blieben an Bord.
Dies war eigentlich das Ende eines "Schiffslebens", aber nicht das der "Medusa", denn ein neuer Krieg stand ins Haus, der 2.Wk!
Ende Mai 1940 wurde der Wohnhulk in die Rickmers-Werft nach Wesermünde geschleppt und zur schwimmenden Flakbatterie umgerüstet und ihr "neues Leben" begann mit ihrer vierten Indienststellung am 13.08.1940.
Als kleiner Kreuzer hatte die "Medusa" folgende Bewaffnung:
10...... 105 mm Geschütze ab 1916 nur noch 6 und ab 1920 wieder 10.
2x TR 450 mm
Als Flakbatterie:
4 x 105 mm
2 x 37 mm
4 x 20 mm in Einzellafette
4 x 20 mm in Vierlingslafette
Sowie: 2 x 6-m- Ortungsgeräte und
1 x Würzburg- Radar.
Die "Medusa" gehörte sozusagen zur vorgeschobenen Abwehr und lag vor Wilhelmshaven. Am 19.04.1945 schlug auch ihre Stunde!
Bei Windstärke 5 und wolkenlosem Himmel wurde das Schiff um 14:22 Uhr von 14 bis 16 Feindmaschinen angegriffen. Einmotorige Jäger und zweimotorige Jabos "Mosquitos". Sie kamen aus allen Richtungen und aus etwa 3- 4.000 Meter Höhe.
Alle Geschütze erhielten sofortige Feuererlaubnis, was aber nicht verhindern konnte, das als erstes der Feuerleitstand zerstört wurde, fast zeitgleich das Würzburggerät und schlussendlich die Elektrik, welche die 105er mit Granaten versorgte.
Dennoch schossen die Geschütze weiter! Die Besatzung, 2 Offiziere, 34 Unteroffiziere und 220 Mannschaften schleppten die Granaten eben per Hand an die Geschütze und verschossen fast den gesmten Munitionsvorrat. Immerhin noch 400 Granaten 105 mm und zig tausend Schuss der anderen Kaliliber!
Neben der Volltreffer gab es noch eine Reihe Nahtreffer, die zum Wassereinbruch führten, den man aber mit Bordmitteln stoppen konnte.
Leider ist mir nicht bekannt, ob es bei diesem Angriff auch Abschüsse gab, ich glaub aber nicht, sonst wären sie vermerkt! Auf deutscher Seite gab es 23 Tote und 41 Verwundete und das Schiff selbst war so gut wie ein Wrack!
Zum letzten mal wurde das "geschundene" Schiff ausser Dienst gestellt und lag an der Wiesbadenbrücke in Wilhelmshaven, wo sie nochmals Opfer eines schweren Bombenangriffes wurde.
Zwischen 1948 und 50 wurde die "Medusa" auf Befehl der Briten abgewrackt.

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