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 Deutsch-Dänischer Krieg 1848-50, 1864 - Eine neue Antwort erstellen Ihre Schreibrechte
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 RE: Deutsch-Dänischer Krieg 1848-50, 1864

Die dänische Gewaltherrschaft
Dieser schmähliche Ausgang der Schleswig-holsteinischen Erhebung, die zugleich als eine nationaldeutsche Sache angesehen worden war, erregte in Deutschland Erbitterung und Beschämung. Wenn auch die Hauptschuld auf Preußen fiel, dessen König die Erhebung als revolutionär verabscheute, so erschien doch der Mangel einer einheitlichen Organisation Deutschlands als Ursache der deutschen Niederlage, und das Schicksal Schleswig-Holsteins weckte das deutsche Nationalbewusstsein. Die Dänen betrachteten Schleswig-Holstein als erobertes Land, das durch seine "Rebellion" alle seine Rechte verwirkt habe. Eine Menge von Beamten, auch acht Kieler Professoren, wurden des Landes verwiesen; das ganze Kriegsmaterial wurde nach Dänemark geschafft, den entlassenen Offizieren und Mannschaften jede Pension verweigert. Jedes Herzogtum erhielt durch Erlass vom 28. Januar 1852 besondere Minister und Landstände. Diesen, die für Schleswig in Flensburg, für Holstein in Itzehoe zusammentraten, wurden im Oktober 1853 die Entwürfe der neuen Provinzialverfassungen vorgelegt; danach bildete Schleswig ein unzertrennliches Glied des dänischen Reiches, Holstein einen selbständigen Teil der dänischen Monarchie, der mit derselben durch das Thronfolgegesetz vom 31. Juli 1853 auf immer vereinigt sei. Obwohl die Stände beide Entwürfe verwarfen, wurden sie doch als gültige Verfassungen für Schleswig 15. Februar, für Holstein 11. Juni 1854 veröffentlicht. Ebenso erhielt die vom dänischen Reichstag beschlossene Gesamtstaatsverfassung am 26. Juli 1854 Rechtskraft. In dem gemeinschaftlichen Reichsrat war Schleswig-Holstein zur Minderheit verurteilt; bei der Steuerbewilligung und der Feststellung des Staatshaushalts waren seine Interessen nicht gewahrt, seine Domänen wurden für den Gesamtstaat in Anspruch genommen. Armee und Flotte, Zoll, Post, Münze etc. waren fortan dänisch. Zwischen Schleswig und Holstein dagegen wurden möglichst viele Schranken ausgerichtet, unter anderen das gemeinschaftliche Oberappellationsgericht in Kiel aufgehoben. In Nordschleswig oder "Südjütland" wurden die deutschen Geistlichen und Lehrer durch Dänen ersetzt und das Dänische als Kirchen- und Schulsprache rein deutschen Gemeinden aufgedrängt.

Indes die Herzogtümer wahrten mit Festigkeit ihre Rechte. Im dänischen Reichsrat verlangten 1856 elf deutsche Mitglieder, dass die Gesamtstaatsverfassung den Ständen der Herzogtümer vorgelegt werde und als dies zurückgewiesen wurde, protestierten sie gegen die Gültigkeit der Verfassung. Dies veranlasste Österreich und Preußen, bei Dänemark die 1851 und 1852 eingegangenen Verpflichtungen in Erinnerung zu bringen, und am 11. Februar 1858 erklärte der Deutsche Bund, dass die Gesamtstaatsverfassung sowie ein Teil der Provinzialverfassung für Holstein und Lauenburg nicht als rechtsgültig zu betrachten seien. Aber erst als der Deutsche Bund mit Exekution drohte, wurde die Gesamtstaatsverfassung am 6. November 1858 für Holstein und Lauenburg außer Wirksamkeit gesetzt, jedoch zugleich erklärt, dass die Minister auch in betreff Holsteins nur dem König verantwortlich seien. Es blieb daher der bisherige Zustand bestehen, nur waren Holstein und Lauenburg im Reichsrat gar nicht vertreten und Schleswig den Dänen erst recht preisgegeben. Jeden Antrag auf Verständigung über eine neue Gesamtstaatsverfassung erwiderten die holsteinischen Stände mit der Forderung voller Selbständigkeit und dem Hinweis auf das alte Recht der Verbindung mit Schleswig, ohne deren Herstellung kein Friede in Schleswig-Holstein möglich sei. Unter diesen Umständen gab König Friedrich VII. den Gedanken einer im Interesse der Dynastie erwünschten Gesamtmonarchie auf und schloss sich ganz der eiderdänischen Partei an, die, um Schleswig völlig einverleiben zu können, Holsteins Ausschluss aus dem Gesamtstaat vorschlug. Eine königliche Bekanntmachung vom 30. März 1863 schloss Holstein und Lauenburg aus dem Gesamtstaat aus und setzte die Rechte der holsteinischen Stände auf das geringste Maß herab. Der Bundestag erhob hiergegen Einspruch und beschloss, da er unbeachtet blieb, am 1. Oktober die Exekution in Holstein und Lauenburg. Der dänische Reichsrat nahm dagegen am 13. November 1863 eine eiderdänische Verfassung an, die Schleswig völlig mit Dänemark verschmolz.

Der Deutsch-Dänische Krieg

Da starb am 15. November 1863 König Friedrich VII. und mit ihm erlosch die königliche Linie des Hauses Oldenburg. Dem Londoner Protokoll gemäß folgte Christian von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg als Christian IX. auf dem Thron. In den Herzogtümern, die das Londoner Protokoll nie anerkannt hatten, wurde aber nicht er als rechtmäßiger Erbe angesehen, sondern Prinz Friedrich von Augustenburg, dessen Vater, Herzog Christian, zwar 1852 sich in seinem und seiner Familie Namen verpflichtet hatte, nichts gegen das Londoner Protokoll zu unternehmen, der selbst aber nie seine Zustimmung hierzu gegeben hatte. Prinz Friedrich erklärte also am 16. November seinen Regierungsantritt als Herzog Friedrich VIII. von Schleswig-Holstein und dieser Akt wurde in ganz Deutschland mit Jubel begrüßt. Der Bundestag in Frankfurt am Main, an den sich Friedrich VIII. um Anerkennung seines Rechts wandte, während der dänische Gesandte seine neue Vollmacht für Christian IX. vorlegte, beschloss die einstweilige Suspension der holstein-lauenburgischen Stimme und am 7. Dezember die Ausführung der Bundesexekution. Die dänische Regierung ließ Holstein durch ihre Truppen räumen und am 23. Dezember rückten 12.000 Sachsen und Hannoveraner unter dem sächsischen General Hake in Holstein ein. Herzog Friedrich wurde überall als Landesherr ausgerufen und von einer großen Volksversammlung in Elmshorn am 27. Dezember zum Erscheinen in Schleswig-Holstein eingeladen, während eine Versammlung von 491 Abgeordneten deutscher Ständeversammlungen in Frankfurt a.M. am 21. Dezember sich einstimmig für das Recht des Augustenburgers erklärte und den "Sechsunddreißiger-Ausschuß" einsetzte, um dasselbe zur Anerkennung zu bringen. Ende Dezember traf Herzog Friedrich in Schleswig-Holstein ein und nahm in Kiel am 30. Dezember Residenz, bildete auch ein Kabinett, respektierte aber die Bundesexekution und ihre Verwaltung.

Bei der Entschiedenheit, mit der sich das deutsche Volk und mehrere Fürsten für Herzog Friedrich und die sofortige Trennung der Herzogtümer von Dänemark aussprachen, erregte es Befremden, als Österreich und Preußen erklärten, dass sie sich an das Londoner Protokoll für gebunden erachteten und vom Deutschen Bund die Ausweisung des Herzogs aus Schleswig-Holstein verlangten, die jedoch am 2. Januar 1864 abgelehnt wurde. Niemand durchschaute Bismarcks Politik, die allerdings die verblendete Hartnäckigkeit der Dänen zur Voraussetzung hatte. Der Deutsche Bund weigerte sich daher am 14. Januar, sich den weitern Schritten Österreichs und Preußens anzuschließen, und diese handelten nunmehr allein. Da Christian IX. am 18. November 1863 die eiderdänische Verfassung sanktioniert hatte, forderten sie am 16. Januar 1864, dass diese den Vereinbarungen von 1851 und 1852 widersprechende Verfassung binnen 48 Stunden außer Kraft gesetzt werde, widrigenfalls sie Schleswig als Pfand besetzen müssten. Im Vertrauen auf die früher bewiesene Schwäche Deutschlands und die Hilfe Englands wies Dänemark die österreichisch-preußische Forderung am 18. Januar ab, Österreich und Preußen erklärten darauf, dass sie das Londoner Protokoll auch nicht mehr als bindend erachteten und ließen ihre Truppen, 28.500 Österreicher unter Gablenz und 43.500 Preußen unter Prinz Friedrich Karl, einmarschieren; den Oberbefehl erhielt der Feldmarschall von Wrangel (Deutsch-Dänischer Krieg). Der von Moltke entworfene Kriegsplan war, mit den Flügeln (preußischen Truppen) die Stellung der 30.000 Mann starken Dänen hinter dem Danewerk zu umgehen und ihnen den Rückzug abzuschneiden. Da jedoch Wrangel den unglücklichen Angriff des Prinzen Friedrich Karl auf Missunde (1. Februar) und das stürmische Vorgehen der Österreicher im Zentrum bei Overselk (3. Februar) zuließ, wurden die Dänen die drohende Gefahr gewahr und räumten in der Nacht vom 5. zum 6. Februar das Danewerk. Prinz Friedrich Karl, der bei Arnis die Schlei überschritt, kam nun zu spät und nur die Österreicher konnten den Dänen am 6. Februar noch südlich von Flensburg bei Översee empfindliche Verluste beibringen. Die dänische Armee zog sich teils in die Düppeler Schanzen, teils nach Jütland zurück. Die preußische Gardedivision folgte bis zur Nordgrenze Schleswigs und besetzte am 19. Februar Kolding.

Da die preußische Heeresleitung die Düppeler Schanzen nicht sofort stürmen ließ, sondern sich für eine förmliche Belagerung entschied, für die das Material erst herangeschafft werden musste, Österreich aber gegen ein Vordringen in Jütland zunächst Bedenken erhob, so gerieten die Kriegsunternehmungen ins Stocken. Zum Glück lehnte Napoleon III. eine bewaffnete Einmischung zugunsten Dänemarks, die England vorschlug, ab. England allein wollte nichts tun und Russland war durch den polnischen Aufstand, in dem ihm Preußen überdies wichtige Dienste geleistet hatte, in Anspruch genommen. So gab Österreich seine Zustimmung zur energischen Fortsetzung des Krieges. Während am 7. März die Verbündeten die Grenze Jütlands überschritten, wurde Mitte März die Beschießung, am 28. März der förmliche Angriff auf die Düppeler Schanzen (siehe Düppeldenkmal) durch Parallelen eröffnet und nach einer Reihe von Gefechten vertrieb am 18. April der Sturm die Dänen unter großen Verlusten aus den Schanzen; sie zogen sich nach Alsen zurück. Die Preußen verloren 1200 Mann an Toten und Verwundeten. Darauf wurde Jütland bis zum Limfjord besetzt; Fredericia räumten die Dänen ohne Schwertstreich (28. April). Dem besetzten dänischen Gebiet wurde eine Kontribution von 650.000 Taler auferlegt zum Ersatz für den Schaden, den die Blockade der deutschen Seehäfen und die Aufbringung deutscher Schiffe durch dänische Kreuzer verursacht hatten; denn obwohl die Preußen am 10. März bei Jasmund in Rügen und die Österreicher am 9. Mai bei Helgoland die dänische Flotte angegriffen hatten, war die Übermacht zur See doch noch auf dänischer Seite.

Auf Englands Betreiben wurde am 25. April die Londoner Konferenz eröffnet, um eine friedliche Lösung der schleswig-holsteinischen Frage zu versuchen; der Deutsche Bund war dort durch Beust (Ministerpräsident des Königreichs Sachsen) vertreten. Sie brachte am 12. Mai einen Waffenstillstand, nicht aber eine Vereinbarung über Schleswig-Holstein zustande. Die deutschen Mächte schlugen am 17. Mai eine reine Personalunion zwischen Dänemark und Schleswig-Holstein vor, aber Dänemark lehnte diese ebenso ab wie eine Teilung Schleswigs nach der Sprachgrenze nördlich von Flensburg. Preußen und Österreich sagten sich daher formell vom Londoner Protokoll los und verlangten am 28. Mai im Verein mit Beust die vollständige Trennung der Herzogtümer von Dänemark und ihre Vereinigung zu einem Staat unter dem Erbprinzen von Augustenburg. Da die dänische Regierung darauf erst recht nicht einging, löste sich die Konferenz am 25. Juni unverrichteter Sache auf. Der Krieg begann von neuem; in der Nacht vom 28. auf den 29. Juni gingen die Preußen unter Herwarth von Bittenfeld über den Alsenfund und eroberten die Insel Alsen nach kurzem Kampf; der Rest der dänischen Armee rettete sich nach Fünen. Nun wurde das Land nördlich vom Limfjord bis zum Kap Skagen besetzt und die Dänen von den friesischen Inseln vertrieben. Alles war schon für eine Landung der Verbündeten in Fünen und Seeland vorbereitet und da den Dänen fremde Hilfe nicht zuteil wurde, gaben sie den weitern Widerstand auf. Die Kriegshandlungen wurden am 20. Juli eingestellt und am 1. August in Wien die Friedenspräliminarien abgeschlossen; der endgültige Friede von Wien wurde am 30. Oktober unterzeichnet. König Christian IX. trat darin seine Rechte auf Schleswig, von dem nur kleine Landstriche an der Nordgrenze zu Dänemark geschlagen wurden, Holstein und Lauenburg an Österreich und Preußen zu freier Verfügung ab. Die Kriegskosten und 20 Millionen Taler von der dänischen Staatsschuld wurden Schleswig-Holstein aufgebürdet.
So war die Trennung der Herzogtümer von Dänemark erreicht. Nun erhob sich aber die Frage, was mit ihnen geschehen sollte. Die deutsche Bevölkerung in Schleswig-Holstein, die den kriegerischen Ereignissen mit Freude über die Niederlagen der Dänen und mit Misstrauen gegen die Absichten der Großmächte zugeschaut hatte, betrachtete die Herrschaft des Augustenburgers als selbstverständlich. Die Mittel- und Kleinstaaten sahen sie als die beste und die gerechteste Lösung an. Preußen, mit dem Österreich vorläufig noch Hand in Hand ging, war aber nicht geneigt, die eroberten Herzogtümer ohne weiteres auszuliefern, um einen neuen Mittelstaat wie das Königreich Hannover an seinen Grenzen entstehen zu lassen. Zunächst setzte es sich in den völligen Besitz von Schleswig-Holstein, indem es am 29. November das Königreich Hannover und Sachsen aufforderte, ihre Truppen aus Holstein zurückzuziehen. Am 7. Dezember übergaben die Bundeskommissare den österreichisch-preußischen Zivilkommissaren Holstein und Lauenburg. Sodann wurde das ausschließliche Erbrecht des Erbprinzen von Augustenburg angezweifelt, obwohl die juristischen Fakultäten von 16 Universitäten es anerkannten, und der Großherzog von Oldenburg, dem der Zar von Russland seine Ansprüche abgetreten hatte und Prinz Friedrich von Hessen traten als Prätendenten auf; ja das Haus Hohenzollern selbst erhob Ansprüche. Ein Gutachten der preußischen Kronsyndici erklärte schlussendlich 1865 die Ansprüche des Erbprinzen Friedrich als beseitigt durch das 1852 abgegebene Versprechen seines Vaters und demnach die deutschen Großmächte als die Rechtsnachfolger Dänemarks und die rechtmäßigen Besitzer Schleswig-Holsteins. Dennoch würde Bismarck den Herzog Friedrich anerkannt haben, wenn dieser die preußischen Forderungen (22. Februar 1865) angenommen hätte; nämlich seine Armee und Marine mit der preußischen zu vereinigen, Sonderburg, Rendsburg und Friedrichsort von preußischen Truppen besetzen zu lassen, das für einen Nordostseekanal erforderliche Gebiet abzutreten, sich dem Zollverein anzuschließen und Post- und Telegraphenwesen an Preußen abzugeben. Auch Österreich lehnte diese Bedingungen am 5. März ab und nahm seit dem Rücktritt Rechbergs, den Mensdorff ersetzte, überhaupt eine andere Stellung zu der Frage ein. Der Plan, die Februarbedingungen einer Landesversammlung vorzulegen, von dem Bismarck Erfolg hoffte, da aus Schleswig-Holstein selbst Kundgebungen zugunsten Preußens erfolgt waren, scheiterte daran, dass sich Österreich und Preußen über den Wahlmodus nicht einigen konnten.

Noch einmal kam es zwischen Österreich und Preußen zu einer Verständigung durch die Konvention von Gastein vom 14. August 1865; der Besitz der Herzogtümer sollte beiden Mächten gemeinsam bleiben, die Verwaltung von Holstein aber Österreich, die von Schleswig Preußen zustehen, das außerdem den Kieler Hafen, die Mitbesetzung von Rendsburg und die Oberaufsicht über den zu erbauenden Nordostseekanal erhielt; Lauenburg wurde gegen 2½ Millionen dänische Taler von Österreich an den König von Preußen abgetreten. Während Manteuffel in Schleswig streng allen augustenburgischen Demonstrationen entgegentrat, ließ Gablenz in Holstein Proteste von Vereinen und Versammlungen gegen die Konvention von Gastein zu, duldete die Nebenregierung des Erbprinzen Friedrich in Kiel und ließ sogar zu, dass von der Einberufung einer schleswig-holsteinischen Ständeversammlung gesprochen wurde. Die Klagen der preußischen Regierung hierüber ließ Österreich unbeachtet, ja, gab seine bisherige Politik auf und entschied sich für den Augustenburger, indem es am 26. April 1866 Preußen vorschlug, ihre Rechte auf Schleswig-Holstein demjenigen Prätendenten abzutreten, den der Deutsche Bund als den berechtigtsten anerkenne. Als Preußen hierauf nicht einging, übertrug Österreich die Entscheidung der schleswig-holsteinischen Frage am 1. Juni dem Deutschen Bund und berief die holsteinischen Stände für den 11. Juni nach Itzehoe. Dies erklärte Preußen für einen Bruch der Konvention von Gastein und ließ seine Truppen aus Schleswig in Holstein einmarschieren, womit der Krieg zwischen Österreich und Preußen ausbrach (Deutscher Krieg bzw. Preußisch-deutscher Krieg). Durch den Prager Frieden vom 23. August 1866 trat Österreich Schleswig-Holstein an Preußen ab, doch mit der von Napoleon III. durchgesetzten Einschränkung (Art. 5), dass, wenn die Bevölkerung von Nordschleswig den Wunsch, mit Dänemark vereinigt zu werden, durch ein freies Votum ausdrücke, Nordschleswig an Dänemark abgetreten werden solle. Durch Vertrag vom 27. September 1866 erwarb Preußen die Ansprüche des Hauses Schleswig-Holstein-Gottorp vom Großherzog von Oldenburg durch die Zahlung von 1 Million Taler und die Abtretung von Ahrensböck. Auf Grund des Gesetzes vom 24. Dezember 1866 und des königlichen Patents vom 12. Januar 1867 wurde die Besitzergreifung Schleswig-Holsteins in das Königreich Preußen am 24. Januar 1867 vollzogen. Die preußische Verfassung trat am 1. Oktober 1867 in Kraft, die im Wiener Frieden auf Schleswig-Holstein gefallenen Kriegskosten und Staatsschulden übernahm Preußen. Schleswig-Holstein bildet seitdem eine Provinz des preußischen Staates, mit der am 1. Juli 1876 auch Lauenburg als ein Kreis derselben vereinigt wurde. Der Artikel 5 des Prager Friedens wurde, nachdem fruchtlose Verhandlungen mit Frankreich und Dänemark über die Ausführung desselben gepflogen worden waren, im Oktober 1878 im Einverständnis mit Österreich aufgehoben.

Die Vereinigung mit Preußen als Endergebnis der fast 20jährigen stürmischen Ereignisse wurde in Schleswig-Holstein zumeist nicht mit Freude begrüßt. Die Beseitigung des Erbprinzen von Augustenburg erschien als eine Rechtsverletzung. Überdies fügte sich die Eigenart der Schleswig-Holsteiner schwer in die ungewohnten Einrichtungen des preußischen Staates und seines Beamtentums. Auch hier wirkten die großen Ereignisse von 1870/71 (Deutsch-Französischer Krieg) versöhnend. Nach der Herstellung geordneter, gesicherter Verhältnisse nahmen Handel und Industrie in Schleswig-Holstein einen großen Aufschwung; namentlich Altona und Kiel, der bedeutendste Kriegshafen des Deutschen Reiches, wuchsen mächtig heran. Der Bau des großartigen Nordostseekanals (Kaiser Wilhelm-Kanal) kam Schleswig-Holstein sehr zustatten. Die Wiedererwerbung des 1814 an England abgetretenen Helgoland (1890) war der Macht des neuen Reiches zu danken. Und auch die Vermählung (1881) des Erben der deutschen und preußischen Krone, des Prinzen Wilhelm (Kaisers Wilhelm II.) mit der ältesten Tochter Friedrichs von Augustenburg, Prinzessin Auguste Viktoria, trug dazu bei, trübe Erinnerungen in Vergessenheit zu bringen. Durch Vertrag zwischen Preußen und Dänemark vom 11. Januar 1907 wurde bestimmt, dass die bisher staatenlosen Optantenkinder in jedem der beiden Staaten auf ihren Antrag die Staatsangehörigkeit erhalten sollen.
Dem Hause Augustenburg, repräsentiert durch Herzog Ernst Günter (* 11. August 1863; das Recht auf Führung des Titels "Herzog zu Schleswig-Holstein" hat Preußen dem Haupte des Geschlechts erst 1881 zugestanden, 1886 wurde ein Fideikommiß aus den Herrschaften Primkenau, Gravenstein u.a. gegründet), den Bruder der Kaiserin, wurde 1885 seitens Preußens eine Abfindung gewährt gegen ausdrücklichen Verzicht auf alle früheren Rechte auf Schleswig-Holstein; es erhielt eine Jahresrente von 300.000 Mark, sowie die beiden Schlösser Augustenburg und Sonderburg. Dem Hause Glücksburg, repräsentiert durch Herzog Friedrich Ferdinand (* 12. Oktober 1855), gewährleistete Preußen 1905 den Besitz des Schlosses Glücksburg und bewilligte ihm jährlich 150.000 Mark Unterhaltungskosten, nachdem die dem Hause bislang vom dänischen Staate gezahlten Apanagen weggefallen waren. Dem Hause Glücksburg wurde 1904 durch den Verzicht des russischen Zarenhauses auf den oldenburgischen Thron im Falle des Aussterbens des in Oldenburg regierenden Hauses und nach dem Erlöschen der russischen Oldenburger die Erbfolge im Großherzogtum Oldenburg zugesichert. Dabei wurde die ältere Augustenburger Linie trotz des Einspruchs von Herzog Ernst Günter übergangen, weil deren deutscher Zweig auszusterben droht und dann der jüngere, englische, also ausländische, erbberechtigt sein würde. Im Zusammenhang mit dieser Aussicht, regierende Familie in einem deutschen Bundesstaate zu werden, wurde 1904 dem ganzen schleswig-holsteinischen Fürstengeschlecht vom Reiche die Rechtsstellung der regierenden Fürstenhäuser verliehen.

An die Kämpfe im Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 erinnerte bis 1945 das Düppeldenkmal am Platz einer früheren Schanze und das Alsen-Denkmal bei Arnkiel am Alsensund. Unmittelbar nach dem Krieg begann die Planung zwei traditionelle Denkmäler bei Düppel und auf Alsen zu errichtet. In engen Zusammenhang mit der Errichtung der Denkmäler war ein Siegesdenkmal (Siegessäule) in Berlin geplant. Mit der Planung der Projekte wurde der Preußische Oberhofbaurat Johann Heinrich Strack beauftragt. 1867 wurden 330.000 Taler für die drei Denkmalprojekte bewilligt.
Der Versailler Vertrag bestimmte nach dem 1. Weltkrieg eine Volksabstimmung in Nordschleswig. Um Dänemark den gewünschten Gebietsgewinn sicherzustellen wurde Nordschleswig in zwei Abstimmungszonen eingeteilt. In der nördlichen Zone votieren erwartungsgemäß 74,2 % der Stimmberechtigten für Dänemark, in der südlichen 80 % für Deutschland. Städte wie Sonderburg (56 %), Tondern (77 %) und Apenrade (55,1 %), die mehrheitlich für Deutschland votiert hatten, fielen so an Dänemark. Eine Entscheidung über die Rechte der jeweiligen Minderheiten kommt erst 1955 zustande.

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Thor v. S., 04.01.2017 16:35
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